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Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt Mutmaßliche Komplizen von Amri in Italien gefasst

Was trieb Anis Amri in Italien, bevor er seinen tödlichen Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt verübte? Die Polizei fasst nun mehrere mutmaßliche Komplizen.

29.03.2018 14:13
Vor der Polizeizentrale in Latina
Einer der Verdächtigen im Falle der Verhaftung fünf mutmaßlicher Komplizen von Anis Amri wird von zwei Polizisten aus der Polizeizentrale in Latina eskortiert. Foto: Massimo Percossi/ANSA/AP

Mehr als ein Jahr nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt sind in Italien mehrere mutmaßliche Komplizen des Terroristen Anis Amri festgenommen worden. Gegen fünf Verdächtige wurden in der Gegend um Rom und der nahe gelegenen Stadt Latina Haftbefehle ausgestellt.

Bei dem Netzwerk handelt es sich um vier Tunesier, von denen einer Amri Dokumente für seinen Aufenthalt in Deutschland verschafft haben soll, wie die Polizei mitteilte.

Demnach werden den verdächtigen Tunesiern Begünstigung von illegaler Einwanderung und Dokumentenfälschung vorgeworfen. Ein Palästinenser soll darüber hinaus Anschläge geplant und dazu aufgerufen haben, Ungläubigen „die Kehle und die Genitalien abzuschneiden“. Der 37-Jährige habe indirekt Kontakt zu Amri gehalten. Er saß bereits wegen Drogendelikten im Gefängnis. Drei weitere Tunesier, die direkten Kontakt zu Amri gehabt hätten, seien zuvor wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgewiesen worden, hieß es in der Mitteilung.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 bei seinem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche zwölf Menschen getötet. Er wurde kurz darauf vor Heiligabend auf der Flucht bei Mailand erschossen. Der gebürtige Tunesier war einst mit einem Flüchtlingsboot in Sizilien angekommen. Er saß dort längere Zeit in einem Gefängnis, wo er sich auch radikalisiert haben soll. In der Gegend um Latina lebte er, bevor er im Juli 2015 nach Deutschland reiste.

Seit langem wird in Italien ermittelt, welche Kontakte Amri dort hatte und vor allem, warum er nach dem Berliner Anschlag zurückkehrte. Die Mailänder Staatsanwaltschaft hatte Ende letzten Jahres ihre eigenen Ermittlungen zu den Akten gelegt und erklärt, Amri habe zumindest in der norditalienischen Region Lombardei kein Netzwerk gehabt.

Bei der jetzigen, groß angelegten Anti-Terror-Operation „Mosaico“ gab es auch in den Städten Viterbo, Matera, Neapel und Caserta Durchsuchungen. Der Fall alarmiert die Italiener kurz vor Ostern besonders: In den vergangenen Tagen gab es in dem Land mehrere Anti-Terror-Aktionen. Das Innenministerium erhöhte daraufhin noch einmal die Sicherheitsvorkehrungen. Über Ostern gelten vor allem in Rom noch stärkere Kontrollen. Besonders die Gegend um den Petersplatz und das Kolosseum wird noch strenger überwacht. Dort finden die Osterfeierlichkeiten mit Papst Franziskus statt.

Am Mittwoch wurde ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Turin gefasst. Der Mann mit marokkanischen Wurzeln soll sich unter anderem informiert haben, wie man mit einem Lastwagen einen Anschlag verüben könnte. Gegen 13 andere Verdächtige wird ermittelt.

Zuvor wurde ein Haftbefehl gegen ein anderes mutmaßliches IS-Mitglied vollstreckt, das Kinder zu Selbstmordattentaten aufgerufen haben soll. Der Verdächtige war Leiter eines islamischen Kulturzentrums in Foggia in Apulien.

(Von Annette Reuther, dpa)

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