Lade Inhalte...

Taliban-Attentat Zahlreiche Tote bei Anschlag in Kabul

4. UpdateDer Selbstmordattentäter der Taliban versteckt einen Sprengsatz in einem Rettungswagen.

27.01.2018 10:18
Anschlag in Kabul
Zwei Männer helfen in Kabul nach einem Anschlag einem verwundeten Mann. Foto: Massoud Hossaini

In Kabul hat ein Selbstmordattentäter einen mit Sprengstoff beladenen Rettungswagen in die Luft gesprengt und mindestens 95 Menschen mit in den Tod gerissen. 158 weitere Menschen wurden bei dem Anschlag an einem alten Gebäude des Innenministeriums im stark gesicherten Zentrum der afghanischen Hauptstadt am Samstag verletzt, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Die Taliban, die erst vor einer Woche ein Luxushotel in Kabul angegriffen hatten, reklamierten auch diesen Anschlag für sich.

Der Attentäter habe den Rettungswagen genutzt, um an Sicherheitskontrollen vorbei zu kommen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der Nachrichtenagentur AFP. An einem ersten Kontrollpunkt sei er durchgewunken worden, weil er angegeben habe, einen Patienten zum nahegelegenen Dschamuriate-Krankenhaus zu bringen. An einem zweiten Kontrollpunkt sei er aber „erkannt“ wurden. Dort habe er dann seinen Sprengsatz gezündet.

Es war eine der gewaltigsten Explosionen in Kabul seit dem Anschlag auf das Diplomatenviertel im Mai, bei dem mehr als 150 Menschen getötet worden waren. Das Attentat hatte auch die deutsche Botschaft schwer beschädigt.

Detonation in zwei Kilometern Entfernung zu spüren

Der Anschlag am Samstag erschütterte gegen 13.00 Uhr Ortszeit eine belebte Straße, an der das ehemalige afghanische Innenministerium liegt. In der Nähe befinden sich auch die Vertretung der Europäischen Union, das Kabuler Polizeipräsidium und der Sitz des Hohen Friedensrats zur Aussöhnung mit den Aufständischen.

Fotos in sozialen Netzwerken zeigten eine riesige Rauchwolke. Die Detonation war noch in zwei Kilometern Entfernung zu spüren, in einem Umkreis von mehreren hundert Metern gingen Fensterscheiben zu Bruch. Das Büro von Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Anschlag als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Im Dschamuriate-Krankenhaus spielten sich chaotische Szenen ab. Ärzte und Pfleger behandelten Männer, Frauen und Kinder, die blutend auf den Klinikfluren lagen. Auf den Straßen trugen freiwillige Helfer Verletzte über Trümmer, Rettungskräfte luden teils mehrere Leichen in einen einzigen Krankenwagen.

Der Anschlag habe einen Kontrollpunkt des Hohen Friedensrats getroffen, sagte der Friedensrats-Vertreter Hassina Safi. Bisher sei unklar, ob auch Mitglieder des Gremiums unter den Toten und Verletzten seien. In der EU-Vertretung, die über einen Schutzraum verfügt, gab es nach Angaben eines Mitarbeiters keine Opfer.

Ein Augenzeuge, der in der Nähe des Anschlagsortes ein Schreibwarengeschäft betreibt, berichtete, sein ganzer Laden habe gewackelt. „Alle unsere Fenster sind zu Bruch gegangen. Die Leute in unserem Laden stehen unter Schock.“ Ein Passant berichtete im Fernsehsender Tolo, er habe einen „großen Knall“ gehört und sei dann ohnmächtig geworden. Er habe dutzende Tote und Verletzte gesehen. Überall seien Blutlachen gewesen.

Die italienische Hilfsorganisation Emergency teilte mit, in ihr Krankenhaus in Kabul seien mehr als 50 Menschen eingeliefert worden. Emergency-Koordinator Dejan Panic sprach von einem „Massaker“.

In Kabul hat die Zahl der Anschläge zuletzt stark zugenommen. Die Hauptstadt gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in Afghanistan. Vor einer Woche hatten Kämpfer der radikalislamischen Taliban das Intercontinental-Hotel angegriffen und mindestens 22 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Ausländer, darunter auch eine Deutsche.

Am Samstagmorgen hatten die afghanischen Behörden in einer Sicherheitswarnung speziell an Ausländer vor möglichen neuen Anschlägen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gewarnt. Die IS-Kämpfer planen demnach Anschläge auf Supermärkte, Geschäfte und Hotels, die von Ausländern besucht werden.(afp)

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen