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Anis Amri Polizei verliert sich nach dem Terror im Chaos

In einem internen Untersuchungsbericht zum Anschlag in Berlin werden die zuständigen Ermittler scharf kritisiert. Die Mängelliste beginnt bei der Einsatzleitzentrale.

Sicherheitskontrollen am Berliner Dom
Nach der Terrortat sichern Polizisten den Berliner Dom. Foto: epd

Der Anschlag begann am 19.  Dezember kurz vor 20 Uhr. Ein Lastwagen steuerte direkt in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Er krachte in die Buden und tötete zwölf Menschen, 66 wurden verletzt. Die Unfallbremsautomatik stoppte nach 70 Metern die Todesfahrt des Islamisten Anis Amri. Ein Terrorakt, der die Republik erschütterte. 

 Was sich aber in den Stunden und Tagen nach dem Anschlag bei der Berliner Polizei abspielte, trug beängstigend chaotische Züge. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ reihte sich ein Fehler an den anderen. Die Polizeiführung schien mit der Lage überfordert, die Kommunikation wies erhebliche Mängel auf, die Einsatzzentrale war stundenlang von Tatort-Informationen abgeschnitten. Stunden vergingen, ehe die Berliner Polizeispitze landesweit Terroralarm auslöste und eine koordinierte Fahndung nach dem Todesfahrer auslöste. 
 Die geballte Kritik steht in dem bisher unveröffentlichten Schlussbericht einer Untersuchungskommission der Berliner Polizei, die den Einsatz an jenem Dezembertag analysierte. So wurde „am 19. Dezember 2016 und besonders an den Folgetagen die vorgesehene Konzeption ,Anschläge‘ in weiten Teilen nicht wie geplant umgesetzt“. 

Demnach verfügte der Führungsstab um den anfangs eingesetzten Polizeiführer über keinerlei Erfahrung mit Terrorlagen. Der „Polizeiführer 1 steuerte mit zufällig ausgewählten, ungeübten Führungskräften den Einsatz“, heißt es in dem 120 Seiten starken Report, der dieser Zeitung vorliegt. Auch die für solche Fälle vorbereitete Einsatzakte sei nicht genutzt worden. Die Polizeispitze agierte quasi im Blindflug, während die Beamten draußen auf sich allein gestellt waren. So gab es eine Stunde lang keinen Kontakt zu dem Einsatzleiter am Tatort. Erst um 21.34 Uhr gelang es, ihn per Funk zu erreichen.  

Laut dem Magazin „Focus“ schätzte die Berliner Polizei stundenlang die Lage falsch ein: Zunächst ging der Führungsstab von einem Personenunfall mit einer hohen Zahl von Toten aus, eine halbe Stunde nach dem Anschlag tippte man dann auf eine Amoktat. 

Ein fataler Irrtum, da in diesem Fall ganz andere Verhaltensregeln zum Tragen kamen als bei einem Terroranschlag: Folglich wurde auch nicht nach dem flüchtigen Täter gefahndet. Amri, der Terrorist, konnte somit seelenruhig untertauchen. Erst gegen Mitternacht löste die Einsatzzentrale den Terroralarm aus und veranlasste Fahndungsoperationen. Deshalb wurden dann auch erst tags darauf bundesweit islamistische Gefährder überprüft. Die Untersuchungskommission bemängelt, dass diese Maßnahme mit dem Kürzel 300 viel zu spät in Gang gekommen sei. 

Die Kette der Fehler ist lang

Die Fehlerkette, die der Untersuchungsbericht aufzeichnet, zieht sich durch beinahe alle Bereiche der Polizeiarbeit in Terrorlagen. So fehlte es an einer zentralen Stelle, die koordiniert Polizisten alarmierte. Viele Beamte nahmen eigenständig ihren Dienst auf – ohne zu wissen, welche Aufgaben sie übernehmen sollten. 

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