Lade Inhalte...

Festgenommene Syrer Terrorverdacht bestätigt sich nicht

Die sechs festgenommenen Syrer sind wieder auf freiem Fuß, laut Staatsanwaltschaft hat sich „kein hinreichender Tatverdacht“ ergeben. Innenminister De Maizière bewertet die Bedrohung durch Islamisten indes als „unvermindert hoch“.

Polizei auf dem Weihnachtsmarkt
Spätestens seit dem Anschlag am 19. Dezember 2016 in Berlin gelten Weihnachtsmärkte als mögliche Ziele von Terroristen. Foto: dpa

Nach der Festnahme von sechs Syrern wegen Terrorverdachts hat sich nach Angaben der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft „kein hinreichender Tatverdacht“ ergeben. „Sie kommen in diesen Minuten auf freien Fuß“, sagte ein Sprecher der Behörde am frühen Mittwochabend. Die Auswertung der Daten der Mobiltelefone der Männer im Alter von 20 bis 28 Jahren hätten „zum jetzigen Zeitpunkt“ einen dringenden Verdacht nicht bekräftigen können, sagte der Sprecher. Es gebe auch keine entsprechend belastenden Hinweise auf eine Mitgliedschaft in der Terrormiliz „Islamischer Staat“ – wohl aber „IS-Bezüge“. 

Konkrete Hinweise auf einen Anschlag, ein Anschlagsziel oder -szenario hätten bisher nicht nachgewiesen werden können. „Wir werten aber die Daten weiterhin aus.“ In ihren Aussagen hätten die Männer die ihnen zur Last gelegten Anschlagspläne auf ein öffentliches Ziel in Deutschland bestritten. „Sie zeigen sich kooperativ und haben Angaben zum Sachverhalt gemacht.“

Weder Waffen noch Sprengstoff gefunden

Das bei Durchsuchungen in Essen, Hannover, Kassel und Leipzig sicher gestellte Material werde ebenfalls weiter ausgewertet. Polizisten hatten dort am frühen Dienstagmorgen Wohnungen durchsucht. Weder Waffen noch Sprengstoff wurden gefunden.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) geht indes von einer weiterhin erheblichen Anschlagsgefahr in Deutschland aus. „Die Gefahr terroristischer Anschläge ist unvermindert hoch“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Knapp ein Jahr nach dem Lkw-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz sei das Risiko nicht gesunken. De Maizière verwies unter anderem auf das nach seinen Worten weiterhin bestehende Risiko, „dass sich auch Terroristen unter die Flüchtlinge gemischt haben könnten“. Die deutschen Sicherheitsbehörden setzten alles daran, „dieser Gefährder habhaft zu werden und sie daran zu hindern, Anschläge zu verüben“. Dies sei auch in der Vergangenheit mehrfach gelungen. Allerdings ließen sich deswegen für die Zukunft Gefahren nicht „absolut ausschließen“.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka, lobte Polizei und Geheimdienste. „Es ist richtig, dass die Sicherheitsbehörden rechtzeitig reagieren“, sagte er der FR. „Das ist aus meiner Sicht kein blinder Aktionismus. Es ist im Gegenteil sinnvoll, bei entsprechenden Verdachtsmomenten frühzeitig Menschen festzunehmen und nicht erst abzuwarten, bis möglicherweise Anschläge verübt werden. Das ist ein ganz wesentliches Fazit aus dem Fall Anis Amri.“

Der später in Italien erschossene Tunesier hatte am 19. Dezember einen polnischen Lkw in seine Gewalt gebracht, zunächst den Fahrer getötet und anschließend auf dem Breitscheidplatz elf Menschen überfahren. Immer wieder gerieten zuletzt Flüchtlinge unter Terrorverdacht, in vielen Fällen geben Asylsuchende auch selbst Hinweise auf Verdächtige. (mit dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum