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Barcelona Imam soll Gruppe radikalisiert haben

Spanische Ermittler fahnden weiter nach dem Attentäter von Barcelona. Die Polizei prüft die These der Radikalisierung durch einen Imam.

Nach Terroranschlag in Barcelona
Gebet in der Moschee in Ripoll. Dort soll der Imam gepredigt haben, der als Kopf der Terrorgruppe von Barcelona gilt. Foto: dpa

Die spanischen Behörden haben am Sonntag weiter nach dem flüchtigen mutmaßlichen Attentäter von Barcelona gesucht, einem 22-jährigen Marokkaner. Währenddessen versucht die Polizei, die Hintergründe der Anschläge in der katalanischen Hauptstadt und dem Badeort Cambrils aufzuklären. 

Ins Zentrum der Ermittlungen ist an diesem Wochenende ein 45-jähriger Imam gerückt. Der Marokkaner wirkte in einer Moschee in Ripoll, einem Ort mit kaum 10 000 Einwohnern in den Vorpyrenäen tief in der katalanischen Provinz. Die nächste größere Stadt, Girona, liegt 90 Kilometer entfernt, Barcelona 100 Kilometer. Hier hat der Imam möglicherweise in kurzer Zeit eine Gruppe junger Männer zu den Attentaten angestachelt. 

Eine Cousine des flüchtigen Fahrers des Lieferwagens, der am Donnerstag in die Rambla raste, ist davon überzeugt: Der Imam sei für die Radikalisierung ihres Vetters und der anderen mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle verantwortlich. 13 Menschen starben in Barcelona, darunter ist auch ein sieben Jahre alter Junge aus Australien, wie am Sonntagnachmittag mitgeteilt wurde.

Polizei prüft die These

Die Polizei prüft die These der Radikalisierung durch den Imam. Der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero warnte am Sonntagmittag auf einer Pressekonferenz aber vor zu schnellen Schlussfolgerungen, dafür sei es noch zu früh. 

Am Wochenende durchsuchten Beamte dennoch das Zimmer des Imams in Ripoll, unter anderem auf der Suche nach genetischen Spuren, um sie mit den Überresten der Toten von Alcanar abzugleichen. Dort, in einem Dorf im äußersten Süden Kataloniens, war am Mittwochabend ein Haus bei einer Explosion zerstört worden. Unter dem Schutt fand man zunächst einen Verletzten und eine Leiche, in den Tagen darauf tauchten Überreste von mutmaßlich zwei weiteren Toten auf. Einer von ihnen könnte der gesuchte Imam sein.

Das Haus in Alcanar war vor einigen Monaten von einer Gruppe von Männern besetzt worden, die dort rund 120 Butangasflaschen deponierten und mit Sprengstoff hantierten. Offenbar bereiteten sie ein großes Attentat vor, doch nach der versehentlichen Explosion änderten die anderen Mitglieder der Gruppe überstürzt ihre Pläne. Einer raste mit einem Lieferwagen in die Rambla, fünf andere steuerten einige Stunden später auf die Uferpromenade von Cambrils zu.
Wenn die bisher bekannt gewordenen Informationen stimmen, hat der Imam bis 2012 fast zwei Jahre in einem Gefängnis in Castellón, der südlichen Nachbarprovinz Kataloniens, gesessen. Wegen Haschischhandels, schreibt die Zeitung „El Mundo“. Im Gefängnis habe er einen anderen Marokkaner kennengelernt, der dort eine 18-jährige Haftstrafe wegen Unterstützung der Attentate vom 11. März 2004 in Madrid mit 191 Toten absitze. 

Laut der katalanischen Polizei sei der Name des Imams im Rahmen eines Antiterroreinsatzes im Jahr 2006 aufgetaucht, ohne dass er selbst zu den Beschuldigten gehörte. Als Imam in Ripoll war der Mann nicht auffällig. 

In Barcelona soll es am kommenden Samstag eine Großdemonstration gegen den Terror geben. Zu der Kundgebung riefen Bürgermeisterin Ada Colau und der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont auf. 

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