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Syrien und Türkei Türkei verhängt Mediensperre nach Anschlag

Der türkische Geheimdienst weiß bereits seit Mitte April von Anschlags-Plänen, berichtet eine Boulevardzeitung. Jetzt verhängt die türkische Regierung eine Nachrichtensperre. Alles nur Zufall?

Mehr als 120 Gebäude wurden zerstört, 46 Menschen starben. Foto: REUTERS/Umit Bektasy

Die Türkei macht die syrische Führung unter Präsident Baschar al-Assad für die verheerenden Autobombenanschläge vom Samstagmittag verantwortlich, bei denen im türkischen Grenzort Reyhanli in der südöstlichen Provinz Hatay 46 Menschen getötet und 155 teils lebensgefährlich verletzt wurden.

„Die Leute und die Organisation dahinter sind identifiziert“, sagte der türkische Innenminister Muammer Güler am Sonntag. Neun Verdächtige mit türkischer Staatsangehörigkeit seien verhaftet worden und hätten die Tat teilweise gestanden. Die syrische Regierung in Damaskus bestreitet die Vorwürfe. Syrien habe diese Tat nicht begangen und würde sie auch niemals begehen, sagte Informationsminister Omran al-Sohbi im syrischen Staatsfernsehen.

„Es war ein Massaker“ und „Der syrische Krieg ist zu uns gekommen“, titelten die türkischen Zeitungen am Sonntag. Wenige Stunden nach den Explosionen verfolgten die Ermittler eine heiße Spur. Das Attentat sei von einer türkischen Gruppe mit Verbindungen zum syrischen Regime verübt worden, erklärten drei türkische Regierungsmitglieder am Sonntag in Hatay. „Wir haben herausgefunden, dass die Organisation und die Angreifer Beziehungen zum Geheimdienst in Syrien unterhalten haben“, sagte Vizepremier Besir Atalay. Die Attentäter seien nicht direkt aus Syrien gekommen, sondern hätten sich schon in der Türkei befunden. Nach weiteren Verdächtigen werde gefahndet.

Innenminister Güler wies Gerüchte zurück, wonach andere Organisationen die Attacke vorbereitet hätten und sagte: „Der Anschlag hat nichts mit syrischen Flüchtlingen oder der syrischen Opposition zu tun.“

Nach Angaben des Vizepremiers Atalay konnten bislang 38 Anschlagsopfer identifiziert werden, darunter drei Syrer. „Das Ziel des Anschlags war eine Provokation, ein Versuch, Hass auf die Flüchtlinge zu schüren“, sagt er. Die Explosionen zerstörten zahlreiche öffentliche Gebäude und 120 Privathäuser.

In Reyhanli wie in der gesamten Provinz Hatay haben sich in den vergangenen zwei Jahren Tausende Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien niedergelassen; Reyhanli gilt als Zentrum des Waffenschmuggels. Seither steigen die Spannungen zwischen Einheimischen und den Zuwanderern. Die Lage ist brisant, da die Provinz seit den 1920er-Jahren zwischen der Türkei und Syrien umstritten ist.

"Nicht provozieren lassen"

Die Führung in Ankara mahnte ihre Bürger zur Ruhe. Sie sollten sich nicht durch den Anschlag provozieren lassen, forderte Staatspräsident Abdullah Gül. Die türkische Regierung unter Ministerpräsident Erdogan gehört zu den schärfsten Kritikern des syrischen Diktators und hat mehr als 400?000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Am Grenzübergang Cilvegözü nahe Reyhanli waren bereits bei einem Bombenanschlag im Februar 14 Menschen getötet worden. Fünf Verdächtige wurden festgenommen, sie sollen eine Zusammenarbeit mit dem syrischen Geheimdienst gestanden haben.

Am späten Samstagabend verhängte die türkische Regierung eine Nachrichten- und Fernsehsperre über die Region Hatay. Kommentatoren stellten im Fernsehen einen möglichen Zusammenhang her mit einem Bericht der Hürriyet, wonach der türkische Geheimdienst MIT am 23. April detailliert über Pläne eines Anschlags in der Türkei unterrichtet worden sei, diesen aber nicht angemessen nachgegangen sei.

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