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Somalia Mehr als 300 Tote nach Anschlag

Auch Tage nach dem beispiellosen Anschlag in Mogadischu ist mit weiteren Toten zu rechnen. Noch hat sich niemand zu der Tat bekannt.

Somalia
Die Zerstörungen nach dem Anschlag in Mogadischu. Foto: afp

Auch zwei Tage nach der Explosion einer Lastwagenbombe in der somalischen Hauptstadt Mogadischu steht das wahre Ausmaß des verheerendsten Terroranschlags auf afrikanischem Boden nicht endgültig fest. Somalias Regierung sprach am Montag von mehr als 300 Menschen, die der beispiellosen Attacke zum Opfer gefallen seien. Doch weil in den zertrümmerten Gebäuden weitere Leichen vermutet werden und viele Körper durch die Explosion bis zur Unkenntlichkeit verbrannt worden sind, ist mit weiteren Opfern zu rechnen. Mehr als 300 Menschen wurden mit zum Teil schwersten Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert.

Die Regierungen Äthiopiens und Kenias boten dem Nachbarstaat medizinische Hilfe an. Die Türkei, die in dem Bürgerkriegsstaat zahlreiche Hilfskräfte, Ärzte und Militärberater stationiert hat, sandte ein Flugzeug nach Mogadischu, das am Montag mehr als 70 Schwerverletzte in die Türkei ausflog.

Noch immer hat sich keine Organisation für den Anschlag verantwortlich erklärt, doch weithin wird die radikalislamistische Al-Schabab-Miliz verdächtigt, die schon seit Jahren unzählige Selbstmordanschläge in Mogadischu verübt hat. Dass die Terrorgruppe bislang schweigt, führen Experten auf die ungewöhnlich hohe Zahl an Opfern zurück. Die Organisation fürchte einen weiteren Verlust ihres Ansehens unter der somalischen Bevölkerung, hieß es.

Vermutungen westlicher, in Mogadischu stationierter Militärberater zufolge könnte der Anschlag dem somalischen Außenministerium gegolten haben. Nachdem der Fahrer des Lastwagens jedoch in eine Straßenkontrolle geriet, soll er seine Sprengstoffladung mitten im Verkehrsstau vorzeitig zur Explosion gebracht haben. Dabei wurde auch ein nahe stehender Tanklaster in die Luft gejagt, was die Wucht der Sprengkraft drastisch vergrößerte.

US-Drohnen töten Islamisten

Bereits am Sonntag gingen in Mogadischu mehrere Hundert Menschen auf die Straße, um gegen den in aller Welt als „barbarisch“ verurteilten Anschlag zu demonstrieren. Das Land am Horn von Afrika, in dem seit drei Jahrzehnten ein Bürgerkrieg tobt, erlebte in diesem Jahr eine Art Frühling, nachdem ausgewählte Clanvertreter im Februar Mohamed Abdullahi zum neuen Regierungschef gewählt hatten. Abdullahi, der lange im Exil in den USA gelebt hatte, versprach den Menschen einen Neuanfang.

Gleichzeitig kündigte der Präsident jedoch an, die Al-Schabab-Miliz, die bis 2011 auch die Hauptstadt beherrscht hatte, militärisch zu zerschlagen. Außerdem hatte US-Präsident Donald Trump Drohneneinsätze seiner in Dschibuti stationierten Streitkräfte erleichtert, die fortan nicht mehr bei jedem Einsatz die Genehmigung des Weißen Hauses einholen mussten. In diesem Jahr sollen mehrere Al-Schabab-Führer von Drohnen getötet worden sein. Schließlich lief vor wenigen Wochen ein hochrangiger Führer der Terrororganisation ins Regierungslager über.

Trotzdem oder gerade deshalb hat die Gruppe ihren Kampf zuletzt verstärkt. Immer wieder wurden auch Stützpunkte der 22 000 Mann starken afrikanischen Amisom-Truppe angegriffen. Erst vor wenigen Tagen nahmen Al-Schabab-Kämpfer ein Dorf in der Nähe der Hauptstadt ein. Weder die Regierungstruppen noch die aus Uganda, Burundi sowie Dschibuti stammenden Amisom-Soldaten vermochten den Angreifern etwas entgegenzusetzen. Ebenfalls vor wenigen Tagen traten Somalias Verteidigungsminister Abdirashid Abdullahi Mohamed und Armeechef Mohamed Ahmed Jimale zurück. Gründe für die Demission wurden nicht bekannt.

Der Lastwagen, der in Mogadischu in die Luft flog, war mit Sprengstoff beladen, wie ihn das Militär benutzt. Die Frage, wie die Terroristen in seinen Besitz kamen, löste Spekulationen aus. Schon in der Vergangenheit war gemutmaßt worden, dass die afrikanischen Amisom-Soldaten die Al-Schabab-Milizionäre unter der Hand mit Waffen und Munition versorgen.

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