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Treffen in Bonn Afghanistan blickt in eine düstere Zukunft

In Afghanistan droht ein Bürgerkrieg, wenn die internationalen Truppen abziehen. Zu dieser Einschätzung kommt ein als geheim eingestufter Bundeswehrbericht, der seinen Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat.

02.12.2011 10:46
Afghanistans Präsident Hamid Karsai auf dem Palastgelände in Kabul. Foto: Wolfgang Kumm

Die am kommenden Montag in Bonn beginnende Afghanistan-Konferenz wird nach Informationen der Bild-Zeitung von massiven Spannungen und düsteren Prognosen überschattet. Wie das Blatt berichtet, geht dies aus zahlreichen Militär- und Geheimdienstdokumenten hervor.

Demnach sieht Präsident Hamid Karsai die Konferenz nicht als Chance, sondern als Bedrohung. Bei der Bundeswehr und dem US-Militär werde die weitere Entwicklung in Afghanistan nach dem Truppenabzug negativ beurteilt, heißt es.

«In seinen besonders misstrauischen Momenten glaubt Karsai, man wolle ihn in Bonn isolieren und von der Macht beseitigen», zitiert Bild aus einem US-Dokument des Combined Joint Intelligence Operations Center - Afghanistan, einer Art Militärgeheimdienst.

Weitere Dokumente würden belegen, wie pessimistisch die Bundeswehr die Zukunft Afghanistans nach Abzug der westlichen Kampftruppen sehe. «Nach dem Ende der Besatzung durch Isaf 2014, werden die Führer der Aufständischen», die sich nach Pakistan geflüchtet haben, «nach Afghanistan zurückkehren», heiße es in einem als geheim eingestuften Bundeswehr-Dokument. «Wenn die Isaf-Truppen das Land verlassen, wird es Bürgerkrieg geben», wird aus einem Bericht des US-Militärs über den Norden Afghanistans zitiert.

Dokument: Pakistan rechnet mit Invasion

Dokumente des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) würden außerdem belegen, dass die Bundeswehr offenbar auch Kriminelle als Verbündete in Nordafghanistan akzeptierte, berichtet «Bild». So sei bekannt gewesen, dass der nordafghanische Polizeichef Daud Daud, bis zu seiner Ermordung im Mai ein enger Partner der Bundeswehr, in den Drogenhandel verwickelt gewesen sei. Daud, so der BND, solle «seit einigen Jahren regelmäßig Drogengeschäfte getätigt haben.»

Aus einem streng geheimen Papier des US-Militärs in Afghanistan gehe hervor, dass die pakistanische Regierung mit einer Invasion der US-Truppen rechne. Das pakistanische Militär, so die Analysten des Combined Joint Intelligence Operations Center, habe «Defensivstellungen» in der Grenzregion zwischen Afghanistan und Pakistan errichtet. «Dies ist eine Reaktion auf erwartete Angriffe von US- oder Koalitionstruppen», heiße es in dem geheimen Dokument. Das pakistanische Militär bereite sich auf einen «nach ihrem Eindruck unmittelbar bevorstehenden Einfall amerikanischer Truppen» vor.

Zwischen US-amerikanischen und pakistanischen Truppen war es am vergangenen Samstag zu einem schweren Zwischenfall im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gekommen. Dabei beschossen amerikanische Kampfhubschrauber einen Grenzposten des pakistanischen Militärs und töteten 24 Soldaten. Die Regierung in Islamabad hatte daraufhin ihre Teilnahme an der Bonner Konferenz abgesagt.

Selbstmordanschlag der Taliban

Unterdessen hat ein Selbstmordattentäter der Taliban am Freitag vor einem US-Militärstützpunkt in der ostafghanischen Provinz Logar eine Autobombe gezündet und mindestens einen Zivilisten getötet. Etwa 60 weitere Menschen, die meisten davon ebenfalls Zivilisten, seien durch die Wucht der Explosion verletzt worden, teilte ein Sprecher der Provinzregierung mit. Mehrere Gebäude in unmittelbarer Nähe des Anschlagsortes seien zerstört oder erheblich beschädigt worden.

Die Internationale Schutztruppe Isaf in Kabul bestätigte den Anschlag, machte jedoch keine Angaben zu Opfern. Die Einzelheiten würden noch geprüft, hieß es. Ein Taliban-Sprecher übernahm im Namen der radikal-islamischen Aufständischen die Verantwortung für die Tat. (dpa)

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