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Syrien Höllenwoche in Syrien

Bei heftigen Luftangriffen nahe Damaskus und im Osten Syriens sterben viele Zivilisten. „Überall kannst du den Tod riechen“, sagt ein Bewohner.

Duma
Rettung aus Trümmern nach einem Luftangriff auf die syrische Stadt Duma. Foto: rtr

Seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch dschihadistische Bewaffnete vor fünf Tagen überziehen russische und syrische Kriegsflugzeuge die beiden Rebellenenklaven Idlib und Ost-Ghouta nahe Damaskus mit einem infernalischen Bombardement. Mindestens 200 Menschen, schätzungsweise die Hälfte von ihnen Frauen und Kinder, kamen nach Angaben von Helfern bisher bei den Angriffen ums Leben, die an die Schlussphase der Bombardierung von Ost-Aleppo vor einem Jahr erinnern.

Auch am Donnerstag gingen die Luftschläge unvermindert weiter, die systematisch Wohnhäuser, Schulen, Marktplätze und Hospitäler in Schutt und Asche legen. Die Rettungsdienste sind am Ende ihrer Kräfte, in den wenigen noch verbliebenen Krankenhäusern fehlt es am Nötigsten. „Wir sind nirgendwo mehr sicher und können nirgendwohin mehr fliehen“, sagte ein Aktivist der Stadt Douma dem Portal „Syria Direct“. „Überall kannst du den Tod riechen“, erklärte ein anderer Bewohner, der berichtete, die Namen der Opfer würden jetzt über Moschee-Lautsprecher ausgerufen.

Parallel dazu kam es im Osten des Landes zu einer bisher beispiellosen militärischen Konfrontation. US-Kampfflugzeuge griffen Stellungen der syrischen Armee an und töteten nach Angaben des Pentagon mehr als 100 Gegner. Zuvor hatten etwa 500 Assad-Soldaten in der Nähe der Stadt Deir as-Saur mit Panzern und Artillerie arabisch-kurdische Einheiten unter Feuer genommen, die von den Vereinigten Staaten im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ unterstützt werden. Südöstlich der Wüstenstadt am Unterlauf des Euphrat halten sich noch Hunderte Gotteskrieger des IS verschanzt. In diesem Gebiet wird auch der selbst ernannte Kalif Abu Bakr Al-Baghdadi vermutet. Nach einer Vereinbarung zwischen Moskau und Washington sollen die Assad-Soldaten auf dem westlichen und die US-geführten Einheiten auf dem östlichen Ufer des Flusses vorrücken.

Keine direkten Gespräche mit Assad

Unter dem Druck der Ereignisse kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an, dessen Armee auf einem dritten syrischen Kriegsschauplatz gegen die Kurden in der Region Afrin zu Felde zieht, er werde sich in Istanbul mit Russlands Staatschef Wladimir Putin und Irans Präsident Hassan Ruhani zu einem Gipfel treffen. Einen genauen Termin nannte Ankara bisher nicht. Direkte Gespräche mit dem „Mörder“ Baschar al-Assad schloss Erdogan erneut aus. Der UN-Sicherheitsrat in New York beriet auf Antrag von Kuwait und Schweden hinter verschlossenen Türen über eine einmonatige humanitäre Feuerpause. Erst Anfang der Woche war ein Vorstoß der Vereinigten Staaten am Widerstand Russlands gescheitert, das Assad-Regime wegen des Einsatzes von Chlorgas zu verurteilen.

Der UN-Hilfekoordinator für Syrien, Panos Moumtzis, sprach während einer Pressekonferenz in Beirut wegen der zahlreichen Fronten in Syrien von einer „extremen Verschlechterung der humanitären Lage“, wie man sie in dem sieben Jahre langen Krieg bisher noch nicht gesehen habe. 2017 habe das Assad-Regime lediglich 27 Prozent aller für die Versorgung der Hungerenklaven beantragten UN-Hilfstransporte genehmigt. Das umzingelte Ost-Ghouta hätten die Helfer zuletzt im November mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen können. Die Evakuierung von etwa 600 Verletzten und Schwerkranken werde ebenfalls blockiert, ein Verhalten, was Moumtzis „absolut empörend“ nannte. Nach seinen Worten stehe die humanitäre Diplomatie vor dem Scheitern. Man habe es nicht geschafft, das Gewissen der Politiker, Entscheidungsträger und Machthaber zu erreichen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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