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Saint-Charles in Marseille Terrorverdacht nach tödlicher Messer-Attacke in Marseille

3. UpdateAm wichtigsten Bahnhof von Marseille greift ein Mann Menschen mit einem Messer an. Nach Angaben aus französischen Sicherheitskreisen sterben zwei Frauen. Auch in Kanada gibt es mehrere Angriffe.

Marseille
Der Bahnhof Saint-Charles in Marseille. Foto: afp

In der südfranzösischen Metropole Marseille hat ein mutmaßlich islamistischer Angreifer am Sonntag zwei Frauen mit einem Messer getötet, bevor er selbst von einem Soldaten erschossen wurde. Augenzeugen berichteten, der Täter habe während des Angriffs am Bahnhof Saint-Charles „Allahu akbar“ gerufen, Allah ist groß.  Ein Extremist des sogenannten Islamischen Staats sei für die Messerattacke am Sonntag verantwortlich, meldete die IS-nahe Nachrichtenagentur Amaq am Abend.

Präsident Emmanuel Macron sprach von einem „barbarischen Akt“. Die Behörden gehen von einem Terroranschlag aus. Wie der Staatsanwalt von Marseille, Xavier Tarabeux, mitteilte, übernahmen Anti-Terror-Fahnder und der Inlandsgeheimdienst die Ermittlungen.

Sicherheitskräfte riegelten die Umgebung des Bahnhofs vorübergehend weiträumig ab und appellierten an die Bevölkerung, die Gegend zu meiden. Züge wurden evakuiert. Die beiden Opfer seien 17 und 20 Jahre alt gewesen, hieß es in Polizeikreisen. Einer Frau sei die Kehle durchgeschnitten worden, der anderen sei in den Bauch und in die Brust gestochen worden.

Der etwa 30-jährige Angreifer habe ein Schlachtermesser bei sich getragen. Er sei den Behörden wegen allgemeiner Verbrechen bekannt gewesen, sagte ein Polizist. Weiter hieß es, bei einer digitalen Analyse der Fingerabdrücke seien die Ermittler auf mehrere Identitäten gestoßen.

Die Abgeordnete für Marseille, Samia Ghali, sagte dem Hörfunksender France Bleu, wenn das Militär nicht so rasch zur Stelle gewesen wäre, „hätten wir viel mehr Tote gehabt“. Der Soldat, der den Verdächtigen erschoss, gehörte einer Truppe an, die im Rahmen eines vor zwei Jahren ausgerufenen Notstands landesweit stationiert wurde.

Mehr Rechte für die Polizei

Der Anschlag dürfte Kritiker eines neuen Anti-Terror-Gesetzes verstummen lassen, das zurzeit in der Nationalversammlung beraten wird. Es sieht vor, Teile der Regelungen zum Ausnahmezustand, die seit den Pariser Attentaten vom 13. November 2015 gelten, dauerhaft in die Rechtsordnung zu übernehmen.

Die Pläne bedeuten eine Einschränkung von Freiheitsrechten. So soll es auf polizeiliche Anordnung künftig dauerhaft möglich sein, verdächtigen Personen das Verlassen ihres Wohnorts zu untersagen.     Auch sollen Sicherheitskräfte im Umfeld von Bahnhöfen oder Flughäfen zu Leibesvisitationen berechtigt sein. Betroffene haben geringe Aussichten, die Zwangsmaßnahmen gerichtlich überprüfen zu lassen. Die Annahme der Gesetzesnovelle gilt als sicher.

Gleich mehrere Anschläge eines mutmaßlich islamistischen Täters meldete die kanadische Polizei am Wochenende aus dem Westen des Landes. Dabei wurden den Angaben zufolge fünf Menschen verletzt.

Der Mann fuhr laut Polizei am Samstagabend (Ortszeit) vor einem Stadion der 800 000-Einwohner-Stadt Edmonton während eines Footballspiels einen Polizisten an. Dieser sei mehrere Meter durch die Luft geschleudert worden. Anschließend habe der Mann auf den Polizisten eingestochen. Er sei anschließend zu Fuß geflohen. Die Polizei richtete Straßensperren ein.

Wenige Stunden später fuhr der Verdächtige nach Polizeiangaben mit einem gemieteten Lieferwagen in zwei Gruppen von Fußgängern im Zentrum von Edmonton. Vier Menschen wurden dabei verletzt.

IS-Flagge gefunden

Bei der Verfolgungsjagd mit der Polizei verlor der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug. Es stürzte um. Nach seiner Festnahme wurde in seinem Auto eine Fahne der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) gefunden.

Kanadas Regierungschef Justin Trudeau zeigte sich „sehr besorgt und beunruhigt“. Wie die Polizei sprach auch er von einem „Terroranschlag“. Der Vorfall erinnert an die Lkw-Anschläge in jüngster Zeit, wie etwa in Barcelona, Nizza und Berlin. (mit rtr)

Hinweis: In einer früheren Version war fälschlicherweise von der „ersten terroristischen Messerattacke mit tödlichem Ausgang auf französischem Boden“ die Rede. Bereits 2016 wurde der französische Priester Jacques Hamel in Saint-Étienne-du-Rouvray von zwei Attentätern des Islamischen Staats getötet.

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