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Islamischer Staat Israel dementiert Mossad-Verbindung

Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ lässt einen 19-jährigen Palästinenser als angeblichen Mossad-Spion hinrichten – und zwar durch ein Kind. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon dementiert jegliche Verbindung zum Geheimdienst.

Said Mussalam mit einem Bild seines Sohnes. Foto: dpa

Die Terrororganisation IS („Islamischer Staat“) hat einen 19-jährigen Palästinenser aus Ost-Jerusalem als angeblichen Mossad-Spion hinrichten lassen – und zwar durch ein Kind.

Ein Video der Exekution wurde Dienstagabend im Internet veröffentlicht: Zu sehen ist, wie ein französisch sprechendes IS-Mitglied in Kampfmontur einen Jungen, kaum älter als zwölf Jahre, vorschickt um den knienden Mann in orangerotem Overall per Kopfschuss zu töten. Als er taumelt, drückt das Kind weitere Male ab. Das Todesverdikt hatte der IS-Militante zudem mit einer Drohung verknüpft: So wie man Juden in Frankreich mit Allahs Hilfe ermordet habe, würden „die Löwenjungen des Kalifats“ auch Jerusalem vom „Schmutz“ befreien.

Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon dementierte am Mittwoch, dass Musallam irgendwelche Verbindungen zum Mossad oder anderen Sicherheitsbehörden hatte. Auch wirken Musallams Geständnisdetails, die das Video wiedergibt, konstruiert. In einer Zelle sitzend wiederholt er, was bereits im Februar ein englischsprachiges IS-Magazin veröffentlicht hatte. Demnach habe ihn ein jüdischer Nachbar in Ost-Jerusalem, der als Polizist arbeite, angeworben. Sein Vater und sein Bruder hätten ihn dazu ermuntert, weil er so viel Geld verdiene könne. Der Mossad habe ihn trainiert, 1000 Euro für einen Kurs gezahlt und weiteres Geld für verschiedene Aufträge. Schließlich sei er nach Syrien geschickt worden, um den IS auszuspähen.

Begeisterung für IS verfliegt schnell

Einiges spricht für die Vermutung des Vaters Said Mussalam, wonach die IS-Miliz seinen Sohn nicht gehen lassen wollte aus Angst, er könnte in israelischen Verhören von seinen Erfahrungen berichten. Aber er sei sicher, so der Vater, dass sein Sohn nicht für den Mossad gearbeitet habe.

Kurz nach seinem Verschwinden vor vier Monaten hatte Mohammed Musallam seinen Bruder wissen lassen, er wolle sich „Da’esch“ anschließen, wie der IS auf Arabisch genannt wird. Damals hielt sich der Palästinenser offenbar noch in der Türkei auf, wohin er als Tourist mit israelischen Reisepapieren geflogen war. Seine Begeisterung für den IS verflog schnell, nachdem er sich von Schmugglern nach Syrien hatte bringen lassen. Als sich Musallam noch einmal aus der IS-Hochburg Rakka in Nordsyrien bei seiner Familie meldete, wollte er wieder nach Hause kommen, berichtet sein Vater. „Ich habe genug, das hier ist ein Land im Krieg, ich will zurück“, habe ihm sein Sohn erklärt.

Von einem unidentifizierten Anrufer will die Familie schließlich erfahren haben, dass Mohammed Musallam aus dem IS-Gebiet zu fliehen versucht habe, aber an einem Checkpoint geschnappt worden sei.

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