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Teheran Revolutionsgarden geben Saudis die Schuld

1. UpdateDer Doppelanschlag in Teheran eskaliert die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten. Die Revolutionsgarden schüren den Konflikt und verbreiten Verschwörungstheorien.

IS-Attacke
Erst nach Stunden gelingt es der iranischen Polizei, die Angreifer auszuschalten. Foto: rtr

Schüsse hallten durch die morgendlichen Straßen Teherans, Menschen kauerten zum Schutz hinter Alleebäumen.

Die Konfrontation zwischen Sunniten und Schiiten im Nahen Osten erfuhr am Mittwoch eine spektakuläre Eskalation, als sunnitische Terroristen in einer Kommandoaktion das Parlament im Herzen Teherans und das Mausoleum von Staatsgründer Ajatollah Chomeni im Süden der Hauptstadt unter Feuer nahmen.

Nach Angaben der Behörden töteten sie bei dem Doppelattentat mindestens zwölf Menschen und verletzten über 40. Einige der Attentäter, darunter eine Frau, sprengten sich in die Luft, andere schossen mit Kalaschnikows und Pistolen um sich. In dem weiträumigen Parlamentskomplex gelang es der Polizei erst am Mittag, die vier Angreifer des ersten Kommandos aufzuspüren und auszuschalten.

Die Abgeordneten schlossen sich zum Zeitpunkt des Dramas im Plenarsaal ein, unterbrachen jedoch ihre Sitzung nicht. Parlamentspräsident Ali Laridschani reagierte demonstrativ gelassen, nannte den Angriff „eine triviale Angelegenheit“, die in die Kompetenz der Polizei falle.

Parallel dazu stürmte eine zweite Gruppe von Attentätern auf das weiträumige Gelände der Chomeni-Gedenkstätte und erschoss wahllos Umstehende, darunter einen Gärtner. Auch hier dauerten die Gefechte zwischen den Terroristen und der Polizei nach Angaben der Nachrichtenagentur Ilna mehr als eine Stunde.

Der „Islamische Staat“ reklamierte auf seiner Website Amak, die sich den Anstrich einer Nachrichtenagentur gibt, die Bluttat für sich. Es war der erste Anschlag des IS auf dem Staatsgebiet der schiitischen Vormacht im Nahen Osten. Das iranische Geheimdienstministerium erklärte, man habe ein drittes Kommando neutralisiert, bevor es seine Terrorpläne ausführen konnte.

Die genauen Hintergründe der beiden Bluttaten liegen noch im Dunkeln. Doch der IS hatte im März zum ersten Mal auch der Islamischen Republik explizit Terroranschläge angedroht. Im syrischen Bürgerkrieg kämpfen iranische Revolutionäre Garden und schiitische Milizen an der Seite des Regimes von Baschar al-Assad gegen die Aufständischen, unter denen sunnitische Extremisten eine immer zentralere Rolle spielen.

Im Südosten des Iran gärt es

Im Irak beteiligen sich die iranhörigen Paramilitärs an der Rückeroberung der Metropole Mossul, wo der „Islamische Staat“ kurz vor der militärischen Kapitulation steht. Aber auch im Inneren des Iran gab es in den vergangenen Jahren Terrortaten sunnitischer Radikaler, von denen viele mit dem „Islamischen Staat“ sympathisieren.

So räumte Geheimdienstminister Mahmud Alawi ein, sein Land habe bisher rund 1500 junge Männer an einer Ausreise in das IS-Gebiet gehindert. Im Mai flammten nach einer langen Phase der Ruhe die Gefechte mit kurdischen Separatisten im Westen des Landes wieder auf. Zwei Soldaten starben, drei wurden schwer verletzt. Im Südosten an der Grenze zu Pakistan gärt es vor allem in der Provinz Sistan-Balochistan, dessen sunnitische Bevölkerung sich von Teheran diskriminiert und vernachlässigt fühlt.

Die dort operierende Terrororganisation Dschaich-al Adl (Armee der Justiz), die sich zu Al-Kaida rechnet, erschoss zuletzt im April zehn iranische Grenzpolizisten. Bei ihrem bisher schwersten Attentat im Jahr 2009 starben 42 Menschen, die meisten waren Revolutionäre Garden. Der IS-Doppelanschlag in Teheran fällt aber auch in eine Phase höchster Spannungen zwischen den beiden regionalen Erzrivalen Iran und Saudi-Arabien.

Revolutionsgarden greifen USA an

Die iranischen Revolutionsgarden schüren den Konflikt und verbreiten bereits Verschwörungstheorien. Den USA werfen sie vor, zusammen mit Saudi-Arabien in die Anschläge verwickelt zu sein. Dass US-Präsident Donald Trump kurz zuvor „eine der reaktionärsten Regierungen in der Region“ besucht habe, sei „sehr bedeutungsvoll“ und „zeige, dass sie in diese grausame Aktion verwickelt“ seien, erklärte die Eliteeinheit am Mittwoch mit Blick auf Trumps Besuch in Riad.

Iran fühlt sich als globale Schutzmacht der Schiiten, Saudi-Arabien mit Mekka und Medina als sunnitische Vormacht. Die saudische Führung wirft Teheran vor, permanent Unruhe in der Region zu stiften und den Terror zu fördern, ein Urteil, dem sich US-Präsident Donald Trump bei seinem Besuch in Riad vor drei Wochen demonstrativ anschloss. Der Iran finanziere Waffen und trainiere Terroristen, Milizen und andere extremistische Gruppen, die Zerstörung und Chaos verbreiteten, sagte Trump in Riad.

Umgekehrt beschuldigt die Islamische Republik die saudische Monarchie, Angehörige sunnitischer Minderheiten in Persien aufzustacheln und zu finanzieren. Kurz vor dem Trump-Besuch erklärte Saudi-Arabiens Vizekronprinz Mohammed bin Salman, der Kampf mit der Islamischen Republik werde ausgefochten „innerhalb Irans und nicht in Saudi-Arabien“. (mit afp)

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