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Messerattacke in Finnland Attentäter hat offenbar gezielt Frauen angegriffen

Die finnische Polizei stuft die Messerattacke mit zwei Toten und acht Verletzten in Turku als mutmaßlich ersten Terroranschlag des Landes ein. Vier weitere Verdächtige wurden festgenommen.

19.08.2017 20:57
Polizist in Turku
Schwer bewaffneter Polizist in Turku. Foto: rtr

Nach dem  Messerangriff eines Marokkaners  im finnischen Turku hat die Polizei weitere vier Verdächtige aus dem nordafrikanischen Land festgenommen. Sie stehen nach Angaben der Behörden vom Samstag möglicherweise in Verbindung mit der Attacke auf Passanten, bei der zwei Menschen getötet und weitere acht verletzt wurden.

Der Vorfall wurde offiziell als terroristischer Anschlag eingestuft und wäre damit der erste seiner Art in dem nordischen Land.

Gab Verbindungen zum Anschlag in Barcelona?

Die Polizei teilte weiter mit, der 18 Jahre alte Marokkaner habe offenbar gezielt Frauen angegriffen: Die beiden Getöteten und sechs Verletzte seien Frauen. Die verletzten Männer hätten beide versucht, diesen zu helfen oder sie zu beschützen.

Der finnische Geheimdienst sprach von Parallelen zu „anderen Terrorangriffen radikaler Islamisten in jüngster Zeit in Europa“. Den Behörden zufolge kam der mutmaßliche Attentäter 2016 nach Finnland. Der finnische Sender MTV berichtete, der Asylantrag des 18-Jährigen sei abgelehnt worden.

Die Polizei untersuchte nach eigener Darstellung etwaige Verbindungen zum Anschlag in Barcelona. Am Donnerstag hatten mutmaßliche, teils aus Marokko stammende Islamisten in Spanien 14 Menschen getötet.

Die finnische Polizei hatte den Täter am Freitag ins Bein geschossen und nahm ihn fest.

Landesweit wurden die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren, darunter am Flughafen der Hauptstadt Helsinki und an Bahnhöfen. Der Geheimdienst hob die Sicherheitsstufe von „niedrig“ auf „erhöht“ an.

Im ganzen Land wurden die Flaggen vor staatlichen Gebäuden auf Halbmast gesetzt. Vier der Verletzten wurden am Samstag stationär in Krankenhäusern behandelt, drei davon lagen auf der Intensivstation. Turku liegt etwa 170 Kilometer westlich von Helsinki an der Südwestküste Finnlands. Etwa 190.000 Menschen leben in der Stadt.

Razzia in Turku

Medienberichten zufolge gab es eine Razzia in einer Wohnung im Turkuer Viertel Varissuo, wo viele Einwanderer wohnen. Die Vorsitzenden der irakischen und syrischen Gemeinden in Turku riefen zu Solidaritätskundgebungen mit den Opfern auf. Allerdings gaben sie wegen Sicherheitsbedenken diese Pläne später auf.

In Helsinki wollten Gegner der Immigration demonstrieren. „Terroristen wollen die Menschen aufeinanderhetzen. Wir werden das nicht zulassen. Die finnische Gesellschaft wird nicht durch Furcht oder Hass besiegt“, twitterte Innenministerin Paula Risikko.

„Zuerst hörten wir eine junge Frau, die wie verrückt schrie“, schilderte Laura Laine den Angriff. „Ich dachte zunächst, Jugendliche albern herum. Aber dann wichen die Menschen um mich herum zurück, und ich sah einen Mann mit einem Messer in der Hand, der auf eine Frau einstach.“ Einer habe geschrien: „Er hat ein Messer.“ Die Leute seien in ein Cafe geflüchtet. „Dann kam eine Frau ins Cafe. Sie schrie hysterisch, fiel auf die Knie und sagte, er habe jemanden den Hals zerfetzt.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel kondolierte bei einem Telefongespräch Ministerpräsident Juha Sipilä. „Wir dürfen unsere Art zu leben nicht aufgeben und uns nicht einschüchtern lassen“, erklärte sie. „Den Terroristen müssen wir geschlossen entgegentreten." Innenminister Thomas de Maiziere erklärte, die deutschen Behörden unterstützten die finnischen Ermittlungen. (rtr)

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