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Anschläge in Paris Die Spur nach Belgien

Im Brüsseler Stadtteil Molenbeek werden fünf Männer wegen Terrorverdachts festgenommen. Belgien gilt als wichtiges Transitland der dschihadistischen Szene und war schon öfter im Fokus der Terrorfahnder.

Polizisten unterwegs auf den Straßen des Brüsseler Stadtteils Molenbeek. Foto: dpa

Es heißt Flagge zeigen. In der Nacht zu Sonntag leuchtet auf der Stirnseite des Brüsseler EU-Kommissionsgebäudes die französische Trikolore. Nur ein paar Metrostationen weiter westlich im Stadtteil Molenbeek waren tags zuvor fünf Männer festgenommen worden. Es bestehe Terrorverdacht, teilen die Ermittler in Frankreich und Belgien mit. Bei den Festgenommenen soll es sich in einem Fall um einen französischen Staatsbürger handeln.

Erst im Januar war Molenbeek ins Zentrum der Terrorfahnder gerückt. Da waren bei einem Anti-Terror-Einsatz im ostbelgischen Verviers zwei mutmaßliche Terroristen umgekommen, ihre Spuren führten auch zurück nach Molenbeek, ein Viertel für Einwanderer aus Nordafrika. Drüben grüßen die Brüsseler Innenstadt und Szenetreffs, die Gentrifizierer haben es nur in die erste Häuserreihe über den Kanal geschafft, dort grüßen Designläden und schicke Neubauten. In Molenbeeks Zentrum liegen im Buchladen Erbauungsliteratur für die muslimische Frau aus und die Werke von Tariq Ramadan, dem Vordenker eines modernisierten Euro-Islam.

Ein Parkschein aus dem Viertel war in einem grauen VW Polo vor dem Bataclan in Paris gefunden worden. Ein Mietwagen mit belgischem Kennzeichen. Er war von einem der festgenommenen französischen Staatsbürger angemietet worden. Nach Angaben der Ermittler war das Trio – darunter ein Brüderpaar – in der Nacht zum Samstag an der belgisch-französischen Grenze in eine Kontrolle geraten. Durfte aber zunächst passieren. Erst der belgische Mietwagen brachte die Fahnder auf der Spur. Kontakte zu möglichen Syrien-Rückkehrern werden geprüft.

Rückzugsort für Dschihadisten

Belgien gilt als wichtiges Transitland der dschihadistischen Szene. Nicht erst seit im August im TGV von Brüssel nach Paris ein mutmaßlicher Attentäter überwältigt wurde. Eine der Waffen beim Anschlag auf das Magazin „Charlie Hebdo“ im Januar stammte aus Belgien. Im vergangenen Jahr hatte Mehdi Nemmouche, ein französischer Staatsbürger, der in Syrien gekämpft hatte, bei einem Anschlag auf das jüdische Museum in Brüssel vier Menschen getötet.

Er war danach vermutlich in Brüssel untergetaucht. Ermittler hatten ihn später in einem Transitbus auf dem Weg von Brüssel nach Marseille gestellt, im Gepäckfach war eine Kalaschnikow, die in die Fahne des „Islamischen Staates“ (IS) eingewickelt war.

Brüssel gilt in Ermittlerkreisen als sicherer Rückzugsort für mutmaßliche Dschihadisten. Die schwache Zentralgewalt erleichtert das Untertauchen. Zudem ist leicht an Waffen zu kommen, eine Kalaschnikow ist nach Medienberichten für wenige Hundert Euro zu haben. „Wir werden Molenbeek ausräumen“, versprach nun Belgiens Innenminister Jan Jambon am Wochenende.

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