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Las Ramblas Terror-Angriff im Herzen von Barcelona

7. UpdateMit einem Transporter rasen Attentäter in die Flaniermeile La Rambla. Mehr als ein Dutzend Passanten sterben an den Folgen des Aufpralls, die Terrormiliz IS will verantwortlich sein.

Barcelona
Eine Straßensperre der Polizei in Barcelona. Foto: afp

Es sind erschütternde Bilder. Bilder, von denen die Polizei eins ums andere Mal bittet, sie nicht zu veröffentlichen, aber die sozialen Netzwerke sind schnell und unerbittlich. Dutzende Verletzte auf dem Pflaster der Ramblas in Barcelona, sie liegen still da in ihrer Sommerkleidung, einige blutend, über viele Meter verstreut, dazwischen rennen Menschen umher, kopflos, sie wissen nicht, ob sie helfen oder ob sie flüchten sollen.

„Wir waren wie Lämmer“, sagt später Alejandra López, eine Zeugin, im Telefongespräch mit einem Fernsehsender. Lämmer, die den Wolf erblickt haben, den Wolf des Terrorismus.

Am Donnerstagnachmittag nach 17 Uhr war ein weißer Lieferwagen mit hoher Geschwindigkeit von der Plaça de Catalunya kommend in die Ramblas gefahren, wie immer voll mit Einheimischen und noch mehr Touristen, die über den Boulevard am Rande der Altstadt flanierten, die Schönheit Barcelonas genießend.

Gut 500 Meter bretterte der Wagen die Straße hinunter, in leichten Schlangenlinien, es sollte so viele Opfer geben wie möglich, so sieht es aus. Ein Terroranschlag, waren sich die ersten Zeugen sicher. Ein Terroranschlag, sagte später die Polizei.

Wie viele Opfer es gab, wie viele Tote, wie viele Verletzte, darüber gibt es im Laufe des Abend ständig wechselnde Informationen. Mindestens 13 Tote, schreiben die Zeitungen in ihren Netzausgaben gegen 19 Uhr. Ein Toter und 32 Verletzte, sagt wenig später der katalanische Innenminister Joaquim Forn auf einer improvisierten Pressekonferenz unter freiem Himmel. Am Abend korrigiert er sich: 13 Tote, rund 80 Verletzte, vorläufige Zahlen.

Zwei Festnahmen 

Aber noch ist nicht Zeit, die Toten zu beweinen, die Verletzten zu trösten, den Schock zu verdauen. Die Polizei sucht den Attentäter. Oder die Attentäter. Die Polizei hält sich mit Informationen zurück. Und dann gibt sie den Namen eines Mannes bekannt, der den Lieferwagen, der zur Waffe wurde, in einem Nachbarort Barcelonas gemietet habe, den Namen eines Marokkaner mit Wohnsitz in Spanien. Er sei festgenommen worden.

Ein erster Hinweis, dass der Anschlag von Barcelona das ist, was jeder vermutet hat: ein islamistischer Anschlag.

Auch einen zweiten Tatverdächtigen nimmt die Polizei noch am Abend fest. Einen weiterer wird nach einem Bericht der katalanischen Zeitung „La Vanguardia“ erschossen, nachdem er eine Polizeisperre mit seinem Auto durchbrochen hat. 

Bei dem Tatfahrzeug handelt es sich um einen weißen Lieferwagen einer Leihwagenfirma, den der Fahrer am Tatort zurückließ. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Attentäter womöglich hätten fliehen wollen, sei nahe Barcelona gefunden worden, schreiben die katalanischen Zeitungen „La Vanguardia“ und „El Periódico de Catalunya“ unter Berufung auf die Polizei. 

Dass Spanien ein Anschlagsziel werden könnte, war den Sicherheitsbehörden seit langem klar. Am 11. März 2004 hatte Spanien das folgenschwerste islamistische Attentat auf europäischem Boden erlitten: 191 Menschen starben in Madrid, als am Morgen vier Vorortzüge von Terroristen in die Luft gesprengt wurden.

Auf den Anschlag war Spanien nicht vorbereitet gewesen, die Polizei war damals noch hinter baskischen ETA-Terroristen her. Doch seit jenem 11. März sind die Spezialeinheiten gegen den islamistischen Terror immer weiter aufgestockt worden, kein anderes europäisches Land hat in den vergangenen Jahren so viele Terrorverdächtige festgenommen wie Spanien.

13 Jahre ohne islamistische Attentate. Und nun Barcelona. Das wussten die Ermittler: Nach der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta ist die katalanische Hauptstadt der Ort mit den meisten radikalisierten Islamisten in Spanien.

Am Abend ist die Lage in Barcelona noch immer konfus. Die Polizei dementierte Medienberichte, wonach sich Menschen – darunter möglicherweise auch Täter – in einem Restaurant verschanzt hätten. Niemand habe sich verschanzt, sagt die Polizei. Zuvor hatten Beamte den Tatort geräumt, die Lokale und Geschäfte evakuiert, in denen Menschen Schutz gesucht hatten. Der öffentliche Nahverkehr war unterbrochen. 

Später reklamiert die Terrormiliz IS über ihr Sprachrohr Amak den Anschlag für sich. Angeblich hab einer „der Soldaten des Islamischen Staates“ die Tat ausgeführt. Eine Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.     (mit dpa) 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Spanien

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