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Terrorangriff in Bagdad Die Geiseln sterben in der Kirche

Bei einem Terrorangriff in Bagdad gab es mindestens 53 Tote und 60 Verwundete. Nach dem Attentat herrscht Trauer und Entsetzen. Al-Kaida droht indes mit weiteren Anschlägen im Irak.

Der Patriarch Emmanuel III. (Mitte) besucht die Kirche. Foto: dpa

Entsetzen und Trauer hat das Geiseldrama in der syrisch-katholischen Kathedrale von Bagdad ausgelöst, bei dem mindestens 53 Menschen starben und über 60 verwundet wurden. Papst Benedikt XVI. sprach von „absurder und grausamer Gewalt“, die deutschen Bischöfe von einem „mörderischen Fanatismus“. Die Bundesregierung reagierte „entsetzt und traurig“. Nach Berichten von Augenzeugen hatte ein Dutzend Terroristen in Militäruniformen das Gotteshaus am Sonntag während der Abendmesse gestürmt und den Priester am Altar sofort vor den Augen der rund 120 entsetzten Gläubigen hingerichtet. Ein Teil der Attentäter trug Sprengstoffgürtel, andere verschanzten sich mit Gewehren und Handgranaten hinter Kindern.

Auf einer Al-Kaida-Website bekannte sich die Terrorgruppe „Islamischer Staat Irak“ zu dem Angriff auf die „schmutzige Höhle der Gotteslästerung“ und verlangte die Freilassung von Gesinnungsgenossen in Irak und Ägypten. Gleichzeitig kündigte die Gruppe ähnliche Angriffe auf die koptische Kirche in Ägypten an, der sie vorwirft, zwei zum Islam konvertierte Ehefrauen koptischer Priester in Klöstern gefangen zu halten.

Systematische Erschießungen

Etwa zwei Stunden nach der Geiselnahme stürmten irakische Spezialkräfte mit US-amerikanischer Unterstützung die Kathedrale, nachdem die Geiselnehmer offenbar mit der systematischen Erschießung ihrer Opfer begonnen hatten. Wie Überlebende am Montag berichteten, gab es gleich zu Beginn der Polizeiaktion zwei Explosionen, ausgelöst durch Selbstmordgürtel der Attentäter. Bei den anschließenden Feuergefechten zwischen Soldaten und Terroristen wurden nach irakischen Angaben acht Geiselnehmer getötet und fünf gefangen genommen. Auf dem Luftvideo einer amerikanischen Drohne ist schwarzer Rauch über dem Kirchengebäude zu sehen.

Nach dem Einsatz hatte es zunächst aus dem Innenministerium geheißen, es seien sieben Geiseln ums Leben gekommen. Erst am Montagmorgen gestanden die irakischen Behörden dann das ganze Ausmaß der Aktion ein. Aus Polizeikreisen hieß es, die meisten Geiseln seien offenbar während der Befreiungsaktion ums Leben gekommen. Vielen Verwundeten wurden Hände und Füße abgerissen, weil die Selbstmordgürtel mit Eisenkugeln gefüllt waren. Nur zehn Menschen entkamen dem Drama unverletzt.

Kritik an der Polizei

Christliche Politiker im Irak kritisierten das Vorgehen der Polizei scharf. Unschuldige seien gestorben, weil die Sicherheitskräfte „wenig professionell und überhastet“ vorgegangen seien, sagte der Abgeordnete Yonadam Yousef Kanna. Die Sayidat-al-Nejat-Kathedrale gehört zu den größten Gotteshäusern Bagdads. Sie liegt im wohlhabenden Stadtteil Karrada nahe der Grünen Zone, wo es ein dichtes Netz von Straßensperren und Kontrollpunkten gibt. Der irakische Verteidigungsminister kritisierte die „Nachlässigkeit“ der Wachposten und kündigte eine Untersuchung an.

Vor der US-Invasion im Frühjahr 2003 lebten im Irak rund 1,2 Millionen Christen. Mehr als zwei Drittel sind inzwischen geflohen. Nach wie vor stranden Monat für Monat Familien mit Touristenvisa in Jordanien und Syrien, nachdem sie Morddrohungen erhalten haben oder Angehörige entführt worden sind. Im Januar 2008 waren neun Kirchen in Mossul, Kirkuk und Bagdad durch eine Bombenserie beschädigt worden. Einen Monat später wurde der chaldäische Bischof von Mossul gekidnappt und ermordet.

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