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Syrien Raketenangriff auf Damaskus - Zahl der Toten steigt auf 43

Der islamische Staat erobert Gebiete nahe Damaskus und beschießt die Hauptstadt mit Raketen. Die Zahl der Opfer steigt.

21.03.2018 09:17
Damaskus, Syrien
47 Menschen sterben in Damaskus nach einem Raketenangriff. Foto: afp

Nach dem schweren Angriff auf ein Viertel der syrischen Hauptstadt Damaskus ist die Zahl der Toten nach Angaben von Aktivisten auf 43 gestiegen. Unter den Opfern seien elf Kinder und acht Frauen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Mehr als 35 Menschen wurden demnach im Viertel Kaschkul verletzt. Es war einer der schwersten Angriffe auf Damaskus, das von Regierungstruppen kontrolliert wird.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sagte, „Terroristen“ hätten die Rakete auf das Viertel Kaschkul abgefeuert. Als „Terroristen“ bezeichnen staatliche Medien auch die islamistischen Aufständischen in der nahen Rebellenhochburg Ost-Ghuta. Die syrische Regierung wirft Rebellen dort immer wieder vor, die syrische Hauptstadt mit Artillerie und Raketen anzugreifen und dabei Zivilisten zu töten. Die Region wird vor allem von Islamisten kontrolliert.

Zuvor hatten Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein Gebiet nahe Damaskus mit einem Überraschungsangriff erobert.  Kaschkul liegt in der Nähe der Nähe von Gebieten, die von Gegnern der Regierung beherrscht werden.

Syriens Regierung wirft den Rebellen dort vor, Damaskus immer wieder mit Artillerie und Raketen anzugreifen. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter kamen in den vergangenen Monaten mehr als 180 Menschen durch Beschuss auf die Hauptstadt ums Leben.

Der IS, der noch vor wenigen Monaten große Teile in Syrien und dem Irak kontrolliert hatte, ist dort als militärische Formation so gut wie geschlagen. Allerdings sind die Extremisten nicht als Terrorgruppe besiegt. In den beiden Ländern befinden sich zahlreiche Zellen des IS, die noch immer Anschläge und Angriffe ausführen können.

Luftangriffe werden fortgesetzt

Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in der von Rebellen kontrollierten Provinz Idlib im Nordwesten des Landes wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens neun Menschen getötet, darunter vier Kinder und zwei Frauen. Auch die Rettungsorganisation Weißhelme berichtete über Twitter von dem Angriff nahe des Ortes Haas. Die Provinz Idlib ist zum größten Teil unter Kontrolle von Rebellen. Zu den stärksten Gruppen gehört dort der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Russland und der Iran als Verbündete der syrischen Regierung und die Türkei als Unterstützer der Opposition hatten in der Provinz eine so genannte Deeskalationszone errichtet. Allerdings sind Extremisten wie Anhänger von Al-Kaida davon ausgenommen.

Helfer berichteten unterdessen von einer dramatischen humanitären Lage im Kurdengebiet Afrin im Nordwesten Syriens nach dem Einmarsch türkischer Truppen und ihrer Verbündeten. Besonders stark betroffen sind Kinder, Frauen und Ältere. Tausende seien in den vergangenen Tagen „verzweifelt und in Panik“ aus Afrin geflohen, twitterte der Regionaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Robert Mardini, am Dienstag. Sie hätten keine Unterkunft sowie kaum Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung.

Die UN meldeten, rund 100 000 Menschen seien in der Region bereits seit längerem auf der Flucht. Bis zu 50 000 weitere seien in den vergangenen Tagen hinzugekommen.

UNHCR alarmiert wegen Lage in Ost-Ghuta

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR war zugleich alarmiert über die sich verschärfende humanitäre Krise im belagerten Rebellengebiet Ost-Ghuta nahe Damaskus. Dort kamen am Montagabend bei einem Luftangriff auf eine Schule 16 Kinder und vier Frauen ums Leben, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Hilfsorganisationen und die Beobachtungsstelle machen die russische Luftwaffe für die Bombardierung der von Rebellen kontrollierten Stadt Irbin verantwortlich.

Die türkischen Streitkräfte und syrische Verbündete hatten die vor allem von Kurden bewohnte Region Afrin und die gleichnamige Stadt im Nordwesten Syriens am Sonntag nach zweimonatigen Kämpfen erobert. Die türkische Regierung stuft die Kurdenmiliz YPG wegen ihrer Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein und bekämpft sie.

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef brauchen 100 000 Menschen aus Afrin dringend Hilfe, die Hälfte davon Kinder. Das IKRK meldete am Dienstag, ein Hilfskonvoi habe den von Kurden kontrollierten Ort Tal Rifat erreicht. Dort haben nach UN-Angaben mindestens 75 000 Vertriebene aus Afrin Zuflucht gefunden.

Auch aus Ost-Ghuta flohen dem UNHCR zufolge in den vergangenen Tagen 45 000 Menschen. Das von Regierungstruppen belagerte Gebiet erlebt seit rund einem Monat die schwerste Angriffswelle seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs vor rund sieben Jahren. Dabei wurden nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter fast 1500 Zivilisten getötet. Mittlerweile haben Regierungstruppen den größten Teil Ost-Ghutas eingenommen. (dpa)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien
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