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Syrien „Botschaft an alle“

Beobachter sehen in dem Vorgehen Moskaus eine Reaktion auf den Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges durch dschihadistische Rebellen am Sonnabend in der benachbarten syrischen Provinz Idlib.

Syrien
Ein Mitglied der syrischen Zivilverteidigung trägt ein verletztes Kind nach Luftangriffen des Regimes auf die von Rebellen besetzte Stadt Douma in der östlichen Region Ghouta, am Rande der Hauptstadt Damaskus. Foto: afp

Russland hat den syrischen Luftraum offenbar für türkische Flugzeuge geschlossen. Nach übereinstimmenden Medienberichten flogen türkische Kampfjets seit Sonntag keine Luftangriffe mehr auf die nordsyrische Kurdenenklave Afrin, gegen die das türkische Militär und verbündete syrische Rebellen seit mehr als zwei Wochen Krieg führen. Die in den USA lebende türkische Journalistin Amberin Zaman berichtete auf der Nahost-Nachrichtenwebseite Al-Monitor, dass Quellen in Washington ihr dies bestätigt hätten. Es ist unklar, ob es sich um eine vorübergehende Maßnahme handelt. Doch passt dazu die Erklärung des syrischen Militärs vom Dienstag, man habe neue Flugabwehrsysteme in Aleppo und Idlib installiert. Sie seien auf den Luftraum Nordsyriens ausgerichtet, „als Botschaft an alle“.

Beobachter wie Zaman sehen im Vorgehen Moskaus und Damaskus‘ eine Reaktion auf den Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges durch dschihadistische Rebellen am Sonnabend in der benachbarten syrischen Provinz Idlib, für das militärische Kreise in Moskau die Türkei wegen deren Verbindungen zu den Rebellen verantwortlich machen. Die al-Kaida nahe Gruppe Hayat Tahrir al-Sham verwendete dabei eine tragbare Flugabwehrwaffe bisher unbekannten Typs. Russland hat die Türkei inzwischen um Hilfe bei der Bergung des abgeschossenen Kampfjets Suchoi Su-25 gebeten. Aus den Spuren des Treffers ließen sich Rückschlüsse auf Art und Herkunft des Waffensystems ziehen. Die Türkei hat durch ihre Kontakte zu den Rebellen am Dienstag bereits die Rückführung des toten Piloten nach Russland ermöglicht. Er hatte sich zunächst mit dem Fallschirm gerettet, dann aber vor der Gefangennahme mit einer Handgranate selbst in die Luft gesprengt.

Seit dem Abschuss des Kampfjets haben Russland und das syrische Assad-Regime ihre Luftangriffe gegen Rebellen in der Provinz Idlib und Ost-Ghuta bei Damaskus seit Montag massiv verstärkt. Bei den heftigsten Luftangriffen seit Wochen habe es mindestens 70 Opfer gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London am Dienstagabend mit. UN-Vertreter in Syrien verlangten umgehend eine mindestens einmonatige Kampfpause, um Millionen Menschen versorgen sowie Kranke und Verwundete retten zu können. Die UN-Ermittlungskommission für Syrien kündigte an, sie werde zudem mBerichte über einen Angriff mit Chemiewaffen auf die von Rebellen gehaltene Stadt Sarakib im Nordwesten des Landes untersuchen.

Die türkische Armee kämpft seit mehr als zwei Wochen in Afrin im Rahmen der sogenannten Operation Olivenzweig gegen die kurdische Miliz YPG. Die Türkei betrachtet die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation; dagegen sieht Washington die mit ihr verbündeten 50000 Kämpfer der Miliz als wichtigste Bodentruppe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an. Die Türkei begründet ihren Militäreinsatz unter anderem mit Dutzenden Raketen- und Artillerieangriffen der Kurden auf die grenznahen türkischen Städte Kilis und Reyhanli, die bereits acht Todesopfer gefordert hätten. Die YPG hat diese Angriffe mehrfach dementiert. Am Mittwoch zitierte die exiltürkische Nachrichtenwebseite Ahvalnews die Sprecherin Nesrin Abdullah vom YPG-Oberkommando mit den Worten: „Wir haben nie irgendein Gebiet innerhalb der Türkei angegriffen. Kilis liegt weitab von unseren Frontlinien.“

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