Lade Inhalte...

Trump vor den UN Von Schurkenstaaten und Aktienrekorden

Bei seinem ersten Auftritt vor den Vereinten Nationen bewegt sich Donald Trump zwischen nationalistischen Parolen und Weltpolitik. Gegen Nordkorea feuert er eine bombastische Drohung ab.

Donald Trump
Vor den UN preist Donald Trump den amerikanischen Patriotismus. Foto: dpa

Bevor er mit seiner eigentlichen Rede beginnt, schiebt Donald Trump noch einen kurzen Werbeblock ein. Um kurz nach zehn Uhr morgens ist der amerikanische Präsident ans Rednerpult des ehrwürdigen Versammlungssaals der Vereinten Nationen getreten, und die Vertreter von 193 Staaten erwarten mit einiger Spannung, welche Botschaft der mächtigste Mann der Welt bei seinem ersten Auftritt auf einer Vollversammlung  wohl aussenden wird. Trump, der die UN im Wahlkampf als Debattierclub verspottet und versprochen hat, Amerika wieder an die erste Stelle zu setzen, trägt ein weißes Einstecktuch zur mittelblauen Krawatte und bemüht sich sichtlich um eine staatsmännisch-gravitätische Ausstrahlung.

Willkommen in New York. Es ist eine große Ehre, hier in meiner Heimatstadt vor Ihnen zu stehen“, hebt der UN-Novize an. Das ist keine schlechte Einleitung. Doch Trump wäre nicht Trump, wenn dann nicht doch ein ordentlicher Schuss Eigen-PR stehen würde. Er kommt einher im Gewand des Dankes für ausländische Hilfe bei der Bewältigung der Hurrikan-Folgen. Amerika wird sich erholen“, schließt der Präsident an, denn zum Glück hat sich die USA seit dem Wahltag sehr gut entwickelt“. Es folgt der übliche Hinweis auf die Rekordfahrt der Aktienkurse, die niedrige Arbeitslosigkeit, und die Aufstockung der Verteidigungsausgaben. Nur ein starkes Amerika, so die unterschwellige Botschaft, kann der Welt helfen - und dafür ist Donald Trump der beste Garant.

Eine Dreiviertelstunde lang wird der US-Präsident anschließend reden, er wird viele Konfliktherde der Welt abhandeln - und am Ende dann den amerikanischen Patriotismus preisen. Der gesamte Vortrag ist von einer eigenartigen Ambivalenz gekennzeichnet: Mal referiert Trump mit gehörigem Pathos und steilen Thesen über die Weltpolitik, mal moduliert er die nationalistischen Töne seiner Kampagne. In dieser Melange sind souveräne Staaten, die für die Interessen ihrer Bevölkerung kämpfen, die Basis für ein respektvolles und friedliches Miteinander aller Länder. Die USA werden immer ein großer Freund der Vereinten Nationen sein. Aber wir können nicht länger akzeptieren, Deals zu machen, für die wir nichts bekommen“, sagt Trump.

Trumps Drohungen an Nordkorea

Draußen vor dem UN-Gebäude künden dunkle Wolken über dem East River vom vorbeiziehenden Hurrikan José.  Doch anders als UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der in seinem Eingangsstatement ausdrücklich auf die menschengemachten Ursachen der extremen Wetterphänomene hinwies, erwähnt Trump in seinen Ausführungen die Klimapolitik mit keinem einzigen Wort. Was in Erinnerung bleibt von diesem Auftritt sind vor allem zwei Szenen: Trumps bombastische Drohungen an die Adresse des verkommenen Regimes“ in Nordkorea. Und sein Versuch, die korrupte Diktatur“ des Iran auf dieselbe Schurkenstaat-Ebene zu drücken. Das erinnert  an die berühmte Rede von George W. Bush, der 2002 Nordkorea, Iran und Irak als Achse des Bösen“ definierte, um dann ein knappes Jahr später auf der Basis falscher Anschuldigungen im Irak einzumarschieren.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum