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Trump feuert Bannon Rausschmiss des Rechtsauslegers

Steve Bannon, Donald Trumps umstrittener Chefstratege, verliert mit sofortiger Wirkung seinen Posten. Zumindest vorerst endet damit ein Machtkampf zu Gunsten der Gemäßigten in Trumps Regierung - oder ist es nur ein weiteres Trump-Manöver?

Steve Bannon
Steve Bannon war Trumps Wahlkampfstratege auf dem Weg ins Weiße Haus und wurde dann Chefstratege mit unscharfem Aufgabenbereich. Foto: afp

Knapp sieben Monate nach seiner Amtsübernahme hat sich US-Präsident Donald einer umstrittenen Figur in seinem Regierungsapparat entledigt. Am Freitagabend deutscher Zeit wurde bekannt, dass der sogenannte Chefstratege Steve Bannon, lange Zeit wichtigster Berater Trumps, das Weiße Haus verlassen muss.

In einer dürren Mitteilung erklärte Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders: „Der Stabschef des Weißen Hauses, John Kelly, und Steve Bannon haben sich darauf verständigt, dass heute Steves letzter Tag ist. Wir sind dankbar für seinen Dienst und wünschen ihm das Beste.“

Der Präsident selbst äußerte sich zunächst nicht zu dem Rausschmiss des populistischen Rechtsauslegers, der Verbindungen ins Lager radikaler weißer Extremisten pflegt.

Trat Bannon zurück - oder wurde er zurückgetreten?

Damit geht ein selbst für US-Verhältnisse ungewöhnlich hartes Machtgerangel vorerst zu Gunsten der Gemäßigten in Trumps Regierung aus.

Schon vor Monaten hatte sich Bannon mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner überworfen, der ebenfalls eine Beraterfunktion im Weißen Haus einnimmt.

Als Trump jedoch vor kurzem mit dem erfahrenen Ex-Militär John Kelly einen neuen Stabschef installierte, zeichnete sich bereits ab, dass Bannon keine Zukunft mehr im innersten Machtzirkel haben wird. Kelly war vor allem verärgert, weil sich der 63 Jahre alte Bannon offenbar immer wieder in die Arbeit des Nationalen Sicherheitsrates einmischte.
 
Unklar blieb am Freitagabend, ob Bannon freiwillig ging oder von Trump gefeuert wurde. In Washington kursierten beide Versionen.

„Wir werden sehen, was mit Herrn Bannon geschieht“

Bannon habe, sagten hohe Beamten, schon am 7. August sein Rücktrittsschreiben eingereicht. Die offizielle Entlassung sei aber verschoben worden, weil die rechtsextremistischen Krawalle in Charlottesville dazwischen kamen.

Möglicherweise ist Bannon, der früher die rechtsgerichtete Online-Postille „Breitbart News“ leitete, aber auch wegen eines Interviews gefeuert worden, dass er Mitte der Woche gab. Darin stellte sich Bannon öffentlich gegen seinen Präsidenten. Er sagte, es gebe keine militärische Lösung des Streits um das nordkoreanische Atomprogramm.

Trump selbst hatte das Gegenteil behauptet und Nordkorea mit martialischen Worten gedroht. Schon vor dem Interview allerdings wollte Trump öffentlich keine Jobgarantie für Bannon abgeben. „Wir werden sehen, was mit Herrn Bannon geschieht“, sagte Trump am Dienstag.

Nur ein Manöver?

Bannon stieß im vergangenen Jahr relativ kurz vor der Präsidentschaftswahl zu Trump. Er gilt dennoch als einer der Väter des Wahlsiegs des New Yorker Immobilienmoguls. Er war so etwas wie ein Verbindungsoffizier in die rechte Szene des Landes. Nach den Ausschreitungen von Charlottesville und dem Tod einer jungen Frau wurden aber die Stimmen lauter, die eine Entlassung Bannons forderten.
 
Es könnte sein, dass der Rauschschmiss Bannons ein Manöver des Präsidenten ist, mit dem er von der zunehmenden Kritik an seinen eigenen, relativierenden Aussagen über die rechtsextremen und rassistischen Gewalttäter von Charlottesville ablenken will.

Trump hat Ähnliches in der Vergangenheit mehrfach versucht – oft mit Erfolg.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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