Lade Inhalte...

Terrormiliz IS Saudi Arabien fürchtet IS

Wenige hundert Kilometer von der saudischen Grenze entfernt feiert IS die Errichtung eines islamischen Kalifats. Um eine Allianz gegen die Terrormiliz zu bilden, ist die saudische Regierung bereit, Beziehungen zu bisherigen Erzfeinden aufzunehmen.

Saudi-Arabien versträkt aus Angst vor IS seine Grenzanlagen zum Irak. Foto: REUTERS

„Königreich sichert seine Grenze!“, so lautet die Schlagzeile der Zeitung „Saudi Gazette“ und auch alle anderen Zeitung im Königreich Saudi Arabien machten am gestrigen Sonntag mit dem neuen Großprojekt des Königs auf: Fünf Lagen Draht und das über eine Strecke von 900 Kilometern. Seit mehreren Jahren bereits baut Saudi Arabien an einer Befestigung seiner Wüstengrenze zum Irak und zu Jordanien. Angesichts der neuen Bedrohung, soll die Grenzanlage nun auch noch durch Nachtsichtanlagen, Wachtürme und Wärmekameras ausgestattet werden. Der illegale Grenzübertritt durch „Eindringlinge, Waffen- und Drogenschmuggler und Viehdiebe wird so auf Null reduziert“, so die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA.

Die Aufrüstung der Grenze ist nur eines von vielen Anzeichen, die zeigen, wie sehr sich Saudi Arabien bedroht fühlt. Der Siegeszug der radikalen Kämpfer des „Islamischen Staates“ fordert das Königreich heraus. Zunächst einmal geht es um die konkrete militärische Bedrohung. Nur wenige hundert Kilometer von der saudischen Grenze entfernt, ist in den vergangenen Monaten ein Gebiet unter Kontrolle radikaler Islamisten geraten, in deren Augen Saudi Arabien ein lohnendes Ziel weiterer Feldzüge sein könnte. Das erklärt die intensiven Bemühungen der saudischen Regierung, eine regionale Allianz gegen IS zusammenzubringen.

Dazu ist Riyad bereit, Beziehungen auch zu bisherigen Erzfeinden aufzunehmen. Zum Beispiel zum Iran. Mehrfach kam es zu hochrangigen Treffen saudischer und iranischer Außenpolitiker und diese führten zu einer Aufsehend erregenden Einigung: Die Einsetzung von Haider al-Abadi als Premierminister im Irak und seine Fortschritte bei der Zusammenstellung eines Kabinetts mit Ministern aller Parteien sind ein großer Schritt. Er zeigt, wie stark die Angst in Saudi Arabien ist. Um die Gefahr einer Ausweitung von IS zu bannen, ist man zu vielem bereit. Der nächste Schritt war die Annäherung an Erzfeind Katar: Doha gilt als Unterstützer der Muslimbruderschaft und Riyad finanziert deren Gegner. Der Konflikt zwischen beiden wird selten direkt ausgetragen, doch sie führen Stellvertreterkriege: In Libyen, Ägypten und auch in Syrien. Im März zog Saudi Arabien seinen Botschafter aus Doha ab, die Beziehungen wurden eingefroren. Vergangene Woche nun gab es eine deutliche Wiederannäherung.

Es ist jedoch nicht nur die geographische Nähe zu dem Einflussgebiet des IS und die militärische Bedrohung, die in Saudi Arabien die Alarmglocken schrillen lassen. Die Bedrohung geht tiefer. Zahlreiche junge Saudis haben sich den Kampftruppen des IS angeschlossen und im Königreich findet das neugegründete Kalifat durchaus Anhänger. Ideologisch beziehen sich sowohl Saudi Arabien als auch die IS auf ein sehr texttreues Verständnis des Islam und beide neigen dazu, Abweichler als Ungläubige zu verachten oder sogar zu verfolgen. Saudi Arabien versteht sich als islamischer Staat und auch hier wird das islamische Strafrecht zumindest in Teilen umgesetzt, inklusive öffentliche Köpfung von Mördern und schweren Körperstrafen für andere Verbrecher. Die brutale Ermordung von Andersgläubigen und Geiseln durch die Kämpfer des IS, sind eine extreme Übersteigerung, die zugrundeliegende Idee ist jedoch die Gleiche.

Genau deswegen, muss das Königreich den IS-Einfluss so fürchten: Gibt es doch eine wachsende Unzufriedenheit mit dem Königshaus und dem Kurs der vorsichtigen gesellschaftlichen Reformen durch König Abdullah. Sie sehen dies als Abkehr vom rechten islamischen Weg an und fordern eine aus ihrer Sicht konsequentere Umsetzung der Scharia. Das bringt sie zum IS. Besonders heikel ist die Situation, da König Abdullah über 90 und bei schwacher Gesundheit ist. Was passiert, wenn er stirbt und zugleich IS angreift? Vergangene Woche brachten viele saudische Zeitungen Bilder von radikalen Pro-IS-Graffitis an saudischen Schulmauern. Zwar bemühten sich die Kommentatoren, dies als Kinderstreich herunterzuspielen, doch klar ist: Die Bedrohung ist da und die saudische Regierung ist alarmiert. In den vergangenen Wochen wurde nicht nur der Zaun an der Grenze geplant, fast täglich werden Festnahmen von radikalen Islamisten und Terroristen gemeldet.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen