Lade Inhalte...

Islam Mehrheit der Deutschen sieht Islam kritisch

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Vorurteile über Muslime vor allem mit dem Unwissen über deren Kultur zusammenhängen.

Pegida-Demonstration in Dresden am 5. Januar: 57 Prozent der Bundesbürger halten nach einer Studie den Islam für bedrohlich. Foto: rtr

Es nutzt nichts: In Deutschland lebende Muslime können sich noch so sehr den Werten der Bundesrepublik verbunden fühlen, Demokratie schätzen und Radikalismus verurteilen, gegen das Feindbild Islam kommen sie nicht an. Sie werden in Gesinnungshaft genommen für jeden Anschlag von Islamisten in Europa, für jedes Enthauptungsvideo des „Islamischen Staats“. Wie stark die Ablehnung gegen Muslime ist, das zeigt eindrücklich die am Donnerstag veröffentlichte Sonderauswertung Islam des Religionsmonitors, einer großen internationalen Vergleichsstudie der Bertelsmann-Stiftung.

Danach halten 57 Prozent der Bundesbürger den Islam für bedrohlich, fast zwei Drittel sind der Ansicht, dass er nicht in die westliche Welt passt. Am höchsten ist die Ablehnung in Sachsen, wo sogar 78 Prozent sich bedroht fühlen. Bundesweit fühlen sich 40 Prozent wegen der Muslime wie Fremde im eigenen Land und jeder Vierte würde die Zuwanderung von Menschen moslemischen Glaubens verbieten.

Damit ist die Ablehnung im Vergleich zu einer vor zwei Jahren erhobenen Befragung nochmals gestiegen, und es ist anzunehmen, dass sie noch weiter zunehmen wird. So sehr sich Muslime auch vom Extremismus distanzieren, in den Augen vieler Bundesbürger sind Islam und Islamismus ein und dasselbe. Die Folge ist eine Ausgrenzung, die gefährlich werden kann.

Dabei gibt es hierzulande nur vier Millionen Muslime – wobei bezeichnend ist, dass diese Zahl in Befragungen stets viel höher geschätzt wird. Das ist typisch, denn die Islamfeindlichkeit wird vor allem durch Unwissen genährt. So hat nur ein Drittel der Bürger überhaupt Kontakt zu Muslimen, in Ostdeutschland sogar nur jeder Zehnte.

In einer Studie im Auftrag des Bundesinnenministeriums für die Islamkonferenz hatten zum Beispiel fast 40 Prozent der Migranten aus dem Iran angegeben, überhaupt nicht gläubig zu sein.

„Für Muslime ist Deutschland inzwischen Heimat. Sie sehen sich aber mit einem Negativ-Image konfrontiert, das anscheinend durch eine Minderheit von radikalen Islamisten geprägt ist“, erläutert Yasemin El-Menouar, Islam-Expertin der Bertelsmann-Stiftung. Tatsächlich sind weniger als ein Prozent aller Muslime radikal. 90 Prozent halten die Demokratie für eine gute Regierungsform, sie haben enge Kontakte zu Menschen außerhalb ihrer Religion.

Gar nicht in das gängige Klischee passen auch andere Ergebnisse der Studie, wonach die Einstellungen selbst von gläubigen Muslimen deutlich liberaler sind als weithin angenommen. So überdenkt fast jeder zweite Muslim oft oder sogar sehr oft seine persönlichen religiösen Einstellungen. 93 Prozent stimmen der Aussage zu, man sollte allen Religionen gegenüber offen sein. 40 Prozent der strengreligiösen Muslime sind der Ansicht, dass ein homosexuelles Paar die Möglichkeit haben sollte zu heiraten. In der Türkei teilen nur zwölf Prozent diese Meinung.

Auffallend ist, dass die Vorurteile gegenüber Muslimen nicht mit dem Bildungsgrad abnehmen. „Weder die politische Orientierung noch das Bildungsniveau üben einen nennenswerten Einfluss auf das Islambild aus“, so die Bertelsmann-Forscher.

Die Autoren fordern, den Islam mit den christlichen Konfessionen und dem Judentum gleichzustellen und das Wissen über ihn in Deutschland zu stärken. „Die Zugehörigkeit der Muslime sollte nicht infrage gestellt, sondern auch in öffentlichen Debatten deutlich werden“, empfehlen die Wissenschaftler. Oder um es mit den Worten des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff zu sagen: „Der Islam gehört zu Deutschland.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum