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Trump in Cleveland Eine Messe für „The Donald“

Donald Trump lässt sich beim Republikaner-Parteitag zum Präsidentschaftskandidaten krönen. Mit Ausschreitungen wird gerechnet, auch das Establishment der Partei meutert.

Polizei und Homeland Security auf Tour durch Cleveland. Foto: AFP

Vor vier Jahren stahl ein alter Mann – aber nicht irgendeiner – dem damaligen Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner die Schau. Clint Eastwood stand auf der Bühne und unterhielt sich mit einem leeren Stuhl, auf dem er Präsident Barack Obama verortete. Es war eine bizarre Vorstellung des Schauspielers, hinter der in der Rückschau der Auftritt des späteren Wahlverlierers Mitt Romney verblasste.

Das wird nicht wieder geschehen, wenn sich die Republikaner von Montag an zum Nominierungsparteitag in Cleveland im Bundesstaat Ohio treffen. Schon die Auswahl der Redner lässt darauf schließen, dass die viertägige Sause der Konservativen zu einem Festspiel für nur einen einzigen Mann wird: Donald Trump, der Milliardär aus New York, ist ein Selbstdarsteller höchsten Ranges, der sich von niemandem die Schau stehlen lässt.

Seit er vor gut einem Jahr in den Vorwahlkampf der Republikaner einstieg, hat es der 70 Jahre alte Populist vermocht, die Partei Ronald Reagans und Abraham Lincolns zu kapern. Auf seinem Egotrip zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat ließ sich Trump von nichts und niemandem aufhalten. Er beleidigte politische Gegner, Frauen, Latinos und Behinderte. Er kündigte den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko an. Er versprach, er werde sämtliche Freihandelsabkommen der USA neu verhandeln oder aufkündigen, schwadronierte von einem Einreiseverbot für Muslime, stellte die Nato in Frage, fand Gefallen an der Wiedereinführung der Folter für Terrorverdächtige, empfahl Staaten, sich eigene Atomwaffen anzuschaffen, rief die Amerikaner auf, sich zu bewaffnen, um Attentäter abzuschrecken.

Hurrikan Trump – eine Mischung aus Inhaltsleere, vagen Andeutungen, schrillen Anschuldigungen und wilden Beleidigungen – fegte seine 16 Konkurrenten um die Nominierung nur so hinweg. Alle Vorhersagen, der Populist werde scheitern, erwiesen sich als falsch. 14 Millionen Amerikaner hatten am Ende der Serie von Vorwahlen für „The Donald“ gestimmt, wie Trump sich auch selbst nennt. Er gewann 37 von 50 Bundesstaaten bei den Vorwahlen. Er löste Begeisterungsstürme bei seinen Anhängern aus. Das sind vor allem weiße Männer mittleren Alters, die wegen der Auswirkungen der Globalisierung auf die US-Wirtschaft verängstigt und verunsichert sind. Der Republikaner Henry Paulson, Finanzminister unter Präsident George W. Bush, sprach von einer Wahlkampagne Trumps, „die ihre Wurzeln in Ignoranz, Vorurteilen und Angst“ habe.

Aber das ist Kritik von gestern. Nun steht Trump, der sich wie kein zweiter Kandidat in den USA als Anti-Politiker und Gegner des Establishment geriert, vor seinem bislang größten Erfolg. Zwar dürfte es in Cleveland noch einige Wortgefechte geben, aber letztlich ist Trump die Nominierung mit größter Wahrscheinlichkeit sicher. Die „Grand Old Party“ (GOP), wie die Republikaner sich gerne nennen lassen, wird einen Kandidaten nominieren, den viele in der Partei nicht wollen, aber eben auch nicht mehr loswerden.

50 000 Menschen, die Mehrheit von ihnen Gäste und Journalisten, wollen oder müssen die Krönungsmesse für Donald Trump miterleben. Tausende wollen gegen Trump demonstrieren. Die Polizei will 5000 Beamte zum Schutz der Parteitagsbesucher einsetzen. Die jüngsten Todesschüsse auf Afro-Amerikaner und auf Polizisten in Dallas sorgen zusätzlich für Nervosität. Mit Ausschreitungen wird gerechnet.

Wie nahe die republikanische Partei aber vor der Spaltung steht, zeigt sich an der Reihe der potenziellen Parteitagsgäste, die ihre Teilnahme an den Trump-Festspielen abgesagt haben. Das Establishment der GOP meutert. Weder wollen die zwei noch lebenden republikanischen Ex-Präsidenten, George H. W. Bush und sein Sohn George W. Bush, nach Cleveland reisen, noch die beiden vorherigen republikanischen Spitzenkandidaten John McCain und Mitt Romney. Abgesagt haben auch zahlreiche Senatoren aus Washington.

Wichtige Unternehmen wie Coca-Cola, Amazon und Apple, die in der Vergangenheit für Parteitage gespendet haben, sind in diesem Jahr sehr zurückhaltend. Auch schwerreiche Industrielle wie die Koch-Brüder haben ihre sonst todsicheren Zuwendungen gestrichen.

So ist auf der offiziellen Rednerliste eher B-Prominenz vertreten, aus der allenfalls der in Frankfurt am Main geborene Internet-Milliardär Peter Thiel und die Astronautin Eileen Collins ein wenig hervorstechen. Auch einige ehemalige Vorwahl-Konkurrenten wie der ultrakonservative Senator Ted Cruz, den Trump als „Lügen-Ted“ geschmäht hat, sowie der frühere Hirnchirurg Ben Carson wollen in Cleveland das Wort für den Populisten ergreifen. Ansonsten macht Trump in Familie. Seine Frau Melania, seine Tochter Ivanka und seine Söhne Donald und Eric dürfen auf dem Parteitag ein Loblied auf den Immobilien-Tycoon singen.

Jene Republikaner, die der Trump-Erfolg erst überrascht und dann erschreckt hat, retten sich nun in Galgenhumor. Sie sagen: Während bei den Demokraten, die eine Woche nach den Republikanern Hillary Clinton zu ihrer Präsidentschaftskandidatin küren werden, ein gewaltiger Promi-Auflauf zu erwarten sei, werde es bei den Konservativen zugehen wie in einem Geisel-Video, in dem Menschen auf die Bühne gezwungen werden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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