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Trump in Puerto Rico Eine Küchenrolle vom Präsidenten

Besuch im Katastrophengebiet nach fast zwei Wochen - der verspätete Auftritt von Donald Trump auf Puerto Rico wirkt bizarr.

Trump
Skurriler Höhepunkt des Besuchs: Trump gibt sich großzügig - und wirft mit Küchenrollen. Foto: rtr

Donald Trump war zufrieden. „Das war ein toller Besuch. Wir haben nur Dankeschöns gehört von den Menschen in Puerto Rico“, protzte er auf dem Heimflug von Puerto Rico vor Journalisten.

Vier Stunden lang war der US-Präsident am Dienstag über die vom Hurrikan Maria total verwüstete Karibikinsel gefegt, hatte Hände geschüttelt, Pressekonferenzen gegeben, Hilfsgüter verteilt – und vor allem sich selbst gelobt. In der amerikanischen Öffentlichkeit hingegen wird die Washingtoner Puerto-Rico-Hilfe deutlich kritischer gesehen. Nach einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur AP sind nur 32 Prozent der Bevölkerung mit der Krisenpolitik zufrieden. 49 Prozent halten sie für unzureichend.

Tatsächlich vergingen fast zwei Wochen, bis Trump das Katastrophengebiet besuchte, wo die Strom- und Wasserversorgung weitgehend ausgefallen ist. Auch lief – anders als in Texas und Florida – die bundesstaatliche Not- und Wiederaufbauhilfe nur schleppend an. Der Präsident hatte das zunächst mit der besonderen Lage von Puerto Rico begründet, das „vom Ozean umgeben“ ist.

Misslungene Scherze

Dann bezichtigte er die lokalen Behörden der Untätigkeit. Den Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung in einer wilden Pöbelei gegen die Bürgermeisterin von San Juan, Carmen Yulin Cruz. Diese hatte der offiziellen Washingtoner Einschätzung, die Hilfsaktion sei eine Erfolgsgeschichte, widersprochen: „Wir sterben hier, und ihr tötet uns mit eurer Ineffizienz und Bürokratie.“

Daraufhin hatte Trump zahlreiche Tweets über die „armselige Führungsfähigkeit“ der Bürgermeisterin abgefeuert. Bei seinem Besuch auf Puerto Rico ignorierte der Präsident die Politikerin weitgehend und unterhielt sich stattdessen mit dem Gouverneur Ricardo Rossello, der ihn lobte. Doch die Inszenierung der Reise trug bizarre Züge.

Gleich zu Beginn bemühte sich Trump, mit einem misslungenen Scherz die Stimmung aufzulockern: „Puerto Rico, es tut mir leid, euch das sagen zu müssen, aber ihr habt unser Budget ein bisschen durcheinandergebracht“, sagte er, um dann großzügig hinzuzusetzen: „Aber das geht in Ordnung.“

Dann pries er das gute Wetter auf der Insel („hin und wieder erwischt es euch“) und bemühte sich um ein merkwürdiges Lob: „Wenn man sich eine echte Katastrophe anschaut wie Katrina mit Tausenden von Toten und sieht, was hier bei dem Sturm passiert ist mit 16 Toten, könnt ihr sehr stolz sein.“

Nicht nur fanden auf Puerto Rico 34 Menschen den Tod durch das schlimme Unwetter, auch steht ein Großteil der Bevölkerung buchstäblich vor den Trümmern seiner Existenz.

Kein Stimmrecht bei Wahl

Den peinlichen Höhepunkt der Reise bildete ein Besuch von Trump in einem Zentrum für Hilfsgüter, wo er Rollen mit Papierhandtüchern in die Menge warf. Beobachter in Washington werten die Szene als weiteren Beleg für die Unfähigkeit des narzisstischen Politikers zur Empathie.

Im Falle Puerto Ricos könnte das lange Desinteresse jedoch auch politische Gründe haben: Die Insel ist zwar den USA angegliedert, doch leben die 3,4 Millionen spanischsprechenden Einwohner schon immer in großer Armut und haben kein Stimmrecht bei der Präsidentenwahl.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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