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Syrien Die entscheidende Schlacht ums Kalifat

Assad und seine Verbündeten reagieren empört auf den Angriff der US-Allianz. Ostsyrien wird zum Spielball der verschiedenen Mächte.

Syrien
Kurden versuchen, ein brennendes Feld nach Kämpfen mit dem IS bei Rakka zu löschen. Foto: rtr

Das Pentagon gab sich betont nüchtern. Der syrische SU-22-Kampfjet habe Bomben auf Truppen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) abgeworfen, hieß es in der Mitteilung. Daraufhin sei die Maschine von einer F-18 Super Hornet abgeschossen worden. „Das Bündnis strebt keine Kämpfe gegen das syrische Regime oder mit ihm verbündete russische und regimetreue Kräfte an“, fügte das US-Oberkommando hinzu. Man werde aber nicht zögern, Streitkräfte der Koalition oder ihre Verbündeten zu schützen, wenn sie bedroht würden.

Mit dem spektakulären Duell am syrischen Himmel jedoch, bei dem der Assad-Pilot ums Leben kam, gerieten zum ersten Mal seit Beginn des Bürgerkrieges Kampfflugzeuge von Damaskus und Washington aneinander. Auch am Boden kam es nahe der IS-Hochburg Rakka zu Gefechten zwischen arabisch-kurdischen Einheiten, die von den USA bewaffnet und dirigiert werden, und der syrischen Armee. Zuvor hatten die USA zwei iranische Drohnen abgeschossen und schiitische Milizen unter Feuer genommen, als sich deren Konvoi dem zentralen US-Trainingslager in At-Tanf näherte.

Angesichts der sich häufenden Zwischenfälle keilte Assads Hauptverbündeter Moskau am Montag zurück, nannte den Abschuss einen „Akt der Aggression“ und warf den USA vor, sie hätten keinerlei Respekt für die Normen des internationalen Rechts. Der Kreml kündigte an, es werde künftig alle Flugzeuge und Drohnen der Anti-IS-Koalition westlich des Euphrats ins Visier nehmen und die Syrien-Hotline zu den Amerikanern abschalten. Die erregten Vorwürfe kündigen die nächste Eskalationsphase des Krieges an, den militärischen Wettlauf um die Kontrolle Ostsyriens nach einem Kollaps des „Islamischen Kalifats“.

Denn die SDF, in denen Kurden und arabische Sunniten zusammen kämpfen, stehen mittlerweile an den Außenbezirken von Rakka, seit Januar 2014 die Hauptstadt des IS. Von Süden nähern sich die syrische Armee und schiitische Milizen. In der Stadt sollen sich zwischen 2500 und 5000 Dschihadisten verschanzt halten. Gleichzeitig setzen Baschar al-Assad und der Iran darauf, dem IS die dünn besiedelte Grenzregion zu Irak und Jordanien zu entreißen. Dazu verlegte Damaskus dieser Tage Truppen aus Aleppo an die IS-Front. Der Oberbefehlshaber der Auslandstruppen der Revolutionären Garden, der iranische General Qassem Soleimani, ließ sich demonstrativ an der irakisch-syrischen Grenze fotografieren.

Denn wer aus der Konkursmasse des „Islamischen Staates“ das strategisch wichtige ostsyrische Grenzgebiet mit seinen Straßenübergängen in die Hand bekommt, kann entscheidende Weichen für die Zukunft Syriens stellen. Das Assad-Regime kalkuliert, in diesem Fall das Staatsgebiet größtenteils wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Für seine Mitstreiter in Teheran entstünde erstmals seit Jahren wieder ein durchgängiger Landkorridor zwischen dem Iran, über Irak und Syrien bis zur Hisbollah im Libanon. Eine solche schiitische Achse wollen die USA und ihre sunnitischen Alliierten verhindern. Für Kamel Wazne, Politikwissenschaftler an der Amerikanischen Universität Beirut, sitzen Damaskus und Teheran jedoch am längeren Hebel. „Dieses Lager ist absolut entschlossen, den Kampf bis zum Ende durchzuziehen. In ihren Augen ist dies die alles entscheidende Konfrontation.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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