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Syrien Zerstörte Häuser, geheime Todeslisten

Oppositionelle und Helfer warnen geflohene Syrer vor einer Rückkehr.

Assad auf einem Plakat in Syrien
Durch den Krieg sei eine „gesündere Gesellschaft“ entstanden, lobt Machthaber Assad. Foto: afp

Wladimir Putin weiß, wie man das heikle Thema spielt. „Wir müssen denjenigen syrischen Gebieten helfen, in die Flüchtlinge aus dem Ausland zurückkehren können.“ Dabei gehe es nicht nur um Flüchtlinge aus Europa, sondern auch um die Millionen Syrer in Jordanien, Libanon und der Türkei, erklärte er am Samstag bei seinem Treffen mit Angela Merkel in Meseberg und fügte sybillinisch hinzu: „Das ist potenziell eine große Last für Europa.“ Schließlich hat in letzter Zeit kaum eine politische Materie die Europäische Union stärker beschäftigt als der Streit um die Flüchtlingspolitik. 

Umgekehrt kann der Kreml-Chef in Syrien nur dann die machtstrategische Dividende für seinen dreijährigen Militäreinsatz einfahren, wenn Europa dafür zahlt, dass die fünf Millionen Geflohenen möglichst rasch und in Massen heimreisen. Bereits auf dem Helsinki-Gipfel mit US-Präsident Donald Trump hatte Putin eine erste Phase mit 1,7 Millionen Rückkehrer aus dem Hut gezaubert, darunter 890 000 aus dem Libanon. Am 7. September in Istanbul will sich ein Vierergipfel aus Türkei, Russland, Deutschland und Frankreich weiter mit den Fragen eines Wiederaufbaus beschäftigen. „Die Leute wollen nach Hause“, erklärte der russische Sondergesandte für Syrien, Alexander Lawrentjew. Daher sei es im Interesse Europas, bei der Rückkehr der Flüchtlinge zu helfen, die in ihrer Heimat von Assad nichts zu befürchten hätten.

Doch die Zweifel an den russischen Beteuerungen sind groß. Betroffene argwöhnen, dem Regime gehe es nicht um Reintegration und Versöhnung, sondern vor allem um eine Abrechnung mit seinen Gegnern. General Jamil Hassan, der Chef des gefürchteten Luftwaffengeheimdienstes, nahm kürzlich bei einem Treffen mit 33 Kommandeuren kein Blatt vor den Mund. Ein Syrien mit „10 Millionen vertrauenswürdigen Leuten, die der Führung gehorchen“, sei besser als ein Land mit „30 Millionen Vandalen“, soll der Foltergeneral, in dessen Verließen Abertausende zu Tode gequält wurden, nach Angaben der Oppositionswebsite „The Syrian Reporter“ gesagt haben. 

Drei Millionen Landsleute stehen nach seinen Worten auf den Fahndungslisten, ihre Anklageschriften liegen fertig in den Schubladen. „Nach ihrer Rückkehr werden wir sie wie Schafe behandeln. Wir werden die schlechten aussortieren und die guten nutzen“, fuhr der 64-Jährige fort, der schon Assads Vater Hafez al-Assad als Offizier diente. Auch von 150 000 Geschäftsleuten und wohlhabenden Syrern, „die den Terroristen geholfen haben“, existieren nach seinen Worten Geheimdossiers. 

Ähnlich wie Jamil Hassan denkt auch Diktator Baschar al-Assad. Durch acht Jahre Krieg sei eine „gesündere und homogenere Gesellschaft“ entstanden, formulierte der gelernte Arzt an der Staatsspitze. Dass dies keine leeren Drohungen sind, belegt die Oppositionswebsite „Zaman al-Wasl“. Sie stellte eine Namensliste von 1,5 Millionen Bürgern ins Netz, die von Assads Geheimdiensten gesucht werden. Viele Auslandssyrer haben sich darauf wiedergefunden, mit korrektem Geburtsort bis hin zu den persönlichen Daten ihrer Großeltern.

Weitere Indizien sind die Erfahrungen mit sogenannten Versöhnungsabkommen in den besiegten Rebellenenklaven Ost-Ghuta und Daraa. Sobald die Aufständischen ihre Waffen niedergelegt hatten, zählten die Garantien des Regimes nichts mehr. Ärzte, Krankenpfleger, Weißhelme und bekannte Aktivisten wurden verhaftet und gefoltert, Männer unter 43 zwangsrekrutiert. Von Drohungen, Verhören und Schikanen berichten auch die ersten Rückkehrer aus Jordanien, Libanon, der Türkei und Europa.

Abgesehen davon sind Wohnviertel und Dörfer der Geflohenen oft völlig zerstört und geplündert. Es gibt weder Wasser noch Strom, weder Schulen noch Krankenhäuser. Die Weltbank schätzt die Kosten für den Wiederaufbau auf mehr als 320 Milliarden Euro, von denen Assad und seine Schutzmächte Iran und Russland höchstens fünf Prozent aufbringen können. Unbeirrt warnt daher das UN-Flüchtlingshilfswerk vor einer Massenheimkehr wie von Russland propagiert. Die Bedingungen seien nach wie vor nicht gegeben, dass die Menschen in ein sicheres und würdiges Leben zurückkehren könnten, urteilt der UNHCR – eine Haltung, die in den europäischen Hauptstädten geteilt wird. Daher könne man die Rückkehr von Flüchtlingen derzeit „weder fördern noch unterstützen“. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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