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Terrorismus Indonesien in Panik nach weiterem Anschlag

Erneut setzen Islamisten des lokalen IS-Ablegers eine Familie für Selbstmordangriff ein.

Blutiger Anschlag auf Polizeihauptquartier in Indonesien
Polizisten sperren nach dem Anschlag auf das Polizei-Hauptquartier der Großstadt eine Straße ab. Einen Tag nach den tödlichen Selbstmordattentaten auf christliche Kirchen im indonesischen Surabaya ist das Polizei-Hauptquartier der Großstadt zum Anschlagsziel geworden. Foto: dpa

Hilflos taumelt das achtjährige Mädchen inmitten von qualmenden Trümmerteilen vor dem Eingang des Polizeihauptquartiers in der indonesischen Stadt Surabaya umher. Das Kind heult und stöhnt vor Schmerzen, nachdem die Eltern sich wenige Sekunden zuvor mit selbstgebastelten Bomben in die Luft gesprengt hatten. Die Tochter überlebt die Attacke, weil sie zwischen dem Vater und der Mutter auf der Sitzbank eingezwängt war.

Einen Tag, nachdem eine sechsköpfige Familie mit Selbstmordwesten drei Kirchen in Surabaya angegriffen hatte, 14 Menschen tötete und rund 40 verletzte, verheizte Jemaah Ansharut Daulah (JAD), der indonesische Ableger der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS), schon wieder eine mehrköpfige Familie samt Kindern – und versetzte das Land in Panik. Indonesiens Präsident Joko Widodo rief den Alarmzustand aus. Sympathisanten radikaler Gruppen warfen harmlose Pakete in Menschenmengen und verschreckten Passanten. „Es wird keinen Kompromiss bei der Bekämpfung des Terrors geben“, warnte das Staatsoberhaupt. In den sozialen Medien Indonesiens jagte ein angsteinflößendes Gerücht das nächste. Gemessen an der Aufregung verunsicherte der IS-Terror mit den blutigsten Attentaten seit einem Jahrzehnt das ganze Land. 25 Menschen inklusive der Attentäter starben seit Sonntagmorgen in Surabaya.

Am Sonntag musste zuerst die Familie eines lokalen Boss der JAD-Zelle sterben. Sie war entgegen ersten Darstellungen der Polizei zuvor nicht in Syrien gewesen. Sonntagabend starben drei Mitglieder einer Familie inklusive einer jungen Tochter, als eine selbstgebastelte Rohrbombe in ihrer Wohnung in einem Armenviertel von Surabaya explodierte. Sie hatten Verbindungen zu dem JAD-Chef. Bereits am Samstagabend starben vier Islamisten in Cianjur in West-Java bei einer Schießerei mit der Polizei. Am Montagmorgen wurde dann das Polizeihauptquartier von einer weiteren, fünfköpfigen Familie angegriffen. Nur die Tochter überlebte.

Keine Syrien-Rückkehrer

JAD ist ein Zusammenschluss mehrerer militanter Gruppe, die seit dem Jahr 2015 bei der Rekrutierung und Spendensammlung aktiv ist. Viele der rund 100 Heimkehrer von der Kriegsfront suchen via JAD in ihrer Heimat offenbar Anschluss zu alten Gefährten. Das Land unterhält bislang kein systematisches Resozialisierungsprogramm für die IS-Rückkehrer. „Es würde wahrscheinlich ohnehin abgelehnt, weil die Extremisten das Lehrpersonal als Marionetten des Staats betrachten würden“, sagte ein südostasiatischer Terrorexperte am Montag der FR. Trotz der Panik in Indonesien und der allgemeinen Verunsicherung ist bei Experten eine gewisse Erleichterung zu spüren, nachdem Jakartas Behörden ihre ursprüngliche Behauptung zurücknahmen, die Attentatsfamilie vom Sonntag sei aus Syrien heimgekehrt. Trotz vieler Warnungen blieb die befürchtete große Heimkehrerwelle von IS-Veteranen bislang aus. Aus Südostasien schlossen sich insgesamt rund 1000 Fanatiker dem IS an, bislang kamen rund 100 zurück.

Auch in Afghanistan verzeichneten Experten keine nennenswerte Zahl von IS-Rückkehrern. Die Terrororganisation wird am Hindukusch auf eine Stärke von etwa 4000 Mann geschätzt. Sie stammen offenbar aus vielen Weltgegenden. Aber die Zahl blieb währen der vergangenen Jahre weitgehend konstant. Ein Grund zur Beruhigung ist dies dennoch nicht. Der IS in Afghanistan verdrängte die radikalislamischen Talibanmilizen vor allem im Norden des Landes – in der Region, in der rund 1300 Soldaten stationiert sind.

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