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Taliban-Angriff in Pakistan Hunderte Häftlinge befreit

Bewaffnete Taliban greifen ein Gefängnis im Nordwesten Pakistans an und verhelfen so fast 400 Häftlingen zur Flucht. Unter den Geflohenen ist auch ein Mann, der den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf ermorden wollte.

Bei dem Angriff auf das Hauptgefängnis in Bannu wurden mehrere hundert Häftlinge befreit. Foto: dpa

Bei einem militärisch ausgeführten Angriff auf ein Gefängnis im Nordwesten Pakistans haben 150 Taliban-Kämpfer mehr als 380 Gefangene befreit. Unter den Befreiten sind 20 Todeskandidaten, die von den pakistanischen Behörden als „höchst gefährlich“ eingestuft werden.

„Einige der befreiten Gefangene sind schon an ihrem Ziel angekommen, andere sind noch unterwegs“, verkündete nach der Aktion Ehsan Ehsanullah, der Sprecher der pakistanischen Talibanmilizen „Tehrik e Talibanö (TTP). Die Truppe, die oft mit der Terrororganisation Al Kaida zusammenarbeitet, kopierte damit erfolgreich ein Modell, das die Milizen im Nachbarland Afghanistan bereits zwei Mal vorgeführt haben, als sie Hunderte von Gefangenen in Kandahar befreiten.

Vor allem aber stellt der Massenausbruch ein weitere Blamage für die Sicherheitskräfte des Landes dar. Das US-Kommando etwa, das im vergangenen Jahr Osama bin Laden tötete, konnte unentdeckt in den Luftraum eindringen, weil das Luftabwehrradar abgeschaltet war. Als im November des vergangenen Jahres US-Hubschrauber während der Verfolgung von Talibankämpfern 27 Soldaten Islamabads auf pakistanischem Territorium töteten, funktionierte das Radar schon wieder nicht. Im Sommer 2011 besetzte ein Terrorkommando zudem tagelang den wichtigen Luftwaffenstützpunkt in der Wirtschaftsmetropole Karachi, der gleich neben dem internationalen Flughafen angesiedelt ist.

Unter den befreiten Gefangenen befindet sich auch Adnan Rasheed, ein ehemaliger Offizier, der zum Tode verurteilt wurde, weil er an einem Attentat auf den damaligen Militärdiktator Pervez Musharraf verwickelt war. Warum er und andere als „hochgradig gefährlich“ eingestufte Gefangene ausgerechnet in dem umkämpften Stammesgebieten entlang der Grenze zu Afghanistan eingesperrt wurden, ist nicht klar.

TTP, die seit rund eineinhalb Jahren kaum noch Attentate im Zentrum Pakistans verübte und deren Aktionen im Wesentlichen auf die Stammesgebiete reduziert waren, verdeutlichte mit der Attacke, dass sie entgegen offizieller Darstellung längst nicht in der Defensive steckt.

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