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TKP/ML Kommunisten mit Nähe zur PKK

Die TKP/ML gilt in der Türkei als Terrororganisation, der Anschläge zugeschrieben werden.

Mitglieder der Partei ziehen im Mai durch die Straßen der türkischen Metropole Istanbul. Foto: REUTERS

Die „Türkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten“ (TKP/ML) ist eine von einem Dutzend verbotener linker Parteien in der Türkei, die in ihrem Kampf gegen den Staat auch blutige Anschläge auf die Sicherheitskräfte verüben. Die marxistisch-leninistisch-maoistische Partei wurde 1972 von dem linksextremen Ideologen Ibrahim Kaypakkaya in der Türkei gegründet, spaltete sich aber schon bald in konkurrierende Fraktionen, die zum Teil eigene Parteien ins Leben riefen.

Das Ziel der TKP-ML und ihres militanten Flügels „Türkische Arbeiter- und Bauernbefreiungsarmee“ (Tikko) ist es, die bestehende Staatsordnung der Türkei zu zerschlagen, um einen „demokratischen Volksstaat unter Führung des Proletariats“ einzuführen. Seit 2007 wird sie in der Türkei offiziell als Terrororganisation gelistet. Genaue Angaben zur Mitgliederzahl gibt es nicht; ehemalige Aktivisten sprechen von „einigen Hundert Leuten“. Laut einer Studie der Antiterrorabteilung der Polizei von 2007 besitzen die meisten Anhänger eine höhere Schul- und Hochschulausbildung.

In der Türkei hat sich die Organisation zu mehreren Anschlägen auf Polizeistützpunkte bekannt, bei denen Schusswaffen und Sprengstoff eingesetzt und mindestens drei Polizisten getötet wurden. TKP-ML und Tikko bedrohten Baufirmen, die Aufträge der Armee ausführten, und sprengten 2014 das Kontrollgebäude eines umstrittenen Wasserkraftwerks in der abgelegenen ostanatolischen Provinz Tunceli (Dersim). Diese Region, deren Einwohner überwiegend zur schiitisch-säkular geprägten Minderheit der Aleviten zählen, ist ihr Hauptoperationsgebiet. In der von Bergen und Schluchten geprägten Provinz hat auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK eine Hochburg. Türkische Medien berichteten über gemeinsame Operationen der TKP-ML mit der PKK seit 2007.

Mit der PKK und acht weiteren linksextremen Organisationen der Türkei hat sich die TKP/ML im März 2016 nach eigenen Angaben zur „Vereinten Revolutionären Volksbewegung“ zusammengeschlossen, um „die Revolution gemeinsam voranzutreiben“ und den bewaffneten Kampf „gegen das faschistische Souveränitätssystem der AKP und des türkischen Staates“ zu führen. Die islamisch-konservative AKP des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan stellt seit 2002 die Regierung in der Türkei.

In alevitischen und kurdischen Wohnvierteln von Ankara und Istanbul verfügt die TKP-ML über einen gewissen Zulauf unter jungen linken Idealisten. Einige der 34 Opfer des Terroranschlags in der Kleinstadt Suruc nahe der syrischen Grenze im Juli 2015 gehörten dieser Gruppe an.

Laut dem Verfassungsschutz Baden-Württemberg verfügt die TKP/ML in Westeuropa über eine Auslandsorganisation, die sie vor allem zur Finanzierung ihrer terroristischen Aktivitäten und zur Beschaffung ihrer Logistik für die Anschläge in der Türkei nutze. Das Amt schätzt die Zahl der Anhänger in Deutschland auf insgesamt 1300.

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