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Thailand Der rote Kommandeur ist tot

Khattiya Sawasdipol, genannt "Seh Daeng", erliegt seiner Schussverletzung. Nun haben die oppositionellen Rothemden einen Märtyrer. Von Willi Germund

Khattiya Sawasdipol Foto: afp

Die Rothemden haben einen Märtyrer. Seine Angehörigen sitzen auf einer Wartebank in einer heißen Unterführung des Vajira-Krankenhauses und warten auf die Freigabe der Leiche von Khattiya Sawasdipol, besser bekannt als "Seh Daeng" (Kommandeur Rot).

Doch es dauert, bis sie den Toten in Empfang nehmen können. Schließlich wird die Leiche in einen Wagen geladen, zu einem Tempel gebracht. Von seinen Gefolgsleuten ist niemand zu sehen. Sie verteidigen die Barrikaden in der Roten Zone Bangkoks gegen die Sicherheitskräfte.

Der Generalmajor erlag Montagmorgen den schweren Kopfverletzungen, die er am Donnerstagnachmittag erlitten hatte. Ein Scharfschütze hatte ihn aus einem Hochhaus in der Umgebung des von Rothemden besetzen Viertels im Zentrum von Bangkok in den Kopf geschossen, während er Journalisten ein Interview gab.

Die Streitkräfte hatten den Offizier bereits vor einigen Wochen vom Dienst suspendiert, weil er sich den Rothemden angeschlossen hatte. Der 58-jährige Soldat genießt einen fast legendären Ruf in Thailand, weil er sich in den 70er Jahren gegen die damals von China finanzierte kommunistische Guerilla im Nordosten des Königreichs hervortat. Für Disziplin war er nicht bekannt: Die Armeeführung verdonnerte ihn einmal zum Dienst als Aerobic-Trainer, weil er Befehlen nicht folgte.

Letzte Worte

Später wurde "Seh Daeng" zum Anhänger des 2006 von den Militärs gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra. Er galt als Sicherheitschef der Rothemden, der die Verteidigung des seit Wochen besetzten Gebiets organisierte.

Fachleute vermuten, dass "Kommandeur Rot" während der vergangenen zwölf Monate auch die "Männer in Schwarz" ausbildete, die während der vergangenen Wochen immer wieder die Militärs angriffen. Die Gruppe ist möglicherweise auch für eine Serie kleinerer Attentate auf Strommasten verantwortlich.

Während der Proteste marschierte "Seh Daeng" gern in Tarnuniform und zwischen finster blickenden Leibwächtern vor den Barrikaden herum, in Sichtweite der Sicherheitskräfte. Seine letzten Worte strotzten vor Selbstbewusstsein. "Die Armee kann nicht in unser Gebiet eindringen", behauptete er. Sekunden später traf ihn die Kugel in die Stirn.

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