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Syrien Terrormiliz IS verliert „Hauptstadt“ Al-Rakka

2. UpdateKurdisch-arabische Kämpfer haben die nordsyrische Stadt unter Kontrolle gebracht. 3250 Menschen sind dabei nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte ums Leben gekommen.

17.10.2017 12:31
SDF
Einheiten der SDF in der einstigen syrischen Dschihadisten-Hochburg Raka. Foto: rtr

Nach vier Monaten heftiger Kämpfe haben syrische Rebellen die Befreiung von Raka aus den Händen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verkündet. Der Militäreinsatz in der einstigen IS-Hochburg im Norden Syriens sei beendet, „die Stadt ist vollständig unter Kontrolle“, sagte ein Sprecher der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) am Dienstag. Nach dem Fall der irakischen Stadt Mossul war Raka die letzte Großstadt unter IS-Kontrolle.

Die IS-Kämpfer hatten Raka im Januar 2014 erobert und später zur inoffiziellen Hauptstadt ihres selbsternannten „Kalifats“ gemacht. Die Dschihadisten errichteten in der jahrtausendealten Stadt im Euphrat-Tal eine Schreckensherrschaft. Von Raka aus plante der IS zudem Anschläge in der ganzen Welt.

Im Juni marschierten Kämpfer der kurdisch-arabischen Rebellenallianz SDF mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition in Raka ein, seither wurde erbittert gekämpft. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf Informanten in Syrien stützt, wurden beim Kampf um Raka insgesamt 3250 Menschen getötet. Neben 2120 Kämpfern waren demnach auch 1130 Zivilisten unter den Opfern, darunter 270 Kinder.

Zuletzt hielten sich nach Angaben der SDF nur noch rund 300 überwiegend ausländische Dschihadisten in der weitgehend zerstörten Stadt auf und leisteten Widerstand. Die meisten Zivilisten waren dagegen aus Raka geflohen. Auch 275 syrische IS-Kämpfer und deren Familien duften die Stadt vor einigen Tagen verlassen.

270 000 Menschen sind aus der Stadt geflohen

Am Montagabend hatten die SDF-Kämpfer den sogenannten „Kreisverkehr der Hölle“ im Stadtzentrum erobert, einen berüchtigten Hinrichtungsplatz der IS-Miliz. Die Dschihadisten hatten die aufgespießten Köpfe oder die gekreuzigten Leichen der Ermordeten teilweise tagelang auf dem Platz zur Schau gestellt.

In der Nähe des berüchtigten Kreisverkehrs hatte es nach SDF-Angaben seit Sonntag heftige Gefechte gegeben. Zuletzt hatten die IS-Kämpfer nur noch ein Stadion und ein Krankenhaus in der Umgebung kontrolliert. Am Dienstag meldeten die SDF-Kämpfer dann kurz hintereinander die Befreiung beider Gebiete. Nach der Eroberung der Stadt werde nun noch nach letzten Dschihadistenzellen und nach Minen gesucht, sagte der SDF-Sprecher.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Save the Children ist die Not der Zivilbevölkerung aber weiterhin groß. „Die Militäroffensive in Raka mag zu Ende gehen, aber die humanitäre Krise ist größer als je zuvor“, erklärte Syrien-Direktorin Sonia Khush. Rund 270 000 Menschen, die aus der Stadt geflohen seien, bräuchten weiter dringend Hilfe. „Die Flüchtlingslager platzen aus allen Nähten“, fügte Khush hinzu. Die meisten Familien aus Raka hätten kein Zuhause mehr, zudem seien tausende Zivilisten in umkämpfte Gebiete in Deir Essor geflohen.

In der ostsyrischen Provinz steht der IS ebenfalls unter wachsendem militärischen Druck. Am Dienstag eroberten die von Russland unterstützten Regierungstruppen dort ausgedehnte Gebiete von den Dschihadisten zurück. Wie die Beobachtungsstelle mitteilte, brachte die Armee das gesamte Gebiet zwischen der Provinzhauptstadt Deir Essor und der am Samstag zurückeroberten Stadt Majadin am Ufer des Eurphrat unter ihre Kontrolle. (afp)

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