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Syrien-Konflikt Russland fürchtet Rückkehr der Islamisten

Hunderte junge Männer aus der Kaukasus-Region sollen sich Al-Kaida-Truppen in Syrien angeschlossen haben. Kampferprobt kehren sie heim und tauchen unter.

19.11.2013 10:29
Alissa de Carbonnel
Syrische Rebellen in Aleppo im Häuserkampf. Foto: AFP

Immer mehr Islamisten aus den stark muslimisch geprägten Kaukasus-Regionen Russlands ziehen nach Angaben des Geheimdienstes FSB in den Bürgerkrieg nach Syrien. Und auch immer mehr von ihnen kehren kampferprobt heim und tauchen unter. Die russischen Sicherheitsbehörden fürchten, dass die Dschihadisten nicht nur die örtlichen Rebellen unterstützen, die gegen die Moskauer Zentralregierung kämpfen.

Vor allem die Sorge, sie könnten Anschläge auf die Olympischen Winterspiele im Februar in Sotschi verüben, treibt sie um. Entsprechende Aufrufe von russischen Kämpfern in Syrien kursieren im Internet. Die „Gotteskrieger“, die die syrischen Rebellen im Kampf gegen Machthaber Baschar al-Assad unterstützen, kommen aus Ortschaften wie dem 2000-Einwohner-Dorf Nowosasitli im südlichen Dagestan. An Häuserwänden prangen Graffiti mit Parolen für einen islamistischen Staat. In den vergangenen vier Jahren wurden 15 Männer aus Nowosasitli bei Gefechten mit russischen Sicherheitskräften getötet.

Nach Angaben von Dorfbewohnern zogen acht junge Männer nach Syrien. Drei seien bei der Rückkehr festgenommen worden. Die übrigen fünf seien untergetaucht.

In Syrien gebe es „ganze Brigaden unserer Jungs“, sagt Achmed Chaibulajew. Unter ihnen war auch ein 15-Jähriger, der im Sommer in Syrien bei Kämpfen getötet wurde und der im Dorf wie im Internet als Märtyrer verehrt wird. „Er ging nach Syrien, weil er es nicht ertrug, dass Assad und seine Armee Kinder töteten“, sagt ein Mann, der nach Angaben von Dorfbewohnern ebenfalls in Syrien gekämpft hat und deshalb seinen Namen nicht nennen will. Der getötete Jugendliche hatte in Ägypten studiert, bevor er sich Kämpfern russischer Abstammung in Syrien anschloss.

Eltern haben Angst, dass ihre Söhne in den Dschihad, den Heiligen Krieg, ziehen. Und sie versuchen, das zu verhindern. „Ein Vater kennt seinen Sohn. Ich habe ihm gesagt, er soll mir seinen Pass geben. Als er sich weigerte, habe ich ihm den Pass weggenommen“, sagt ein Mann, der aus Angst vor den russischen Sicherheitskräften seinen Namen nicht nennen will. Sein 23-jähriger Sohn sei dann vor zwei Monaten dennoch nach Syrien aufgebrochen. „Ich weiß nicht, ob er zurückkommt“, sagt der Vater.

Russland unterstützt das Regime

Im Juni hatte der FSB die Zahl russischer Islamisten, die sich Al-Kaida-nahen Rebellen in Syrien angeschlossen haben, mit 200 angegeben. Drei Monate später verdoppelte er die Zahl auf 400.

Russland unterstützt Syriens Regierung diplomatisch und militärisch, was die Muslime gegen Präsident Wladimir Putin aufbringt. „Die Muslime auf der ganzen Welt verachten Putin wegen seiner Unterstützung Assads“, sagt Dschabrail Magomedow. Er gehört zu Männern aus Nowosasitli, die an einer Koranschule in Damaskus ausgebildet wurden.

Im Sommer rief der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow zu Sabotageakten unter „größtem Einsatz von Gewalt“ gegen die olympischen Winterspiele in Sotschi auf. Unterstützung erhielt er von Kämpfern in Syrien. Sie riefen Muslime im Nordkaukasus auf, zu Hause den „Heiligen Krieg“ zu führen, anstatt nach Syrien zu kommen.

Entsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen in Sotschi, das an den Nordkaukasus angrenzt. Wladimir Putin hat erst vor wenigen Tagen ein Gesetz abgesegnet, das den Sicherheitsbehörden erlaubt, mutmaßliche Kämpfer, die aus Syrien zurückkehren, zu inhaftieren. (rtr)

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