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Terrormiliz IS bekennt sich zu Anschlag in Tunesien

In einer Audiobotschaft bekennt sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" zum Anschlag mit mehr als 20 Toten in Tunis. Der Terror gefährdet die wirtschaftliche und demokratische Entwicklung.

Wachmann am Donnerstag vor dem Museum in Tunis. Foto: afp

Der blutige Anschlag, bei dem am Dienstag mindestens 23 Menschen und darunter 17 ausländische Touristen brutal ermordet wurden, hat Tunesien erschüttert. Die Attentäter sollen den Touristen auf dem Vorplatz des Museums regelrecht aufgelauert haben. „Sofort eröffneten sie das Feuer. Ich sah nur noch Blut und Tod“, berichtete der Fahrer eines Touristenbusses. Später zogen sich die Attentäter ins Museum zurück, nahmen dort Besucher als Geiseln.

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannte sich zu der Tat. Die Extremisten veröffentlichten dazu am Donnerstag im Internet eine Audio- und Textbotschaft. Die beiden Attentäter, die bei der Befreiungsaktion durch die Sicherheitskräfte getötet wurden, sind mittlerweile als Yassin Laabidi und Saber Kachnaoui identifiziert. Laabidi war den Sicherheitsbehörden bereits bekannt, allerdings ist nicht klar, ob und in welcher Verbindung er zu terroristischen Gruppen steht. Unklar ist auch, ob weitere Attentäter an dem Angriff beteiligt waren. Neun Verdächtige wurden festgenommen.

Während Premier Habib Essid am Dienstag bei einer Pressekonferenz noch von einem deutschen Staatsbürger unter den Toten gesprochen hatte, ging man am Mittwoch davon aus, dass es sich bei den Toten um Engländer, Polen, Spanier, Franzosen sowie Tunesier gehandelt habe. Am Mittwochmorgen wurden im Museum noch zwei spanische Touristen gefunden, die sich vor den Angreifern versteckt und dann die Nacht im Museum verbracht hatten.

Der tunesische Präsident Beji Caid Essebsi hatte am Abend des Anschlags angekündigt, dass sein Land gnadenlos und mit Nachdruck gegen die Terrorgefahr vorgehen werde. Zudem kündigte er an, Soldaten der Armee zum Schutz der Städte und vor allem der Touristenzentren ausrücken zu lassen. Das Museum soll bereits am Dienstag kommender Woche wiedereröffnet werden.

Islamisten im Kabinett

Tunesien ist in Sorge, welche Folgen der Anschlag für die Wirtschaft des Landes haben wird. Schließlich ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftssektor. Die Sorgen gelten aber auch dem politischen Prozess. Zwar gilt Tunesien als einziges Land des „Arabischen Frühlings“, in dem der Übergang zur Demokratie gelingen könnte, aber noch ist der Neuanfang wackelig. So wurden gerade erst ein Parlament und ein Präsident gewählt, und nach zähen Verhandlungen einigten sich die politischen Lager auf die Gründung einer Regierung, in der nicht nur die nationalistische Nidaa Tounes, sondern auch die islamistische Ennahda-Partei vertreten ist.

Der Kampf gegen den Terrorismus stellt diese Regierung auf ihre erste schwere Probe: Ein heikles Thema, besonders weil im Wahlkampf Nidaa Tounes den Islamisten immer wieder Verbindungen zu radikal-islamischen Terrorgruppen vorgeworfen hatte.

Die Sicherheitskräfte haben in den vergangenen Monaten terroristische Gruppen aus Tunesien in die Bergen im Südwesten verdrängen können.

Aber mindestens 3000 Tunesier haben sich den Kämpfen in Syrien und im Irak angeschlossen und 400, so wird geschätzt, sind inzwischen nach Tunesien zurückgekehrt. Die meisten von ihnen wohl, weil sie genug vom Kämpfen haben, doch es gibt Befürchtungen, dass manche nun in Tunesien Anschläge verüben oder Kämpfer rekrutieren könnten.

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