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Terror in Istanbul Die Bedrohung relativiert Differenzen

Der Terroranschlag in Istanbul relativiert die Differenzen zwischen Türkei und Deutschland. Ein gemeinsamer Feind schweißt zusammen. Welche Auswirkungen das auf die politischen Entscheidungen hat, bleibt abzuwarten. Ein Kommentar.

TURKEY-BLAST
Der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu (re.) läuft mit Bundesinnenminister Thomas de Maiziere durch Istanbul. Foto: AFP

Der Bundesinnenminister will die Deutschen beruhigen. Verständlich. Aber ist es auch überzeugend, wenn uns Thomas de Maizière mitteilt, es gebe keine Anzeichen dafür, dass der mörderische Anschlag von Istanbul gezielt gegen Deutsche gerichtet gewesen sei? Und dass er keinen Grund sieht, nicht in die Türkei zu reisen?

Wahrscheinlich liegt er nicht völlig falsch. Zugleich gilt: Der Islamische Staat bedroht alle „Ungläubigen“ – insbesondere jene Länder, die sich dem Kampf gegen ihn angeschlossen haben. Da ist es gleich, ob Menschen aus Deutschland umgebracht werden, aus Frankreich oder woher auch immer. Deshalb ist es nicht nur Diplomatie, wenn de Maizière in Istanbul sagt: „Deutschland und die Türkei rücken noch enger zusammen.“ In der Tat, die gemeinsame Bedrohtheit relativiert die Differenzen.

Die Türkei braucht die deutschen Touristen. Einer ökonomischen könnte nur allzu leicht die politische Destabilisierung folgen. Daran kann die Bundesregierung kein Interesse haben, auch wenn Präsident Erdogans Umgang mit Bürger- und Menschenrechten unseren Maßstäben nicht entspricht.

Berlin wiederum braucht die Türkei. Ohne ihr Handeln an der Grenze zu Syrien wird es aus Sicht der Bundesregierung kaum möglich sein, die Zahl der Flüchtlinge zu verringern, die nach Deutschland kommen. Und womöglich muss Berlin über die Milliarden aus Brüssel hinaus mehr tun, um der Türkei bei der Versorgung der Flüchtlinge zu helfen. Jetzt erst recht, wenn der Attentäter von Istanbul wirklich aus Syrien kam.

Ob die Intensivierung des Dialogs auch dazu beitragen kann, Erdogans Politik zu „zivilisieren“ und nicht nur immer wieder auf Gewalt zu setzen? Mehr als hoffen können wir nicht. Wichtig wäre es, insbesondere was die Kurdenfrage in der Türkei angeht. Denn ohne die Kurden in Syrien gibt es keine militärischen Kräfte, die dem IS in Syrien auch auf dem Boden entgegentreten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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