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Trump und der „Fake News Award“ Preis der Schande

US-Präsident will einen „Fake News Award“ für die „korruptesten und parteiischsten“ Medien verleihen - und erntet dafür scharfe Kritik aus den eigenen Reihen.

Donald Trump
Der Präsident hatte den Preis erstmals im November angekündigt. Foto: afp

Der US-Komiker Jimmy Fallon hatte das Ereignis schon vorgezogen. In seiner „Tonight Show“ ließ er am Dienstagabend Präsident Donald Trump vor einem glitzernden Vorhang eine kleine Statue verleihen: „Wie alle meine Produkte kommt sie aus China und ist mit falschem Gold überzogen.“ Vor „Milliarden von Zuschauern“ ging der unrühmliche Preis für die falscheste Berichterstattung an den Fernsehsender CNN und die beiden Tageszeitungen „Washington Post“ und „New York Times“, die Trump immer wieder als „Lügenpresse“ beschimpft hatte.

Doch viele Amerikaner finden Trumps Idee, einen „Fake News Award“ für die „korruptesten und parteiischsten“ Medien zu verleihen, gar nicht zum Lachen. Der Präsident hatte den Preis erstmals im November angekündigt und gesagt, es dürften sich alle Fernsehstationen außer seinem Lieblingssender Fox News bewerben. Da glaubte mancher noch an einen Witz. Doch Anfang des Jahres kündigte er für den 8. Januar die Preisverleihung an. Inzwischen sollten ausdrücklich auch Zeitungen angeprangert werden.

McCain und Flake sind schon früher auf Distanz gegangen

Kurzfristig verschob er den Termin auf den gestrigen Mittwoch, weil „das Interesse angesichts der Bedeutung des Ereignisses größer ist als erwartet“. Bisher wurde der Preis noch nicht verliehen. Dafür meldeten sich zwei prominente Republikaner zu Wort. „Herr Präsident, stoppen Sie die Angriffe auf die Presse“, forderte Senator John McCain in der „Washington Post“. Und sein Kollege Jeff Flake erklärte, es sei „ein Armutszeugnis für unsere Demokratie, dass unser Präsident dieselbe berüchtigte Beschreibung für seine Gegner benutzt wie der Massenmörder Josef Stalin“. Die von Stalin eingeführte Bezeichnung „Feinde des Volkes“ für die Medien sei von dessen Nachfolger Nikita Chruschtschow verboten worden. Dass Trump sie dennoch benutze, sei eine Schande, so der Senator aus Arizona.

Zwar sind McCain und Flake schon früher auf Distanz zu ihrem Parteifreund Trump gegangen. Aber die Schärfe ihrer Kritik am Präsidenten ist bemerkenswert. Sie wird ausgerechnet einen Tag nach einer denkwürdigen Zusammenkunft von Trump mit dem kasachischen Diktator Nursultan Nasarbajew im Weißen Haus laut. Als bei der anschließenden Pressekonferenz ein CNN-Reporter Trump mit Nachfragen zu dessen „Drecksloch“-Äußerung erkennbar auf die Nerven ging, rief der Präsident der Vereinigten Staaten „Raus!“ und zeigte auf die Tür.

Genau dieses autoritäre Verhalten ist nach Ansicht des angesehenen Kriegsveteranen McCain besorgniserregend: In der ganzen Welt sei die Pressefreiheit in Gefahr, schreibt er in seinem Gastbeitrag. 262 Journalisten säßen im Gefängnis. „Regierungen, die die Presse als ‚Feinde des Volkes‘ bezeichnen, schädigen oder zerstören deren Unabhängigkeit und beuten das Fehlen einer ernsthaften Kontrollinstanz aus, um Bürgerrechte und Freiheiten einzuschränken“, schreibt er. Trumps polemische Bezeichnung der „Fake News“ legitimiere Autokraten dabei, „kritische Reporter zum Schweigen zu bringen“, warnt McCain.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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