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Tourismus und Terror Vereinzelte Tat mit begrenzter Wirkung

„Auch der neuerliche Anschlag wird schnell wieder vergessen sein“, so ein Tourismusanalytiker. Stockholm hat an Anziehungskraft nichts verloren.

Stockholm
Stockholm hat von seiner Anziehungskraft nichts verloren. Foto: dpa

Es dauerte nicht lange, bis sich die Stockholmer Tourismusbranche nach der terroristischen Amokfahrt in der Fußgängerzone mit fünf Toten sicher war: Die Tat eines abgewiesenen Asylbewerbers aus Usbekistan von Anfang April würde keine nennenswerten Auswirkungen auf den Besucherstrom haben. Die Zahlen für den Monat im direkten Gefolge bestätigten das nachdrücklich. Mit einem Plus von 15 Prozent hielt der Zustrom ausländischer Besucher in Schwedens Metropole unvermindert an. Im ersten Halbjahr ist der Tourismus hier doppelt so schnell gewachsen wie im Rest von Skandinaviens größtem Land. „Man kann darüber viel spekulieren, aber es war eben doch eine ganz vereinzelte Tat mit begrenzter Wirkung“, meint Sabina von Greyerz, PR-Managerin von „Visit Stockholm“.

Dabei hatte der Mörder mit der Fußgänger- und Einkaufszone der Drottninggatan einen Tatort gewählt, den wohl alle Touristen frequentieren. An dieser engen und stets mit Menschen gefüllten Straße auch hatte ein Selbstmordattentäter kurz vor Weihnachten 2010 seine selbst gebastelte Bombe gezündet, wobei glücklicherweise außer dem ums Leben gekommenen Täter niemand zu Schaden kam. „Daran erinnert sich überhaupt niemand mehr, und auch der neuerliche Anschlag wird schnell wieder vergessen sein“, sagt Hans Remvig, der für das Consultantunternehmen Resurs in Stockholm Tourismus- und Reisemuster analysiert.

Alles so wie immer

Abgesehen vom kurzen Gedächtnis der Menschen führt er auch das grundsätzlich unveränderte Bild Schwedens als einem sicheren Land zur Begründung für die stabilen Besucherzahlen ins Feld: „Es kommen ja vor allem Deutsche und Norweger hierher, die unser Land auch nach wie vor als offen sehen und sich wegen der Ähnlichkeit mit ihrer eigenen Kultur sicher fühlen.“ Daran hätte auch die Häufung negativer Schlagzeilen in den letzten Monaten nicht rütteln können.

Zu denen hatte US-Präsident Donald Trump in der ihm eigenen Art mit Twitter-Attacken gegen die „massenhafte Zuwanderung“ nach Schweden beigetragen, wo es deshalb drunter und drüber gehe. Internationale Medien berichteten breit über dramatisch gestiegene Mordraten im südschwedischen Malmö, und Schwedens Geheimdienst Säpo warnte kurz vor den Sommerferien vor einem explosiven Anstieg der Zahl gewaltbereiter Dschihadisten im eigenen Land: Statt ein paar hundert müsse man nun mehrere tausend überwachen.

„So was kommt nur äußerst marginell bei Touristen an“, kommentiert Remvig das. Er selbst ziehe mit Blick auf Furcht vor Gewalt nach wie vor die Straßen Malmö eindeutig denen von Chicago vor. Auch wenn er in diesen Sommertagen die Drottninggatan entlanggehe, sei alles so wie immer und keine Veränderung wegen der Amokfahrt vom April zu spüren. Schwedens im Sommer bis spät abends helle, mit Wasser und Schären reich gesegnete Hauptstadt hat an Anziehungskraft durch Terrorangst wohl nichts verloren. „Stockholm hat ein großes Potenzial, aber wir brauchen mehr Hotels und möglichst auch neue Attraktionen“, formulierte Thomas Andersson, der Chef von „Visit Stockholm“ zwei Monate nach dem Anschlag in der Drottninggatan ganz andere Sorgen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schweden

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