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Syrien Fingierte Hilfsaktion für syrische Kinder

Die Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" wirbt im Namen des Bundesfamilienministeriums um Pflegeeltern für syrische Flüchtlingskinder. Das Familienministerium hat mit der Aktion nichts zu tun.

Hat mit der angeblichen Hilfsaktion nichts zu tun: Manuela Schwesig. Foto: dpa

Eines muss man der Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit lassen: Die fingierte Hilfsaktion für syrische Flüchtlingskinder im Internet ist täuschend echt gemacht. Man sieht Schulkinder mit Fotos der Familienministerin und Zetteln „Danke, Manuela Schwesig“.

Neben dem entschlossenen Gesicht der SPD-Politikerin steht „Nationaler Appell“. Mit dem Logo des Bundesfamilienministeriums in der linken Ecke wird auf einer Web-Seite www.kinder-transporthilfe-des-bundes.de für ein angebliches Soforthilfeprogramm des Bundes geworben, mit dem 55 000 syrische Kinder im Alter bis zu 17 Jahren zu Pflegefamilien nach Deutschland geholt werden sollen. Es gibt Informationen über die gesetzlichen Grundlagen, die Vergütung der Vollzeitpflege, Online-Anträge zur Bewerbung und eine Pressestelle, die sogar nach Dienst und am Wochenende erreichbar ist.

Nur, die Familienministerin hat mit der Aktion nichts zu tun, wie die Pressestelle des Hauses erklärt. Das offizielle Logo, die Fotos von Manuela Schwesig – alles wurde ohne Wissen und Zustimmung des Ministeriums auf die Seiten gestellt. Eine Sprecherin sagte dazu am Mittwoch, man werde aber nicht gegen den gefälschten Hilfsappell vorgehen. Manuela Schwesig wolle vor Gericht keinen Streit auf dem Rücken von Kindern austragen.

Zaina Lindner, Mitglied des Künstlerkollektivs und auf der Homepage als Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit für den arabischen Raum ausgewiesen, rechtfertigt die Aktion. „Das ist keine Satire, sondern Hyperrealismus“, sagt sie. „Wir meinen das völlig ernst und haben das Soforthilfeprogramm bis ins Detail recherchiert. Man kann auch sagen, wir greifen der Bundesregierung etwas unter die Arme.“ Die Bundesregierung müsse sich nur zu diesem Schritt entschließen, dann könne die Aktion genau wie beschrieben ablaufen.

Hunderte Anfragen

Etwa zehn Leute waren nach Angaben von Zaina Lindner beteiligt, drei bis sechs sitzen seit Montag an den Telefonen und beantworten Anfragen. 564 potenzielle Pflegeeltern hätten sich bereits gemeldet. Zaina Lindner: „Jeder Anrufer wird sofort darüber aufgeklärt, dass es das Hilfsprogramm nicht gibt.“ Schlecht reagiert habe keiner von ihnen, nur die Presse rege sich fürchterlich auf. Die Kinder wurden nach Angaben der Aktivisten in Aleppo fotografiert, im Rahmen eines Theaterstücks. Keinem Kind sei vorgespielt worden, es käme zu Pflegeeltern nach Deutschland.
Immerhin, Bund und Länder verhandeln derzeit über die Aufnahme weiterer syrischer Flüchtlinge. Bislang gibt es die Zusage für 10 000, davon ist ungefähr die Hälfte bereits in Deutschland angekommen. Insgesamt sind mehr als zwei Millionen Syrer wegen des Bürgerkriegs in die Nachbarländer geflohen.

Am Mittwoch entschuldigte sich der internationale Syrien-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi, der seinen Posten zum Ende des Monats aufgibt, bei den Syrern, dass „wir Ihnen nicht so geholfen haben, wie es notwendig war und Sie es verdient haben“. Brahimi hatte zwei Jahre lang vergeblich versucht, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. (mit dpa)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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