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IS Terror erschüttert Indonesien

Mindestens drei Gruppen von Attentätern des Islamischen Staats verüben Anschläge im Zentrum der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Zwei Passanten sterben, zahlreiche weitere werden verletzt.

Vor rund einem Monat lieferten sich Polizisten im Zentrum Jakartas Feuergefechte mit den Attentätern. Foto: AFP

Der Terror kehrt nach Jakarta zurück. Sieben Jahre nach dem Anschlag auf das Marriott-Hotel in der indonesischen Hauptstadt attackierten im Zentrum mindestens drei Gruppen Attentäter des Islamischen Staats (IS) auf Mopeds ein Polizeihäuschen und den Eingang des Einkaufszentrums Sarinah. Zwei Attentäter sprengten sich nach Angaben der Polizei in die Luft und rissen zwei Passanten mit in den Tod, drei Attentäter erschoss die Polizei. Mehr als 15 Menschen wurden verletzt, darunter nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch ein Deutscher.

Tausende Indonesier hatten sich stundenlang in umliegenden Bürogebäuden verbarrikadiert. Nach den Schießereien erklärte Jakartas Polizeichef Tito Karnavian: „Die Täter waren alle Indonesier und gehören zum Islamischen Staat.“ Der IS bekannte sich in einer Erklärung zu dem Attentat.

Seit dem letzten Anschlag in Jakarta im Jahr 2009 schien es lange, als ob das Land mit den meisten islamischen Einwohnern der Welt – etwa 220 der 240 Millionen Indonesier sind Muslime – den Terror besiegt hätte. Die Hoffnung ist jetzt gestorben. Auch die Indonesier müssen sich mit dem Gedanken abfinden, dass der Kampf gegen den Terror im eigenen Land weitergeht. „Über Weihnachten und Neujahr gab es strenge Sicherheitsmaßnahmen“, erklärte Tommy Suryopratomo, Chefredakteur des Fernsehsenders Metro TV, „am Donnerstag rächte sich die nachlassende Wachsamkeit.“

Die Attacke am helllichten Tag glich dem Terrorangriff in Paris. Mindestens drei Gruppen Terroristen hatten mehrere Ziele angegriffen. Noch während der Kämpfe rund um die Hauptstraße Thamrin kursierten unzählige Liveaufnahmen der Schießereien in den sozialen Medien. Auf einem Video waren zwei Angreifer zu sehen, die sich versteckt hinter großen Blumentöpfen zu schaffen machten. Plötzlich verschwanden die beiden in einer hellen Stichflamme. Fotos zeigten die Leichen von drei toten Männern, deren Kleider noch qualmten, vor einem gesprengten Polizeihäuschen. Auf anderen Aufnahmen sind Schüsse und Angstschreie zu hören.

Indonesien erlebt laut Sidney Jones vom Institute for Policy Analysis of Conflict (IPAC), das die islamistische Szene in Südostasien gut kennt, gegenwärtig einen heftigen Wettbewerb zwischen Anhängern von Al-Kaida und dem Islamischen Staat (IS). Der Sieger stehe fest. „IS ist derzeit die Mode des Monats“, warnte Jones gegenüber dieser Zeitung, „man sollte keine Illusionen hegen. Die Gruppe versucht, sich in Indonesien zu etablieren.“

Neben Indonesien gilt auch Malaysia als IS-Hochburg. Malaysier sollen auch einen relativ hohen Anteil unter den Selbstmordattentätern stellen, die vom IS im Nahen Osten eingesetzt werden. Außerdem behaupten einige Gruppen im Süden der Philippinen, darunter die berüchtigte Gruppe Abu Sayyaf, sie hätten sich dem IS angeschlossen.

Metro-TV-Chefredakteur Suryopratomo befürchtet in Indonesien das Schlimmste für die Zukunft. „Wir hatten sieben Jahre Ruhe. Das ist nun vorbei“, erklärte der Journalist gegenüber dieser Zeitung, „ich hoffe, das war ein Weckruf.“

Hunderte Indonesier sind samt ihren Familien in den Nahen Osten gegangen, um sich dort der Terrorgruppe IS anzuschließen. Nach Angaben von Suryopratomo sind etwa 50 aus Syrien zurückgekehrt. „Sie verteilen sich im ganzen Land. Das macht sie so gefährlich.“

Als bekanntester indonesischer Vertreter von IS gilt ein Mann namens Santoso. Er soll versucht haben, das alte Netzwerk der Untergrundbewegung Jemaah Islamiyah zu nutzen. Die verübte den Anschlag gegen eine Diskothek auf Bali im Oktober des Jahres 2002, bei dem 202 Menschen ums Leben kamen.

Seit März vergangenen Jahres jagt eine 1600 Mann starke Spezialeinheit Santoso und seine 40 Gefährten im Urwald der Insel Sulawesi. Staatspräsident Joko Widodo hatte die Operation angeordnet und den Sicherheitskräften eine Frist bis zum 8. Januar gesetzt. Da Santoso bis dahin nicht gefasst wurde, soll die Einheit um weitere 500 Mann verstärkt werden. (mit dpa)

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