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Syrien Erdogan plant neue Offensive gegen YPG

Die Türkei plant Angriffe auf kurdische Partner der Amerikaner im Kampf gegen den IS in Syrien. Die USA warnen vor einer neuen Offensive, doch Ankara zieht bereits Truppen zusammen.

Syrien
Kämpferinnen der von der kurdischen YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Foto: afp

Nach der Ankündigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, „innerhalb der nächsten Tage“ das quasi autonome syrische Kurdengebiet östlich des Euphrats anzugreifen, haben sich die USA „ernsthaft besorgt“ geäußert. Eine einseitige Militäraktion sei „inakzeptabel“, zumal sich Spezialeinheiten der US-Army in der Region aufhielten, erklärte das US-Verteidigungsministerium; das Vorhaben gefährde zudem den anhaltenden Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Politische Beobachter warnen, dass die Türkei mit einem Angriff eine militärische Konfrontation mit dem Nato-Partner riskiere.

Erdogan scheint jedoch entschlossen, eine seit Wochen avisierte Intervention in das von den Kurden „Rojava“ genannte Autonomiegebiet jetzt anzuordnen. Seit Tagen werden Truppen, Panzer und Artillerie ins Grenzgebiet transportiert. Laut der regierungsnahen Zeitung Yeni Safak soll Ankara zudem 14 000 verbündete Kämpfer der „Freien Syrischen Armee“ an die Grenze zum Kurdengebiet beordert haben.

Das Ziel der Operation seien „Terroristen, nicht US-Soldaten“, sagte Erdogan. Die Türkei sehe sich zum Handeln gezwungen, da das Pentagon angekündigt habe, „30 000 Terroristen“ in der Region militärisch zu trainieren – der Präsident meint die mit den USA verbündeten kurdischen Selbstverteidigungseinheiten (YPG). Zum anderen habe das US-Militär trotz Protesten aus Ankara Beobachtungsposten entlang der Grenze eingerichtet, „die die Terroristen vor der Türkei und nicht die Türkei vor den Terroristen beschützen sollen“.

James Mattis betont Zusammenarbeit mit YPG

Tatsächlich hatte das US-Verteidigungsministerium zu Wochenbeginn festgestellt, dass der Aufbau US-amerikanischer „Beobachtungsposten“ nun abgeschlossen sei und ein Programm zum Training der YPG geplant sei. US-Verteidigungsminister James Mattis hatte mehrfach betont, dass die Zusammenarbeit mit der YPG auf Dauer angelegt sei.

Die von der YPG angeführten arabisch-kurdischen „Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) versuchen seit September, die letzten Widerstandsnester der IS-Miliz im Euphrattal zu erobern und machen zurzeit gute Fortschritte.

Türkische Regierung sieht in YPG Ableger von PKK

Die türkische Regierung betrachtet die syrische YPG jedoch als Bedrohung, da sie ein Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK ist, die in der Türkei, aber auch in den USA als Terrororganisation aufgeführt wird. Andererseits stuft Washington die YPG ausdrücklich nicht als Terrorgruppe ein und betont, auf sie als Bündnispartner gegen den IS angewiesen zu sein.

Das YPG-Kommando reagierte auf die türkische Drohung mit der Erklärung, der angekündigte Angriff werde den Kampf gegen den IS schwächen, denn die Kurden würden sich dann auf die Verteidigung der Grenze konzentrieren. Kämpfer, die derzeit an der Offensive im Osten Syriens beteiligt seien, würden kehrtmachen, „um ihre Gebiete und ihre Familien zu verteidigen“. Auch Pentagon-Sprecher Sean Robertson sagte, die Verbündeten dürften den Dschihadisten „an diesem kritischen Punkt keine Luft zum Atmen geben“.

Politische Beobachter rätseln, warum Erdogan gerade jetzt die Kriegstrommel rührt. Der türkische Journalist und Syrien-Experte Fehim Tastekin schrieb auf der oppositionellen Internetplattform Arti Gercek, Erdogan versuche wie üblich, angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen in der Türkei mit „Pulverdampf“ von der Wirtschaftskrise abzulenken und eine Atmosphäre „nationaler Mobilisierung“ zu erzeugen, wie schon mit der Invasion der syrischen Kurdenenklave Afrin vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Juni. „Die Eskalation von Spannungen ist sein größter Aktivposten.“

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