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Pakistan 72 Tote bei Taliban-Anschlag auf Christen

Mitten auf einem Spielplatz voller Familien zünden Terroristen in der pakistanischen Stadt Lahore einen Sprengsatz. Hinter dem Anschlag steckt eine Splittergruppe der örtlichen Taliban.

27.03.2016 17:48
In dem gut besuchten Park feierten viele Christen Ostern. Foto: AFP

Die pakistanischen Taliban haben sich zu dem blutigen Anschlag auf Christen in einem Park von Lahore bekannt. "Wir haben das Attentat von Lahore begangen, weil Christen unser Ziel sind", sagte der Sprecher Ehsanullah Ehsan der radikalen Taliban-Gruppierung Jamaat-ul-Ahrar am Montag per Telefon. Seine Gruppe plane weitere Anschläge, auch gegen Schulen und Universitäten.

Am Sonntag hatte sich ein Selbstmordattentäter in einem gut besuchten Park von Lahore, in dem viele Christen Ostern feierten, bei einem Spielplatz in die Luft gesprengt. Unter den mindestens 72 Toten und 230 Verletzten sind zahlreiche Kinder.

Zunächst wurden die Verletzten mit Rikschas und anderen Fahrzeugen weggebracht, berichten Augenzeugen. Später kamen Dutzende Krankenwagen zu dem Park, der in der Nähe des Zentrums von Lahore liegt. Ein Vertreter des Jinnah-Krankenhauses sagte der Nachrichtenagentur AFP, die meisten der Verletzten befänden sich in einem ernsten Zustand. Er rechne daher damit, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen werde.

Der pakistanische Regierungschef Nawaz Sharif verurteilte die Tat. Er empfinde "Schmerz und Kummer über den traurigen Verlust von unschuldigen Leben", erklärte er. Indiens Regierungschef Narendra Modi sprach dem Nachbarland laut Staatsmedien sein Mitgefühl aus.

Die US-Regierung verurteilte den "feigen" Anschlag auf unschuldige Zivilisten, wie der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Ned Price, erklärte. "Dieser abscheuliche Anschlag gegen Familien in einem belebten Park zeigt, dass sich Terrorismus in seinem mörderischen Wahn gegen alle Menschen gleichermaßen richtet", erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Die "Jamaat-ul-Ahrar" hatte sich im September 2014 unter dem Kommando des radikalen Islamisten Omar Khalid Khorasani von der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) abgespalten, nachdem Maulana Fazlullah die Führung über das lose Bündnis mehrerer Rebellengruppen übernommen hatte.

Fazlullah war im November 2014 zum TTP-Anführer aufgerückt, weil der vorherige TTP-Führer Hakimullah Mehsud bei einem US-Drohnenangriff getötet worden war. Die Jamaat-ul-Ahrar bekannte sich seitdem zu zahlreichen Anschlägen. Inzwischen schloss sie sich wieder den Taliban an, agiert aber weiter unter eigenem Namen. In Pakistan ereignen sich seit Jahren immer wieder Anschläge, die Zahl ging aber seit dem Start einer Armeeoffensive gegen Islamisten im Nordwesten des Landes im Jahr 2014 zurück. Das Land kämpft bereits seit dem 2004 gegen einen islamistischen Aufstand, in dem unter anderem die pakistanischen Taliban immer wieder Attentate verüben. In Lahore, der pakistanischen Kulturmetropole im Nordosten des Landes, blieb es dabei in den vergangenen Jahren relativ ruhig. (afp/jon)

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