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Syrien Todenhöfer kontert Kritik an Interview

Syrische Oppositionelle bezweifeln die Echtheit von Jürgen Todenhöfers Interview mit einem Kommandeur der Al-Nusra-Front. Todenhöfer verteidigt das Gespräch.

30.09.2016 15:46
Timur Tinç
Jürgen Todenhöfer war in Syrien unterwegs und sprach angeblich mit Rebellen. Foto: AFP

Der Publizist Jürgen Todenhöfer sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, er sei einer Inszenierung des syrischen Regimes aufgesessen. Anfang der Woche hatten die Frankfurter Rundschau und andere Zeitungen ein Interview Todenhöfersabgedruckt, das er nach eigenen Angaben mit einem Kommandeur der Al-Nusra-Front namens Abu Al Ezz im syrischen Aleppo geführt hatte. Darin erzählte dieser dem Publizisten unter anderem, dass die Türkei, Saudi-Arabien, Katar, die USA und sogar Israel die Gruppe unterstützten.

Mehrere syrische Oppositionsgruppen werfen Todenhöfer nun vor, dass er „für Regierungspropaganda instrumentalisiert“ worden sei, denn Abu Al Ezz sei in Wahrheit ein Mann des Assad-Regimes. „Man wollte Botschaften im Sinne des Regimes platzieren, um sein Vorgehen in Aleppo zu rechtfertigen“, schreibt das Deutsch-Syrische Informationsforum auf Facebook. Was der vermeintliche Al-Nusra-Kommandeur sage, spiegele nur die Meinung des Regimes wider. Zudem bestritt Al-Nusra via Twitter, dass es einen Kommandeur names Abu Al Ezz gebe. Firas Khoury vom Deutsch-Syrischen Informationsforum schrieb der FR: „Auch unsere Kontakte in Ost-Aleppo konnten die Existenz dieses Nusra-Kommandanten, der angeblich hunderte Männer im Sheikh Said Stadtteil kommandiere, nicht bestätigen.“

Wo fand das Gespräch statt?

„Dass Al-Nusra das Interview bestreiten würde, war von Anfang an klar“, wehrt sich Todenhöfer. Die Offenheit, mit der ein einfacher Kommandeur über die wahren Ziele von Al-Kaida spreche, müsse der obersten politischen Führung äußerst unangenehm sein.

Dass der auf Bildern und in einem Video   gezeigte Gesprächspartner Todenhöfers keinen Vollbart, aber einen Goldring trägt, ist für die Kritiker ein weiteres Indiz dafür, dass er kein Dschihadist sein könne. „Abu Al Ezz ist erkennbar kein Salafist. Er ist ein Kriegsknecht“, sagt dazu Todenhöfer, der seine Replik auf Facebook gepostet hat. Er wisse praktisch alles über seinen Gesprächspartner. Dieser sei früher bei der Freien Syrischen Armee gewesen. „Aber Al-Nusra zahlt besser.“

Eine weitere Ungereimtheit sind für Todenhöfers Kritiker dessen Angaben zum Ort des Gesprächs. Er hatte geschrieben, er habe das Interview in einem Steinbruch in Aleppo in Sicht- und Schussweite von Kämpfern der Gruppe geführt. Tatsächlich sei er in einem von Assad kontrollierten Gebiet gewesen, werfen ihm die Zweifler vor. Todenhöfer entgegnet, er habe nie behauptet, dass das Interview im Rebellengebiet stattgefunden habe. Er habe es „im Niemandsland zwischen den Fronten“ geführt, „hinter den Linien der syrischen Armee“.

Der Publizist ist umstritten. Ein Vorwurf lautet, er mache Propaganda für das Assad-Regime. So hatte Todenhöfer vor vier Jahren ein Interview mit dem Diktator für die ARD geführt. Danach wurde ihm vorgehalten, er habe nicht hartnäckig nachgefragt. Auch seine Reise in das Gebiet des „Islamischen Staates“ war aus Sicht seiner Kritiker mehr Selbstinszenierung denn echte Aufklärung.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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