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Syrien Die Logik von Angriff und Vergeltung

Die ehemals Verbündeten gegen den „Islamischen Staat“ gehen nun wieder aufeinander los. UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnt vor einer „gefährlichen Ausstrahlung“ des Syrien-Kriegs.

Reste der F-16
Armeespezialisten untersuchen die Reste der F-16. Foto: rtr

Als wenn Syriens Tragödie nicht schon schlimm genug wäre: Kaum ist die Völkerschlacht gegen den „Islamischen Staat“ geschlagen, gehen die bisherigen Anti-IS-Zwangsalliierten wieder aufeinander los – mit neuer Härte und unabsehbaren Folgen für die gesamte Region. Denn zum ersten Mal könnten jetzt auch Mächte, die von außen im syrischen Bürgerkrieg mitmischen, direkt aneinandergeraten – Israel mit Iran oder Libanon, USA mit Russland oder Iran sowie die Türkei mit Iran oder Russland.

Alarmiert beschwor UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Sonntag alle Kontrahenten, ihre Kampfhandlungen zu reduzieren und sprach von einer „gefährlichen Ausstrahlung“ über die syrischen Grenzen hinaus. Das syrische Volk erleide derzeit „eine der gewalttätigsten Perioden in dem nahezu siebenjährigen Konflikt“, hieß es bei den Vereinten Nationen in New York. Allein in der ersten Februarwoche seien über 1000 Zivilisten durch Luftangriffe getötet worden.

Ausgelöst wurde die brisante regionalpolitische Zuspitzung durch massive Angriffe Israels gegen iranische und syrische Militäreinrichtungen im Nachbarland, nachdem am Samstagfrüh eine iranische Drohne über den Golan-Höhen entdeckt und von einem Apache-Hubschrauber abgeschossen worden war.

Drohnenleitzentrale zerstört

Nach Erkenntnissen aus Tel Aviv stammte der unbemannte Flugkörper von der zentralsyrischen Luftwaffenbasis T4 in der Provinz Homs und wurde von dort aus gesteuert, eine Darstellung, die Teheran als „lachhaft“ bestritt. Als Vergeltung stiegen in einer ersten Angriffswelle acht israelische Kampfflugzeuge auf und legten die Kaserne mitsamt der Drohnenleitzentrale in Schutt und Asche. Auf dem Rückweg jedoch gelang es der syrischen Luftabwehr, eine der F-16 zu treffen, die über israelischem Gebiet abstürzte. Beide Piloten konnten sich mit dem Schleudersitz retten, einer musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.

Für Israel war das der erste Verlust eines Kampfjets durch feindliches Feuer seit 35 Jahren. Als Reaktion bombardierte seine Luftwaffe in einer zweiten „umfassenden Angriffswelle“ zahlreiche syrische Luftabwehrbatterien und vier iranische Militärposten. Das Ganze sei „mehr als eine militärische Konfrontation und weniger als ein Krieg“, erklärte die Armeeführung und warnte Damaskus und Teheran davor, mit dem Feuer zu spielen.

Ähnlich brisant entwickeln sich auch die beiden anderen neuen Kriegsschauplätze auf syrischem Territorium. Die Türkei verlor am Samstag bei Kämpfen um die Enklave Afrin elf Soldaten und einen Hubschrauber – der bisher höchste Verlust an einem einzigen Tag in dem kürzlich begonnenen Krieg mit den kurdisch-syrischen Milizen. Gleichzeitig begannen türkische Truppen, mehrere Posten in der Rebellenprovinz Idlib zu beziehen, unter anderem östlich der Stadt Saraqeb, die vorige Woche von syrischen und russischen Kampfjets tagelang schwer bombardiert worden war. Denn Ankara ist nicht bereit, der Rückeroberung Idlibs durch Baschar al-Assad und der russischen Luftwaffe tatenlos zuzusehen.

Derweil gingen im Euphrat-Tal südöstlich der Stadt Deir as-Saur die Gefechte von US-geführten kurdisch-arabischen Einheiten mit der Assad-Armee und iranischen Milizen weiter. Dort hatten vor vier Tagen amerikanische Kampfjets und Hubschrauber mehr als 100 Soldaten und Bewaffnete des Regimes getötet, was wütende Proteste in Damaskus, Teheran und Moskau auslöste. US-Außenminister Rex Tillerson begann am Sonntag eine mehrtägige Reise durch den Nahen Osten. Er will Jordanien, die Türkei, Libanon, Ägypten und Kuwait besuchen. 

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