Lade Inhalte...

IS-Rückkehrer Verfassungsschutz warnt vor jungen Dschihadisten

Der Verfassungsschutz warnt vor einer neuen Dschihadisten-Generation und Kindern deutscher Extremisten, die zurückkehren könnten. Wie groß ist die Gefahr?

19.10.2017 16:07
IS trainiert Kinder an Waffen
Training in Afghanistan: Ein IS-Mitglied zeigt Kindern den Umgang mit einer Pistole. Foto: Ghulamullah Habibi

Als der Junge auf den Abzug der Pistole drückt, verzieht er keine Miene, er will keine Angst zeigen. Die Waffe hält er mit beiden Händen, die Arme durchgestreckt. Das gefesselte Opfer, ein Gefangener der IS-Terrormilz, kippt nach vorn.

Der Junge schießt noch mal und noch mal, dann streckt er den rechten Arm mit der Pistole in der Hand nach oben und schreit „Allahu akbar“.

Das Opfer verliert in diesem Moment sein Leben - und der Schütze seine Kindheit und Unschuld. Als er abdrückt, ist er vielleicht 13 Jahre alt, so jung jedenfalls, dass in seinem Gesicht noch nicht einmal ein dünner Flaum zu sehen ist. Ein Video der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat jedes Detail dieser Tat festgehalten.

IS setzt gezielt Kinder ein

Der Film ist ein Beleg dafür, wie kaltblütig die Terrormiliz Kinder für ihre Zwecke einsetzt. In IS-Propagandavideos tauchen Minderjährige auch als Kämpfer auf. Zeitweise sollen die Extremisten sogar eigene Rekrutierungsbüros eingerichtet haben, um Nachwuchs anzuwerben. Aber auch Kinder, die einer Rekrutierung entgingen, indoktrinierte der IS in Schulen mit seiner Ideologie.

Das weckt Sorgen, dass eine neue Generation von Dschihadisten entsteht, die die Miliz auch nach ihrer militärischen Niederlage in Syrien und im Irak weiterleben lässt. Und: Dass Kinder ausgereister deutscher IS-Kämpfer in die Bundesrepublik zurückkommen könnten - radikalisiert, stramm radikal-islamistisch erzogen und traumatisiert. Verfassungsschützer schätzen das als großes Sicherheitsrisiko ein.

„Wir sehen die Gefahr, dass Kinder von Dschihadisten islamistisch sozialisiert und entsprechend indoktriniert aus den Kampfgebieten nach Deutschland zurückkehren“, sagt Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. „Damit könnte auch hier eine neue Dschihadisten-Generation herangezogen werden.“ Dieses Risiko müsse man genau im Blick haben.

Rund 950 Islamisten aus Deutschland sind über die Jahre Richtung Syrien und Irak ausgereist, um sich dort dem IS anzuschließen. 20 Prozent davon waren Frauen, 5 Prozent minderjährig. Manche der Frauen reisten mit ihren Männern - und Kindern - aus, andere brachten erst in den Kampfgebieten Kinder auf die Welt, Kinder von IS-Kämpfern.

Der IS hat zuletzt riesige Gebiete in Syrien und im Irak verloren. Der Verfassungsschutz rechnet damit, dass aufgrund der Lage nun IS-Frauen mit ihren Kindern zurückkommen könnten.

Eine dieser Frauen soll Nadja R. sein: eine 31-Jährige, die laut Hessischem Rundfunk (HR) erst in Süddeutschland, später in Hessen lebte und 2014 nach Syrien aufbrach, dort einen deutschen IS-Kämpfer heiratete und mit ihm zwei Kinder bekam. Sie müht sich nun, nach Deutschland zurückzukommen, mit Hilfe des Außenamts. Laut HR beteuert sie, sie sei nicht gefährlich. Ist das glaubwürdig? Und was ist mit ihren Kindern?

Gerade ältere Kinder seien durch den IS schon radikalisiert und in Syrien und dem Irak alltäglichen Gewalterfahrungen ausgesetzt gewesen, warnen Verfassungsschützer. Diese Sozialisation könne durch den Einfluss salafistischer Milieus in Deutschland noch verstärkt werden. So könnten Dschihadisten der zweiten Generation heranwachsen.

Drei islamistische Terrorattacken in Deutschland im vergangenen Jahr gingen bereits auf das Konto von Minderjährigen: die Messerattacke einer 15-Jährigen auf einen Bundespolizisten am Hauptbahnhof Hannover, der Bombenanschlag von zwei Jugendlichen auf ein Gebetshaus der Sikhs in Essen und der Axt-Angriff eines 17-Jährigen in einer Regionalbahn bei Würzburg. Hinzu kam ein Anschlagsversuch auf den Ludwigshafener Weihnachtsmarkt - geplant von einem Zwölfjährigen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen