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Transparency-Studie Korruption nimmt weltweit zu

Transparency International warnt vor einer Instrumentalisierung des Themas durch Populisten.

Neuseeland, die Doppelinsel der Schafe, führt die Liste der anständigen Nationen an. Foto: rtr

Steigende Korruption hat nach einer Studie von Transparency International zum Aufstieg populistischer Politiker wie US-Präsident Donald Trump beigetragen. In 69 der 176 untersuchten Länder sei die Korruption sehr hoch. Sie erreichten in dem von dem Verband berechneten Index weniger als die Hälfte der 100 möglichen Punkte, die für optimale Verhältnisse stehen. Deutschland hielt sich stabil bei 81 Zählern. Damit nimmt die Bundesrepublik wie schon im Jahr zuvor Platz zehn ein, den sie sich mit Luxemburg und Großbritannien teilt. Diesmal hätten mehr Länder ihre Punktzahl verschlechtert als verbessert, sagte José Ugaz, Chef von Transparency International (TI). Am besten schnitten Dänemark und Neuseeland mit jeweils 90 Punkten ab. Ganz hinten liegen Somalia, der Südsudan und Nordkorea.

Ugaz rief die internationale Politik zum raschen Handeln auf, um den Teufelskreislauf aus Korruption, sozialen Gegensätzen und einer ungleichen Verteilung von Macht zu beenden. Dahinter steckt die Analyse: Wenn die Menschen Institutionen wie der Verwaltung, der Polizei und den Gerichten nicht vertrauen können, halten sich sauberere Investoren zurück und zum Zuge kommen die, die zur Bestechung bereit sind und andere unlautere Mittel anwenden. All dies hemmt die wirtschaftliche Entwicklung, wie Ugaz beklagt. „In zu vielen Ländern können die Menschen nicht einmal die minimalen Bedürfnisse befriedigen und legen sich wegen der Korruption jede Nacht hungrig schlafen, während die Mächtigen und Korrupten, die einen verschwenderischen Lebensstil pflegen, nichts zu befürchten haben.“

Edda Müller, die Vorsitzende von TI Deutschland, nannte die weltweite Situation „besorgniserregend“. Einzelne Länder wie Georgien oder der Senegal wiesen aber deutliche Fortschritte auf, was zeige, dass Regierungen mit dem entsprechenden Willen und Engagement etwas bewirken könnten.

Handlungsbedarf sieht Müller allerdings auch hierzulande. Das insgesamt positive Ergebnis Deutschlands werde von Sorgen um die Integrität des Wirtschaftsstandorts getrübt. Beispielsweise nähmen es Führungskräfte von hiesigen Firmen zunehmend als normal wahr, dass Zahlungen an Verwaltungen bestimmte Vorgänge beschleunigten oder überhaupt erst ermöglichten. Das Wirken der Compliance-Abteilungen beurteilt Müller skeptisch. Diese Einheiten haben die meisten deutschen Firmen eingerichtet und damit beauftragt, die Einhaltung von Gesetzen und auch von eigenen Regeln und Standards zu überwachen.

Auch VW und die Deutsche Bank hätten große Compliance-Einheiten, meinte Müller in Anspielung auf die schweren Verfehlungen dieser Konzerne. Es komme darauf an, was an der Spitze gelebt werde, so Müller. „Da haben deutsche Unternehmen sicherlich einigen Nachholbedarf.“ Bereits bei einer ähnlichen Untersuchung von Transparency im November sei die Wirtschaft negativ aufgefallen. Ein Drittel der Befragten gab damals an, dass alle oder die meisten Unternehmensleitungen in korrupte Machenschaften verwickelt seien.

Für den Korruptionsindex zieht Transparency Umfragen und Studien von unabhängigen Institutionen heran. Dabei interessiert sie die Einschätzung, wie korrupt der öffentliche Sektor sich verhält. Es sei schwierig, das gesamte Ausmaß der tatsächlichen Fälle zu ermitteln, begründen die Fachleute den Ansatz. Eine verlässlichere Methode sei daher, die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Bürger heranzuziehen.

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