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Thatcher-Trauerfeier in London "Ruhe in Schande, Margaret Thatcher"

Die Eiserne Lady wird in London zu Grabe getragen: Mehr als 2000 Gäste versammeln sich zur Trauerfeier für Margaret Thatcher in der Kathedrale St. Paul's, darunter auch deutsche Prominente. Zehntausende säumen die Straßen - viele unter ihnen verabschieden sich im Zorn von der früheren Premierministerin.

17.04.2013 11:26
Der Sarg mit dem Leichnam Margaret Thatchers wird von Protesten gegen ihre Politik begleitet. Foto: afp

In London verabschiedet sich Großbritannien von Ex-Premierministerin Margaret Thatcher. Die Prozession mit dem in eine britische Flagge gehüllten Sarg wurde zunächst in einem schwarzen Leichenwagen mit Motorradeskorte vom Westministerpalast in die Innenstadt gebracht. Dort bettete man ihn auf eine offene Geschützlafette um. Von 700 Soldaten, darunter Veteranen des Falkland-Kriegs von 1982, wurde der Sarg dann mit militärischen Ehren zum Gottesdienst in der St.-Paul's-Kathedrale begleitet.

Zu der religiösen Begräbniszeremonie werden mehr als 2000 Gäste aus aller Welt erwartet, darunter neben Königin Elizabeth II. etliche internationale Politiker und Größen aus dem Showgeschäft. Die ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, George Shultz und James Baker sind unter den Trauergästen, ebenso der britische Premierminister David Cameron und seine Amtsvorgänger John Major, Gordon Brown und Tony Blair.

Anti-Thatcher-Proteste

Bereits am Morgen hatten sich tausende Schaulustige an der Strecke versammelt, die zur St.-Paul's-Kathedrale führt. An vielen Stellen waren Thatcher-kritische Plakate zu sehen, Hunderte wandten der Prozession demonstrativ den Rücken zu. Die Politik der "Eisernen Lady", die Großbritannien von 1979 bis 1990 regierte und am Montag vor einer Woche im Alter von 87 Jahren an einem Schlaganfall gestorben war, blieb bis zuletzt höchst umstritten. Iinnenpolitisch stand sie vor allem für ihren Kampf gegen Gewerkschaften, für eine bis dahin nie dagewesene Privatisierung von Staatseigentum und für die unter dem Schlagwort „Big Bang“ bekanntgewordene Liberalisierung des Bankensektors. Kritiker halten ihr wegen des Abbaus von Sozialleistungen die Spaltung des Landes vor.

Der Bischof von London, Richard Chartres, rief in seiner Trauerrede dazu auf, der umstrittenen Ex-Premierministerin Margaret Thatcher nicht als Politikerin, sondern als Mensch zu gedenken. Im Parlament habe es in der vergangenen Woche eine offene Debatte über die Politik der „Eisernen Lady“ gegeben, sagte Chartres in der Kirche. „Hier und heute ist dafür weder die richtige Zeit noch der richtige Ort.“

Kritik an pompöser Trauerfeier

Mit dem Aufwand, mit der die Politikerin heute verabschiedet wird, sind viele Briten nicht einverstanden. Die Kosten werden auf bis zu zwölf Millionen Euro geschätzt. Premierminister David Cameron verteidigte in der BBC das Ausmaß der Trauerfeierlichkeiten. „Für eine Premierministerin ihrer Statur ist das sehr passend“, sagte er. Die Verabschiedung Thatchers, deren Leichnam nach der Trauerfeier eingeäschert und in London beigesetzt werden soll, ist zwar offiziell nicht als Staatsbegräbnis deklariert, kommt diesem aber sehr nahe. Die Ehre eines Staatsbegräbnisses war seit Winston Churchill im Jahr 1965 keinem britischen Premierminister mehr zuteilgeworden.

Westerwelle würdigt "Frau mit eisernem Willen"

Die Bundesrepublik Deutschland wird in London von Außenminister Guido Westerwelle vertreten. Er würdigte die Politikerin als „Frau mit eisernem Willen“. Sie habe ihr Land nach langer Durststrecke wirtschaftlich wieder auf die Beine gestellt und damit auch dafür gesorgt, dass Großbritannien außenpolitisch wieder erfolgreich sein konnte. „Der Wille Margaret Thatchers und ihr Glaube an die Kraft des Individuums waren die Grundlage für Großbritanniens Comeback in Europa und in der Welt“, sagte Westerwelle.

Der FDP-Politiker widersprach damit dem Ehrenvorsitzenden seiner Partei, Hans-Dietrich Genscher. Der politische Zeitgenosse Thatchers und Amtsvorgänger Westerwelles hatte nach dem Tod der „Eisernen Lady“ erklärt, man könne nicht sagen, „dass sie außenpolitisch irgendwie erfolgreich gewesen wäre“, und fügte hinzu: „Wenn alle sich so verhalten hätten wie sie, wäre Europa in einer anderen und bei weitem schlechteren Lage als es heute ist.“

Ex-Kumpel betrauern Thatchers Geburt

Ehemalige Bergarbeiter in Nordengland haben am Tag der Trauerfeier gegen die Politik der ehemaligen britischen Premierministerin protestiert. „Ich bin hier, um ihre Geburt zu betrauern, weil sie für das System steht, unter dem wir alle noch immer leiden“, sagte Dave Douglass, ehemaliger Kohle-Kumpel aus Durham. Er hatte 35 Jahre lang in einer Zeche gearbeitet, die Thatcher in den 1980er Jahre schließen ließ. Er kritisierte die Trauerfeierlichkeiten in London. „Das ist die Art von Inszenierung, die wir aus Nordkorea kennen“, sagte er über die stark vom Militär geprägte Zeremonie. (dpa/afp)

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