Lade Inhalte...

Sachsen Experten zweifeln an Linda W.s Abkehr vom IS

Mit 16 Jahren schloss sich Linda W. aus dem sächsischen Pulsnitz dem Islamischen Staat an. Nun beteuert sie, sich vom IS distanziert zu haben. Ermittler sehen jedoch Sicherheitsgefahren und wollen härter gegen Terror-Rückkehrerinnen vorgehen.

Pulsnitz
Das sächsische Pulsnitz - Heimat von Linda W. Foto: dpa

Ob Linda W. demnächst wieder heimkehren wird nach Pulsnitz? Die Bürgermeisterin der sächsischen Stadt hat Zweifel. „Das muss zunächst mal der Irak entscheiden“, sagte Barbara Lüke am Freitag der FR. „Dann wäre Deutschland an der Reihe. Eine Rückkehr nach Pulsnitz steht auf absehbare Zeit nicht an.“

Die 17-Jährige war am Donnerstagabend in der ARD zu sehen, knapp eineinhalb Jahre nach ihrem Verschwinden und ein Kopftuch tragend. Zunächst umarmt sie Mutter und Schwester, die gemeinsam mit den Journalisten nach Bagdad gereist sind. Kurz darauf sagt sie: „Ich weiß nicht, wie ich auf so eine dumme Idee kommen konnte, zum IS zu gehen. Ich habe mir mein Leben damit ruiniert.“ Mit Waffen habe sie nie etwas zu tun gehabt.

Zwar war Linda W. erst 16, als sie ihrer Mutter daheim einen Zettel hinterließ mit der Botschaft, dass sie bei einer Freundin übernachte. Als das Mädchen verschollen blieb, stellte ihre Familie fest, dass es über Frankfurt nach Istanbul geflogen war und sich von dort wohl auf den Weg gen Syrien gemacht hatte, in das Hoheitsgebiet der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Die Familie hörte anschließend lange nichts – bis eine SMS kam, in der auch eine Botschaft an den mutmaßlich mitlesenden Verfassungsschutz enthalten war. „Ein paar Worte an Euch dreckige Hunde“, stand da. „Es werden noch viele, viele Anschläge folgen.“ Dazu forderte das Mädchen die Mutter auf, sie solle es „nicht zuheulen“.

Linda W. - Festnahme in Mossul

Zunächst lebte Linda W. in Raqqa in Nordsyrien, später in Mossul, wo Sicherheitskräfte sie im Sommer festnahmen. Jetzt ist die Frage, was mit ihr geschehen soll. Darüber müssen zunächst die Iraker befinden. Und die haben mit zahlreichen ähnlichen Fällen zu tun. 700 Frauen allein aus Europa seien ins IS-Gebiet gereist, heißt es. Und mindestens sechs weitere deutsche mutmaßliche IS-Anhängerinnen säßen derzeit in irakischen Gefängnissen, einige mit Kindern.

Die deutschen Sicherheitsbehörden wiederum sind nicht unbedingt begeistert angesichts der Sicherheitsfragen, die sich stellen – auch wenn Deutschen die Rückkehr prinzipiell nicht verwehrt werden kann. So ermittelt die deutsche Justiz gegen Linda W. Einen Haftbefehl gibt es indes nicht. In Sicherheitskreisen überwiegen die warnenden Stimmen – nicht bloß mit Blick auf rückkehrende Frauen, sondern auch auf Kinder und etwaige Anschläge hier. Generalbundesanwalt Peter Frank will weibliche Mitglieder des IS künftig ebenso bestrafen wie männliche – „weil“, wie er in der ARD sagte, „diese Frauen die innere Struktur des sogenannten Islamischen Staates und damit dieser Terrororganisation stärken“. Darüber hat der Bundesgerichtshof zu entscheiden.

Bei Linda W. machen sich die Zweifel nicht zuletzt an ihrer Person fest. Die Pulsnitzer Bürgermeisterin sagt: „Hier fragen sich manche, warum Linda W. immer noch Kopftuch trägt, wenn sie sich doch so distanziert hat.“ Insgesamt sei es „wahnsinnig schwer nachzuvollziehen, was in Linda vorgeht“.

Der Freiburger Politologe und Islamismusexperte Heiner Vogel sagte der FR: „Ich halte die Distanzierung nicht für glaubhaft, auch wenn das Mädchen noch so jung ist. Sie wird vom IS massiv beeinflusst worden sein. Und sie hat nicht besonders traumatisiert gewirkt.“ Linda W. habe stattdessen wohl sehr genau „gewusst, was von ihr erwartet wird, damit sie nach Hause zurückkehren kann. Ihr Verhalten resultiert aus Berechnung.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen