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Technologie Havanna will deutsches Know-How

Die kommunistische Führung in Kuba hat großes Interesse an deutscher Technologie und Know-how. In der Landwirtschaft, in der Medizintechnik, der Energiebranche wünschen sich die Kubaner mehr deutsches Engagement.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zu Besuch in Kuba. Foto: dpa

Zum Ende dieses Trips in den karibischen Sozialismus waren fast alle zufrieden. Die Kubaner haben mit Deutschland einen potenziellen Kooperationspartner gewonnen, die Bundesregierung hat in Havanna einen großen Schritt in Richtung Ende der Isolation gemacht. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verbucht nach dem Atomdeal mit Iran einen weiteren diplomatischen Erfolg. Und die Kulturmittler hoffen, bald das lang ersehnte Goethe-Institut eröffnen zu können.

Nur die Unternehmer sind nach der 30-Stunden-Reise von Steinmeier nicht recht zufrieden. Zwar scheint ein Kontaktbüro der deutschen Wirtschaft nicht mehr ausgeschlossen, aber es gab aus Sicht der mitgereisten Manager zu wenige Zugeständnisse bei der Entbürokratisierung.

Auch ein anderes Thema kam zu kurz: Die Bürger- und Freiheitsrechte. Steinmeier sprach das Thema in seinem Meinungsaustausch mit Raúl Castro an. Aber der Präsident konterte den Hinweis mit einer ironischen Bemerkung: In der besten Ehe gebe es Meinungsunterschiede.

Nun werden zwischen Havanna und Berlin viele Verhandlungsdelegationen hin- und herreisen und versuchen, in den Punkten wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kulturaustausch und Entwicklungshilfe zusammenzurücken. Dass dabei die Differenzen nicht von „heute auf morgen“ überwunden werden, dürfte klar sein. Aber die Voraussetzungen für ein Gelingen waren nie besser. Castro und seine Führung haben Deutschland offenbar einen privilegierten Platz in der Rangfolge der Wunschpartner zugewiesen. Man will in Havanna kein drittes Mal den gleichen Fehler begehen und sich von nur einem ganz großen Bruder abhängig machen. Das ging schon mit der Sowjetunion schief, mit Venezuela wiederholt sich das Drama gerade. Die kommunistische Führung hat großes Interesse an deutscher Technologie und Know-how. In der Landwirtschaft, in der Medizintechnik, der Energiebranche wünschen sich die Kubaner mehr deutsches Engagement.

Doch der Wirtschaftsminister und Vizepräsident des Ministerrates, Marino Murillo, zog eine dicke, rote Linie. Privates Gewerbe solle ausgebaut werden, aber noch wichtiger sei eine funktionierende Staatswirtschaft. Auch an der Praxis der Rekrutierung der Arbeitnehmer werde festgehalten. Bisher sucht eine Staatsagentur die Mitarbeiter für die ausländischen Firmen aus. Das solle, trotz der Beschwerde der Privatwirtschaft, so bleiben. Zudem ist Kuba alles andere als ein Billiglohnland. 1000 Dollar Monatsgehalt für einen Arbeitnehmer sind die Regel – zahlbar an die Staatsagentur. Diese gibt 60 Dollar dem Beschäftigten – den Rest streicht der Staat ein.

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