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Todesfall in Dresden Zu viele Fragen in Dresden

Nach der Ermittlungspanne im Fall des getöteten Flüchtlings in Dresden verlangt Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler personelle Konsequenzen bei der Polizei. Er sei erschüttert über deren „Schlamperei“.

16.01.2015 15:33
Markus Decker, Timur Tinç
Vor einem Plattenbau im Stadtteil Dresden-Leubnitz-Neuostra wurde der 20-jährige Asylbewerber erstochen. Foto: dpa

Nach der Ermittlungspanne um den in Dresden getöteten Asylbewerber Khaled I. wird die Kritik an der Polizei lauter. „Das ist eine unglaubliche Schlamperei; sie muss personelle Konsequenzen haben“, forderte der Rechtsanwalt und Vertreter der Nebenklage im Münchener NSU-Prozess, Mehmet Daimagüler.

„Ich stelle mir die Frage, ob es die gleiche Schlamperei gegeben hätte, wenn das Opfer ein Normalbürger gewesen wäre, oder ob man nicht bei einem dunkelhäutigen Asylbewerber mit einer größeren Leichtigkeit davon ausgeht, dass es ein Unfall gewesen sein muss. Aus der Erfahrung mit dem Nationalsozialistischen Untergrund weiß ich, dass ein migrantisches Opfer im Zweifel erst mal kein Opfer sein darf“, sagte der Jurist der Frankfurter Rundschau. „Wenn man in einer Stadt lebt, in der jede Woche 20 000 bis 25 000 Xenophobe auf die Straße gehen, dann muss das dazu führen, besonders wachsam zu sein. Die Aufklärung wird jetzt erheblich erschwert, weil die Spurensicherung nicht mehr ordnungsgemäß möglich ist. Ich bin über diese Art von Arbeit erschüttert.“

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, sagte: „Es ist zu klären, warum zunächst gesagt worden ist, dass es sich nicht um ein Gewaltdelikt handelt. Das wirft viele Fragen auf.“

Mehrere Messerstiche

Der eritreische Flüchtling war am Dienstag tot im Innenhof einer Dresdner Wohnsiedlung gefunden worden. Ganz in der Nähe lebte er seit einigen Wochen zusammen mit anderen Asylbewerbern im Stadtteil Leubnitz-Neuostra in einer Wohngemeinschaft. Eine Obduktion hatte am Mittwoch ergeben, dass der 20-Jährige einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war. Laut Polizei wurde er durch mehrere Messerstiche in Hals und Brust getötet. Noch am Vortag hatte es geheißen, es gebe keine Anhaltspunkte für eine Fremdeinwirkung.

Tathergang und Hintergründe sind unklar. Später hieß es vom Dresdner Polizeichef Dieter Kroll, es gebe einen „Anfangsverdacht auf unnatürlichen Tod“. Erst 30 Stunden nach der Tat rückte die Spurensicherung an. Kroll erläuterte im Innenausschuss des sächsischen Landtages, die Ermittler hätten aufgrund der Verletzungen des 20 Jahren alten Mannes auf einen offenen Schlüsselbeinbruch als Todesursache geschlossen. Eine Fehleinschätzung.

Der Grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat Strafanzeige gegen Unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt gestellt. „Es ist mir völlig unerklärlich, wie man zunächst sagen kann, dass es keine Fremdeinwirkung gab und keine Obduktion anordnet und es als natürlichen Tod hinstellt“, sagte Beck dieser Zeitung. Er halte es für „grob nachlässig“ an einem Tatort, bei so einer unklaren Lage, nicht die Spurensicherung einzuschließen. „Das bedarf einer Erklärung.“ Die Gewerkschaft der Polizei wollte den Vorgang nicht kommentieren.

An die Tür der Wohngemeinschaft, in der Khaled I. gelebt hatte, waren kurz vor Silvester zwei Hakenkreuze geschmiert worden. „Und im September oder Oktober hat jemand ,Juden töten‘ an die Wand im Erdgeschoss geschrieben“, berichtete ein Nachbar seinerzeit der „Sächsischen Zeitung“.

Freunde von Khaled I. haben am Donnerstag die Internetseite www.remembering-khaled.org erstellt. Für den heutigen Samstag 15 Uhr haben die Initiatoren der Seite zu einer Demonstration für die „Rechte und Sicherheit für Flüchtlinge“ auf dem Albertplatz in Dresden aufgerufen. „Wir fühlen uns nicht sicher, in Dresden zu leben, weil viele Eritreer hier Probleme haben“, schreiben sie auf ihrer Internetseite. Einige in der Gesellschaft hätten Probleme mit Flüchtlingen und demonstrierten jeden Montag gegen sie. „Wenn sie uns nicht hier haben wollen, müssen wir woanders hinziehen, wo es für uns sicher ist.“

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