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Terrorsekte Boko Haram Über 180 Tote bei weiteren Anschlägen in Nigeria

Bei Terroranschlägen im Norden Nigerias sind nach Angaben der örtlichen Krankenhäuser mindestens 180 Menschen getötet worden. Ziel von Boko Haram sind Christen Im ganzen Land gehen die blutigen Unruhen weiter.

Die Residenz eines Polizeioffiziers steht in Kano nach mehreren Explosionen und einem Feuergefecht in Flammen. Foto: AFP

Bei Terroranschlägen im Norden Nigerias sind nach Angaben der örtlichen Krankenhäuser mindestens 180 Menschen getötet worden. Ziel von Boko Haram sind Christen Im ganzen Land gehen die blutigen Unruhen weiter.

Die Sonne stand tief am Himmel, als sich der Honda Civic einem Checkpoint nahe der nigerianischen Großstadt Kano näherte. Augenzeugen berichten, die Polizisten hätten den Fahrer mit Handzeichen aufgefordert, anzuhalten. Doch stattdessen beschleunigte der Wagen, durchbrach eine Absperrung und raste direkt auf das Hauptgebäude zu. „Dann hörte man nur noch einen Knall“, sagt ein Zeuge.

Der Anschlag auf die Polizeistation ist nur einer aus einer ganzen Serie, die am Freitag Kano erschütterte. Mindestens 180 Menschen kamen dabei ums Leben. Am Sonntag sollen bei weiteren Anschlägen im Norden Nigerias, mindestens zwölf Menschen erschossen worden sein, berichtete ein Lokalfernsehsender.

Zu den Anschlägen vom Freitag bekannte sich die Islamistengruppe Boko Haram. Die Taten seien eine Vergeltung dafür, dass die Regierung sich geweigert habe, inhaftierte Mitglieder der Gruppe freizulassen, sagte einer ihrer Sprecher der Tageszeitung Daily Trust. Boko Haram hatte in den vergangenen Wochen bereits Dutzende Menschen getötet. Die meisten Anschläge richteten sich gegen Christen im Norden Nigerias. Dieser Landesteil wird mehrheitlich von Muslimen bewohnt, während im Süden die Christen in der Mehrheit sind. Boko Haram kämpft seit Jahren für einen islamischen Staat im Norden.

Nigeria ist in die wohl gefährlichste Krise seiner jüngeren Geschichte geschlittert. „Seit 45?Jahren war Nigeria einem Bürgerkrieg nicht mehr so nahe“, schreibt die Tageszeitung Leadership in Anspielung auf den Biafrakrieg, dem einst mehr als eine Million Menschen zum Opfer fielen.

Nach Auffassung der Regierung wurde die Krise zwar von Boko Haram ausgelöst, Terror mehr als 600 Tote gefordert haben soll. Doch ob die Gewalttaten tatsächlich alle den Extremisten zuzuordnen sind, ist umstritten: Manche Beobachter bezweifeln, dass es Boko Haram als geschlossene Gruppierung überhaupt gibt.

Es beginnt bereits beim Namen: Boko Haram bedeutet „westliche Erziehung ist Sünde“. Zweifler halten es für eine Kreation des Establishments, das auf diese Weise unterschiedliche Väter der Gewalt unter einen Hut zu kriegen suche: radikale Islamisten, unzufriedene Jugendliche, marginalisierte Politiker und organisierte kriminelle Banden.

Der Präsident war gewarnt

Selbst Präsident Goodluck Jonathan scheint Boko Haram für ein eher diffuses Phänomen zu halten: Die Sekte habe Sympathisanten bis hoch in die Regierung, das Parlament und in die Sicherheitskräfte hinein, befand der Staatschef jüngst. Dass sie eine nur vage Vorstellung von den Urhebern des Terrors hat, ist ein Armutszeugnis für die Regierung.

Der Konflikt hat viele unterschiedliche Ursachen: Die im Norden Nigerias lebenden Muslime wurden in den vergangenen Jahren von den entscheidenden Schaltstellen des Staates immer weiter abgedrängt. Wirtschaftliches Wachstum gibt es nur im Süden, wo die Erdölquellen liegen und woher der Präsident stammt.

Jonathan wurde bereits nach seinem umstrittenen Wahlsieg im

vergangenen Jahr gewarnt: Er solle seine Aufmerksamkeit und größere Teile des Sozialbudgets dem Norden widmen, rieten Kommentatoren. Passiert ist jedoch nichts. (mit epd, dpa, AFP)

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