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Terrorverdacht Anti-Apartheidskämpfer in USA festgehalten

Tokyo Sexwale saß 14 Jahre lang gemeinsam mit Nelson Mandela als Anti-Apartheidskämpfer in Haft. Nun wurde der südafrikanische Politiker bei der Einreise in New York festgehalten und verhört - weil er auf einer 40 Jahre alten Terrorliste steht.

Kämpfer an Mandelas Seite: Tokyo Sexwale. Foto: Reuters

Eine US-Drohne hat am Wochenende zwei angeblich führende Mitglieder der islamistischen Al-Schabab-Miliz in Somalia zerrissen. Eines der beiden Opfer soll an den Planungen des jüngsten Terroranschlags in Nairobi beteiligt gewesen sein – so heißt es. Sicher kann man sich dessen allerdings nicht sein: Vor allem nicht vor dem Hintergrund eines Zwischenfalls, der sich einen Tag zuvor im 15.000 Kilometer entfernten New York abspielte. Dort wurde Ende vergangener Woche ein hochkarätiger südafrikanischer Politiker auf dem Flughafen festgehalten und fast eine Stunde lang verhört: Offenbar weil sein Name auf Washingtons „Watchlist“ für Terroristen steht.

Tokyo Sexwale (60) ist einer der populärsten Persönlichkeiten des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) und einer der reichsten Männer am Kap der Guten Hoffnung. Er kandidierte vor fünf Jahren für das höchste Amt im Staat und saß bis Mitte 2013 als Wohnungsbau-Minister im Kabinett. Das alles half ihm am Freitag nicht.

Was gegen den Mann vorlag, ist ziemlich genau 40 Jahre her. Der Südafrikaner hatte sich knapp 20-jährig Nelson Mandelas Befreiungstruppe „Umkhonto we Sizwe“ (Speer der Nation) angeschlossen und war anschließend in der Sowjetunion im Guerillakampf ausgebildet worden. Nach Hause zurückgekehrt, wurde Sexwale verhaftet, des versuchten Umsturzes angeklagt und auf der Gefängnisinsel Robben Island eingekerkert. Dort saß er 14 Jahre lang in Haft – gemeinsam mit Nelson Mandela.

Einreise mit Sondergenehmigung

Auch Mandelas Name stand damals auf der Washingtoner Terrorliste. Damit folgte die US-Regierung der Initiative des Rassistenregimes in Pretoria. Mandelas Name wurde erst 2008 von der Liste gestrichen – 15 Jahre, nachdem er den Friedensnobelpreis erhalten hatte, und 14 Jahre, nachdem er zum Staatspräsidenten gewählt worden war.

Reist ein führender ANC-Politiker in die USA ein, so muss sich Südafrikas Botschaft in Washington um eine Sondergenehmigung kümmern. Um alle Anti-Apartheidskämpfer pauschal von der Liste zu streichen, wäre eine Resolution des US-Kongresses nötig, heißt es in Washington: und der hatte bislang offenbar Wichtigeres zu tun.

Dass Tokyo Sexwale irgendwann mal einem Drohnenschlag wie der somalische Milizenführer zum Opfer fallen könnte, wird in Pretorias US-Botschaft allerdings als „konstruierter Unsinn“ abgetan: Denn Terrorliste ist offenbar nicht gleich Terrorliste – und solche Register seien von der Liste abhörwürdiger Regierungschefs zu unterscheiden. Wo der Unterschied genau verläuft, bleibt allerdings im Dunkeln: „Wir diskutieren unsere ‚Screenings‘ von Personen nicht öffentlich“, heißt es in der südafrikanischen Vertretung der Supermacht.

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